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IHK-Schwaben/Allgäu und Wirtschaftsjunioren äußern Wünsche an die Politik

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Landkreis – Der in Folge der Corona-Krise vollzogene Shutdown der Wirtschaft hat zu erheblichen Verwerfungen in der Ökonomie Europas, Deutschlands und des Allgäus geführt.

Für rund 90.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse ist durch 6950 Unternehmen im Allgäu Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen angezeigt worden.

Bei rund 240.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverrhältnissen im Zuständigkeitsgebiet der Agentur ist das mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze. Allerdings wird erst in einigen Wochen feststehen, in wie vielen Fällen tatsächlich KUG an Unternehmen ausbezahlt wurde. Viele Problemfelder beschäftigen zur Zeit betroffene Unternehmen, sei es die Beantragung von Soforthilfen oder die Inanspruchnahme von Darlehen durch den Staat, das Synchronisieren von ausgefallenen Lieferketten, die weitere Einhaltung von Hygienemaßnahmen, die Öffnung der europäischen Binnengrenzen oder die Entwicklung bei Auszubildenden. 

Der Kreisbote befragte die Wirtschaftsjunioren Kempten-Oberallgäu und den Leiter der Regionalgeschäftsstelle der IHK-Schwaben Stefan Sprinkart nach ihren Einschätzungen. Der Regionalgeschäftsführer Allgäu der IHK Schwaben Stefan Sprinkart wünscht sich von den politisch Verantwortlichen einen verbindlichen Fahrplan mit Meilensteinen und klaren Kriterien beim Re-Start der Wirtschaft. So wie man es seitens der IHK versteht, dass bei einem Anstieg von Neuinfektionen es zum Rückfahren der Lockerungen in betroffenen Landkreisen und Städten kommen soll, so sehr befürwortet man Entlastung von Maßnahmen, wenn gesteckte Ziele erreicht werden. 

Dieser Fahrplan wird für alle Bereiche der Wirtschaft gefordert. „Das gilt beispielsweise auch für den Bereich der Kinos, der Kultur und der Event- und Veranstaltungsbranche, die bisher außen vor standen“, betont Sprinkart. Voraussetzung zum Gelingen eines Hochfahrens der Wirtschaft ist für den Regionalgeschäftsführer, dass Chancengleichheitin den angrenzenden Regionen Baden-Württemberg, Vorarlberg und Tirol herrsche. „Es ist nicht zielführend, wenn u.a. in einem Bundesland Baumärkte geöffnet sein dürfen, beim Nachbarn aber nicht“, so Sprinkart. „Wenn die Wirtschaft entlang der Wertschöpfungsketten hochgefahren wird, brauchen wir auch Grenzöffnungen um zu gewährleisten, dass Warenströme wieder laufen können.“ 

Dabei betont Sprinkart, dass hierbei die Grundsätze des Gesundheitsschutzes mit der Wirtschaftlichkeit in Einklang gebracht werden müssen. Manuel Burkart, Kreissprecher der Wirtschaftsjunioren Kempten-Oberallgäu, beschreibt aus der Sicht von rund 160 Unternehmern, Selbstständigen und Führungskräften die Erwartungen an die Politik: „Nach den gesellschaftlich absolut notwendigen Einschränkungen und Schutzmaßnahmen der letzten Wochen ist es nun genauso notwendig, die Wirtschaft wieder kontinuierlich hochzufahren. Nach Einschätzung unserer Mitglieder ist gerade für regionale Klein- und Mittelständler, die i.d.R. nicht den Background und die finanzielle Absicherung von großen Konzernen haben, ein Plan für die nächsten Wochen unabdingbar.“ 

Burkart betont die Bedeutung des Mittelstandes für die deutsche Wirtschaft, die rund 60 Prozent aller Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. „Das gilt umso mehr für das Allgäu“, sagt Burkart und fährt fort: „Gerade deshalb sind jetzt unbürokratische Hilfen und Hilfsprogramme für KMUs unerlässlich – nicht nur für große Konzerne mit starker Lobbyarbeit wie z.B. Lufthansa und Automobilbranche.“ Für den Bereich Einzelhandel äußert sich das Vorstandsmitglied der Wirtschaftsjunioren Niklas Ringeisen: „Im Einzelhandel zeigt sich, wie wichtig digitale Lösungen, neue Vertriebs- und Kommunikationswege für die Zukunft sind. Die Stärkung der digitalen Infrastruktur in der Region ist deshalb zwingend notwendig. Hier müssen für die Zukunft Impulse, z.B. durch mehr Breitbandausbau gesetzt werden.“ 

Ringeisen verweist darauf, dass die Verlagerung von Arbeit ins Home-Office nur möglich sei, wenn die Region vernünftig digital angebunden ist. Für Produktionsbetriebe und der Industrie sollten aus den derzeitigen Erfahrungen fehlender oder unterbrochener Lieferketten Lösungen entwickelt werden, um Logistikwege wieder stärker zu regionalisieren. „Handlungsfähigkeit und Unabhängigkeit von globalen Handelswegen lassen sich so besser gewährleisten“, so die Wirtschaftsjunioren.

Jörg Spielberg

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