Das Auto steht an Nummer eins

ADAC-Studie zur Mobilität Älterer im ländlichen Raum

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Diskutierten über die Mobilität älterer Menschen in Schwaben (v.l.) Stefan Dorner (Leitung ADAC-Südbayern), Werner Weigelt (Geschäftsführer Schwabenbund e.V.), MdL Eberhard Rotter, Karl Michael Scheufele (Regierungspräsident von Schwaben), Hubert Beck (Geschäftsführer mona GmbH) und Alexander Kreipl (Verkehrspolitischer Sprecher ADAC Südbayern e.V.).

Kempten – Mobil sein bedeutet, den Alltag selbstständig bewältigen und Kontakte pflegen zu können. Mobil sein und auch im Alter zu bleiben, ist demnach ein entscheidend wichtiges Stück Lebensqualität.

Weil sich der Automobilclub ADAC als Dienstleister für alle Gruppen versteht, die am Verkehr teilnehmen, hat er das Berliner IGES-Institut mit einer Studie über die Mobilität älterer Menschen im ländlichen Raum beauftragt. Christoph Gipp, der Geschäftsführer dieses unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstituts für Infrastruktur und Gesundheitsfragen hat die Ergebnisse samt Handlungsempfehlungen nun im Altstadthaus Kempten den politischen Entscheidungsträgern präsentiert.

Im Februar und März 2016 wurden fast 2000 ältere Menschen ab 55 Jahren, die in Südbayern und auf dem Land leben, nach ihrem Mobilitätsverhalten und ihren diesbezüglichen Bedürfnissen und Wünschen gefragt. Hier einige Kernergebnisse der Studie:

Derzeit nutzen rund 82 Prozent der 55- bis 64-Jährigen einen eigenen PKW, in der Altersgruppe der über 74-Jährigen aber nur noch knapp die Hälfte. Das bedeutet, dass sie auf Alternativen angewiesen sind, die jedoch entweder fehlen oder als zu unflexibel und nicht komfortabel empfunden werden. Immerhin 16 Prozent der Einwohner – aus historischen Gründen überwiegend Frauen – haben keinen Führerschein. Ein hoher Anteil der Befragten fährt deshalb bei anderen Leuten im Auto mit, jedoch nur im vertrauten sozialen Kontext, keineswegs mit fremden Personen.

ÖPNV besser als sein Ruf

Warum fahren so wenig Ältere mit Bus und Bahn? Unattraktiv ist der ÖPNV wegen der starren Fahrpläne, den langen Reisezeiten und der fehlenden Möglichkeiten, Einkäufe sicher abzustellen oder gar einen Rollator mitzunehmen. Für Menschen mit eingeschränktem Gehvermögen ist es bereits schwierig, die Haltestelle zu erreichen und von dort wieder zur eigenen Haustür zu gelangen. Bemerkenswert dabei: Die Nutzer bewerten die Anbindung besser als die Nicht-Nutzer. Der ÖPNV ist demnach besser als sein Ruf.

Das E-Bike ist in unserer Region recht verbreitet. Zehn Prozent sind bereits damit unterwegs, 20 Prozent denken über die Anschaffung nach. E-Bikes haben also viel Potenzial, werden jedoch eher für die Freizeit genutzt und sind kein Ersatz für das Auto.

Ältere Menschen rechnen damit, künftig mehr Geld für Mobilität ausgeben zu müssen und sind auch bereit dazu. Obwohl neben dem Internet auch rund 50 Prozent mit dem Smartphone vertraut sind, muss der Zugang zu Bahn- und Bustickets deutlich erleichtert werden – je einfacher es ist, an eine Fahrkarte zu kommen, desto besser kommen auch Gelegenheitsfahrer mit dem System zurecht. Auch das bedeutet „Barrierefreiheit“. Einheitliche Tickets in den Verkehrsverbünden, die Verknüpfung mit Tourismus- und Gesundheitsmarkt und die Entwicklung neuer Finanzierungsmodelle des ÖPNV sind Aufgaben, die angesichts des demographischen Wandels dringend gelöst werden müssen. Trotzdem gilt, dass nicht nur die Älteren auf bessere Bus- und Bahnangebote warten: Alle Bürger und Bürgerinnen auf dem Land, die aus welchen Gründen auch immer kein privates Auto fahren, haben die gleichen Bedürfnisse. Zivilgesellschaftliches Engagement – Stichwort „Bürger fahren für Bürger“ – ist für den ländlichen Bereich offenbar besser geeignet als Car-Sharing. Gut angenommen wird dieses Modell inzwischen jedoch in Weilheim, dank eines engagierten „Kümmerers“. In Günzburg ist der „Flexi-Bus“ sehr erfolgreich, wenn er auch mit hohen Kosten verbunden ist.

Die IGES-Studie stellt erstmals Daten über die Mobilitätsoptionen Älterer im ländlichen Raum zur Verfügung. Was sie nicht zur Verfügung stellen kann, sind die Mittel für die Investitionen in die benötigte Infrastruktur. In der Diskussion der Fachmänner aus der Politik, den Behörden und Ins-

titutionen wurde deutlich, dass sie sich der Verantwortung für diesen Teil der Daseinsführsorge bewusst sind, Schritt für Schritt Mobilitätsalternativen entwickeln und künftig noch stärker an einem Strang ziehen wollen.

Mehr zur IGES-Studie unterwww.presse.adac.de/regionalclubs/suedbayern.

Elisabeth Brock

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