Immer weniger Bienen

Imker Eckard Radke sorgt sich um die Zukunft der Bienen. Ohne die Insekten wird sich das ganze Ökosystem verändern. Foto: Böttger-Lang

Etwa 200 000 Bienenvölker in Deutschland haben den Winter nicht überstanden. Das sind doppelt so viele wie sonst im Winter üblich, berichtete die Süddeutsche Zeitung. In einer dreiteiligen Serie beschreibt der KREISBOTE die Gefahr des Bienensterbens, was die örtlichen Imker dagegen tun, wie sie Nachwuchsimker gewinnen wollen und informiert über die Honigbiene allgemein.

Ohne Bienen wird sich das gesamte Ökosystem verändern, denn ohne Bienen als Blütenbestäuber werden Pflanzen aussterben und damit ist die Ernährung der Menschen gefährdet. 2050 werden wohl rund neun Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben, die ernährt werden müssen. „Die eigentliche wirt- schaftliche Bedeutung der Honigbiene liegt nicht im Ertrag des Imkers an Honig oder Wachs“, erläutert der 1. Vorsitzende des Imkervereins Dietmannsried und des Bezirksverbands Imker, Schwaben, Eckard Radke, „sondern in der Bestäubung von Blütenpflanzen, welche den Honigertrag um mindestens das zehn- bis 30-fache übersteigt“. Die Honigbiene ist damit das drittwichtigste Nutztier, nach Rind und Schwein. Und diese im wahrsten Sinne „gemeinnützige“ Leistung verdanken wir den circa 80 000 Imkern. Besorgt schaut Radke auf seinen Bienenstand, an dem die fleissigen Insekten ein- und ausfliegen. Für ihn ist es eine lebenslange Leidenschaft, sich für die Bienen einzusetzen und dafür zu sorgen, dass das Interesse der jungen Menschen an diesem für die Menschen wichtigen Insekt geweckt und erhalten wird. „Jeder Apfel, jede Birne, jede Kirsche und jede Beere die wir essen, verdanken wir den Bienen“, macht Radke klar. „Besonders in der Landwirtschaft wird die Honigbiene als Bestäuberin gebraucht. Bleibt sie aus, sinken die Erträge von Obst- und Gemüsekulturen“, führt er weiter an. Medienberichten zufolge ist es in einigen Gegenden Chinas schon notwendig, Blüten von Hand zu bestäuben. Bauern gehen mit Pinsel von Blüte zu Blüte, weil die Bienen fehlen. In den USA wird intensive Bestäubungsimkerei betrieben. Das heißt, dass tausende von Bienenvölkern, je nach aktueller Blüte, durch das ganze Land reisen müssen. Die Landwirte mieten die Völker zur Bestäubung ihrer Pflanzen. Auf Bienen angewiesen Auch im Allgäu machen sich die Imker Sorgen um den Erhalt der Bienenkultur. Nicht nur die Menschen sind auf ihre Arbeit angewiesen, sondern auch alle Wildtiere, wie etwa Vögel. Dort wo Bienen leben, gibt es auch signifikant mehr Singvögel, die ihrerseits von Bienen leben und auf das Protein angewiesen sind. Nur wenn Pflanzen bestäubt werden, gibt es genug Samen und Beeren, von denen sich Vögel ernähren können. Blühende Wegesränder fallen der Unkrautvernichtung zum Opfer und viele Bauern mähen ihre Wiesen, bevor die Pflanzen blühen konnten. Schon heute gibt es Landstriche, die bienenfrei sind. Verarmt die Landschaft weiter, befürchten Biologen, dass es den Bienen auf dem Land bald schlechter geht als jenen in der Stadt – in Parks und auf Friedhöfen finden Stadtbienen stets ein reiches Nahrungsangebot. Imker und Wissenschaftler sind sich einig, es muss alles getan werden, um diese Vielfalt und Farbenpracht zu erhalten. „Wir sind dankbar für jeden Gartenbesitzer, der sich wieder mit dem Gedanken beschäftigt, ein Bienenvolk anzuschaffen“, meint Eckard Radke. Landwirte könnten für eine ökologisch vielfältige Landwirtschaft und Umwelt sorgen, um die Bienen vor dem Hungertod durch Blütenmangel zu bewahren und Gartenliebhaber könnten in ihren Gärten wieder vermehrt Blumen und Sträucher anpflanzen, denn immergrüne Gewächse bieten den Bienen keine Nahrung“. Im zweiten Teil der Serie in der Ausgabe am 25. August lesen Sie, was die Imker gegen das Bienensterben unternehmen und wie Radke das Bewusstsein für die Bienen bei den Menschen wieder wecken will.

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