"Ich bin zutiefst berührt"

Dr. Josef Höß (links) erhält von OB Dr. Ulrich Netzer die Ehrenbürgerwürde und die Bürgermedaille. Fotos: Läufle

Kempten hat einen neuen Ehrenbürger. Für seine außerordentliche Verdienste zum Wohl der Stadt und seiner Bürgerinnen und Bürger bekam Alt-OB Dr. Josef Höß am Mittwochabend bei einem Empfang in der Schrannenhalle des Rathauses die Ehrenbürgerwürde und die Bürgermedaille verliehen. Neben diesen besonderen Ehrungen war auch Höß' 80. Geburtstag vor wenigen Tagen Anlass für den Empfang. Umrahmt wurde die Veranstaltung von der Stadtkapelle Kempten, die erstmals in großer Besetzung im Rathaus spielte.

Rund 100 Gäste, darunter die gesamte Familie Höß, Landrat Gebhard Kaiser und viele ehemalige und aktuelle Stadträte, hatten sich am Mittwochabend auf Einladung von OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) in der Schrannenhalle eingefunden. „Die Feierstunde heute hat etwas besonderes, stellt einen Ausnahmewert dar“, betonte das Stadtoberhaupt gleich zu Beginn seiner Rede, in der er auf den Werdegang von Dr. Josef Höß, der von 1970 bis 1990 OB von Kempten war, zurückblickte. Zum 1. April 1964 trat der Alt-OB als städtischer Finanzrat seinen Dienst bei der Stadt Kempten an. Im Juli 1970 wurde er erstmals zum Oberbürgermeister gewählt und bereits am 1. Juli 1972 im Amt bestätigt. „Es ist wohl die wichtigste Aufgabe des Oberbürgermeisters, Entwicklungen zu erahnen oder einzuleiten, langfristig zu denken, vom Augenblickserfordernis losgelöst zu entscheiden und rechtzeitig Weichen zu stellen“, zitierte Netzer aus der damaligen Antrittsrede von Dr. Höß und meinte, dass er damit die Latte ganz schön hoch gelegt hätte. Weichen gestellt Mit der Gebietsreform, der Zusammenlegung der Gemeinden St.-Mang und St.-Lorenz mit der Stadt Kempten im Jahre 1972, habe Höß die Weiche gestellt, dass Kempten heute das wirtschaftliche Zentrum der Region sei. Eine entscheidende Entwicklungsgrundlage unter Höß war Netzer zufolge zudem der nach der Zusammenlegung entwickelte Flächennutzungsplan. „Es war wesentlich mit Ihre Leistung, das Fundament zu bauen für die Wirtschaftskraft und die Stärke unserer Stadt heute“, unterstrich Netzer. Als Quantensprung bezeichnete der Rathauschef die Errichtung der Hochschule in Kempten, für die sich Höß stark eingesetzt hatte. Wichtig war dem Alt-OB auch immer, die eigenen Wurzeln und die Wurzeln der Stadt zu kennen, diese sichtbar zu machen und zu vermitteln. So wurde unter ihm Kemptens Vergangenheit ans Licht geholt und zum Beispiel im Jahr 1987 der Archäologische Park Combodunum eröffnet. „Ihr historisches Bewusst- sein schlug sich sichtbar nieder in der behutsamen Renovierung und im Umbau des Rathauses“, meinte Netzer weiter. Außerdem legte Höß Wert darauf, gemeinsame mehrere Kommunen betreffende Fragestellungen auch gemeinsam zu beantworten. So wurde in einigen Bereichen (Abwasser, Abfallwirtschaft, Krankenhaus- wesen) Hand in Hand mit dem Landkreis Oberallgäu oder auch mehreren Landkreisen gearbeitet. Nach seiner Zeit in Kempten wirkte Höß von 1991 bis 1999 als Beigeordneter für Finanzen und Liegenschaften und Bürgermeister der Stadt Dresden. Für sein umfassendes Wirken erhielt der Alt-OB hohe Auszeichnungen wie des Bayerischen Verdienstorden, das Bundesverdienstkreuz am Bande und das Verdienstkreuz Erster Klasse. Für sein großes Engagement und außerordentliche Verdienste für die Stadt Kempten ernannte OB Netzer Dr. Josef Höß am Mittwochabend zum Ehrenbürger der Stadt und verlieh ihm die Bürgermedaille. Vorausgegangen war der Ehrung ein einstimmiger Beschluss des Stadtrats Mitte Dezember. „Das ist schon ein ganz besonderer Tag“, meinte der Alt-OB. Seitdem er von der Ehrung erfahren habe, sei er in einem Trancezustand. „Das ist eine Ehrung, die in der Größenordnung einmalig ist“, erklärte er. Das sei die persönlichste und höchste Auszeichnung, die Kommunen verleihen können. „Ich bin durch diese Ehrung zutiefst berührt, dankbar und einfach glücklich.“ Auch er blickte kurz auf seinen Werdegang zurück, nannte die Gebietsreform, die Archäologie und die Hochschule. Als er 1990 nicht mehr gewählt worden war, habe ihm ein guter Freund geschrieben: „Es ist keine Schande hinzufallen, es ist eine Schande liegen zu bleiben.“ Und Höß ist wieder aufgestanden und erlebte in Dresden tolle Entwicklungen nach der Wiedervereinigung, wie er den Gästen erzählte.

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