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In der Kemptener Residenz tummelt sich Kunst aus der Region bei der Festwochen-Ausstellung

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Von: Christine Tröger

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Kunstausstellung Allgäuer Festwoche 2022 Hofgartensaal Residenz „Iller-Biber-Trilogie“ von Jürgen Steiger.
„Iller-Biber-Trilogie“ von Jürgen Steiger. © Tröger

Kempten – Hell und luftig empfängt einen der Hofgartensaal zur diesjährigen Kunstausstellung im Rahmen der Festwoche. Ja, richtig: der Hofgartensaal.

Da der Marstall derzeit als Zwischendepot benötigt wird, musste die alte „Spielstätte“ für die Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche nochmals herhalten.

Man mag kaum glauben, dass im Saal des Hofgartens insgesamt 65 Werke zu sehen sind. Wirkt der Raum bei spärlicherem (oder nur geschickterem?) Einsatz von Stellwänden ungleich weniger „vollgestopft“ als in früheren Jahren. Thematisch gruppiert präsentieren 28 Künstlerinnen und 24 Künstler inklusive eines Werkes im Außenbereich 66 Werke, davon 31 aus dem Bereich der Malerei, acht Grafiken, 14 Skulpturen/Plastiken, sieben Fotografien (eine im Außenraum) und sechs Bildobjekte.

Axel Stetter von der Mewo-Kunsthalle in Memmingen zeichnet für die ansprechende Hängung verantwortlich, die von der nuancierten Beleuchtung (Werner Brugger) zusätzlich profitiert.

Kunstausstellung Allgäuer Festwoche 2022 Kempten „Sewastopol“ Winfried Becker; „Mühsam zu entziffern“ von Karl E. Schneck Hofgartensaal Residenz
„Sewastopol“ von Winfried Becker; im Hintergrund „Mühsam zu entziffern“ (Cyanotypie, Maltuch/Chinapapier) von Karl E. Schneck. © Tröger

Weniger Werke für die Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche eingereicht

Laut Museumsleiterin Dr. Christine Müller Horn waren heuer weniger Einreichungen zu verzeichnen, verglichen mit den beiden Vorjahren eine „leichte Abwärtstendenz“, im Vergleich zu 2018 mit 400 Einreichungen zu 258 in diesem Jahr allerdings eine doch eher deutliche. Der Qualität hat es in keinster Weise geschadet – eher im Gegenteil.

Wie Müller Horn bei der Vorab-Besichtigung der Ausstellung sagte, soll das Einreichungsprozedere im nächsten Jahr „verschlankt werden“. Man wolle keine unnötigen Hürden schaffen, denn „wir verstehen uns schon als Dienstleister für die Kulturszene“.

Einige neue Namen sind zu finden, andere fehlen, wie zum Beispiel das Künstlerehepaar Faßlrinner, das in der Vergangenheit zu begeistern wusste, haben laut Müller Horn 2022 gar nicht eingereicht.

Prominent und frei stehend: das mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten ausgezeichnete Werk „Papierhandtücher (Sammlung)“ von Julia Miorin, das einem schon aufgrund seiner ausladenden Größe gleich ins Auge sticht. In Glaskästen auf filigranen Beinchen – das
Beleuchtungskonzept hat hier einen interessanten Schattenwurf eingebaut – gibt es eine zartbunte Sammlung von Papierhandtüchern in unterschiedlichen Strukturen zu sehen, wie sie tausendfach in öffentlichen Toiletten zu finden sind. In mehr oder weniger gerader Flucht nach hinten sind auch die weiteren bepreisten Werke zu finden.

Auf dem Weg zu Miorins „Sammlung“ weckt das dreiteilige Objekt von Jürgen Steiger „Iller-Biber-Trilogie“ aus Holz (Biberfraß), gebrannten Tonfiguren und Acryfarbe sicher die ein oder andere Urlaubserinnerung – Schmunzeln lässt es allemal.

Eine Kuh gehört zum Selbstverständnis der Allgäuer Festwoche

Unausweichlich darf auch eine Kuh nicht fehlen. „Sie gehört schon zum Selbstverständnis der Festwoche“, schmunzelte Müller Horn. Das Rennen hat „Kuhbild 1“ von Helmut Osterloher gemacht. Es ist wohlgemerkt heuer die einzige Kuh in der Ausstellung. Tierbildfreunde werden aber anderweitig entschädigt, u.a. mit Ziegen (z.B. der „Hornträger“ von Heidrun Bauer oder die deutlich „schrillere Variante“ mit dem Titel „Ozon-Cocktail“ von Gabriele Dräger); Pferd (die Arbeit aus Lindenholz „Cruisin I“ der Thomas-Dachser-Gedenkpreisträgerin Cornelia Brader); oder Fisch (Anita Kreck: „Der Plastikmüllfresser“, eine Federzeichnung mit Acryl auf Karton).

Eine jeweils unverkennbare Handschrift tragen Werke wie „Auslagerung“ aus Glas und Stahl von Benedikt Zint“, „in-land-berg-
variation 13/02“ in Mischtechnik von Jürgen Meyer oder „running points“ aus gezogenem Nagellack von Silvia Jung-Wiesenmayer, die in der Regel immer mit mindestens einem Werk in der Festwochen-Kunstausstellung vertreten sind.

Ein wuchtiges Werk hat Winfried Becker beigesteuert: „Sewastopol“ aus Beton,Glas, Farbe und Stahl – faszinierend, verstörend, zum Hinsehen zwingend. Auch der ehemalige Kunstpreisträger der Stadt Kempten (2010 und 2020) Markus Pieper ist mit seinen markanten Kugelschreiberzeichnungen erneut dabei. Diesmal in Kombination mit Aquarell: „Sipplinger“ und „Kloasetreibe“.

Ein Kunstwerk ist im Residenzbrunnen zu finden

Immerhin ein Kunstwerk im öffentlichen Raum hat es in die Festwochen-Kunstausstellung geschafft. Eva-Caroline Dornach hat mit ihrer Installation „Eine Frage der Perspektive“ (Fotografie auf LKW-Plane) ein Bodenbild für den Residenzbrunnen geschaffen.

Geöffnet ist die Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche von Samstag, 13. August, bis Sonntag, 11. September, dienstags bis sonntags sowie am Feiertag Montag, den 15. August, jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Der Eintritt ist frei.

Zur Ausstellung ist ein 100 Seiten starker Katalog erschienen, erhältlich in der Ausstellung.

Weitere Infos unter www.kempten.de/ausstellungen.

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