Überraschung bei der Stichwahl

Indra Baier-Müller (Freie Wähler) entwindet der CSU den Landratsposten

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Indra Baier-Müller (li.) von den Freien Wählern gewann die Stichwahl gegen den CSU-Kandidaten Alfons Hörmann

Oberallgäu – Einen spannenderen und letztlich überraschenderen Wahlabend konnte man sich nicht vorstellen.

Die Stichwahl um das Amt des Landrats im Oberallgäu endete mit einem Paukenschlag: Indra Baier-Müller von den Freien Wählern entriss dem Kandidaten der CSU, Alfons Hörmann, quasi auf der Zielgeraden den sicher geglaubten Sieg.

Die Gewinnerin der Stichwahl verbrachte die nervenaufreibenden Stunden zunächst Zuhause. „Zunächst noch Zuhause mit der Familie, und nachdem klar wurde, dass das Ergebnis tatsächlich zu meinen Gunsten ausgehen würde, bin ich ans Landratsamt gefahren, um dort – unter Einhaltung des gebotenen Sicherheitsabstands – ein Interview zu geben“, beschreibt Indra Baier-Müller ihr „Wahlfinale“. Eine gemeinsame Feier habe es angesichts der Ausgangsbeschränkungen bislang nicht gegeben. Und woher der „Schub“ in den beiden Wochen vor der Stichwahl? „Natürlich war die Besonderheit, dass keine persönlichen Kontakte mehr möglich waren. Wir haben die Präsenz im Netz in den letzten Tagen vor der Stichwahl erhöht und sind auch nochmal in die Printmedien gegangen“, erläutert die zukünftige Oberallgäuer Landrätin. Irgendwann habe sie „innerlich den Druck des Wahlkampf losgelassen“ und sich auf andere Aufgaben konzentriert. 

„Wenn es das eine oder andere Gespräch am Telefon oder per Mail gab, waren das gute und offene Gespräche, die nicht den Hintergrund hatten, Wählerstimmen zu gewinnen. Ob dies letztlich der Grund war, kann ich aber nicht beantworten....“ Am 1. Mai wird‘s ernst. Bis dahin will sich Baier-Müller intensiv einarbeiten, wenn möglich auch schon dem amtierenden Landrat Anton Klotz über die Schulter schauen. „Dabei finde ich es spannend, dass nicht alle Bürgermeister oder Landräte aus der Verwaltung kommen und sich sicherlich auch zunächst einarbeiten konnten“, meint Indra Baier-Müller. Der Verlierer der zweiten Runde, Alfons Hörmann, verfolgte das „Rennen“ zuhause in Sulzberg und ließ noch am Sonntagabend online verlauten: „In solchen Situationen ist es üblich, auf Ursachenforschung zu gehen und all die Gründe zu suchen, die zum Misserfolg geführt haben. Ich möchte dieser Entwicklung gleich zu Beginn Einhalt gebieten und übernehme die volle Verantwortung persönlich. Letztlich ist es mir nicht gelungen, die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger im Oberallgäu von meinen Ideen und Programmen zu überzeugen.“ Das bedaure er sehr, weil er fest davon überzeugt sei, „dass wir alle gemeinsam viel Wertvolles für unseren Landkreis und das gesamte Allgäu hätten bewirken können“. 

Auch bedaure er, dass die CSU damit nach Jahrzehnten auf die Führungsposition des Landrates verzichten müsse. Das Kreistagsmandat werde er nicht annehmen, da es mit der „erforderlichen beruflichen Neuorientierung nicht vereinbar“ sei. Er halte es auch für „die bessere Lösung“ mit Blick auf die Zusammenarbeit im künftigen Kreistag, wenn der Wahlverlierer nicht ins Gremium einziehe. Hörmann dankte allen für die „wertvolle und intensive Unterstützung in den vergangenen Monaten“. Der anstrengende Wahlkampf habe viele menschlich verbindende Erlebnisse gebracht, die er, Hörmann, nicht missen wolle. Dazu sagt Eric Beißwenger, Kreisvorsitzender der CSU Oberallgäu: „Wichtig ist nun, das Wahlergebnis und seine Ursachen gründlich, in Ruhe, in engem Austausch und mit Bedacht, aber dabei gründlich zu analysieren und aufzuarbeiten.“ Dazu werde es Gespräche in den Gremien der Kreisvorstandschaft und der neugewählten Kreistagsfraktion geben, vorschnelle Schuldzuweisungen führten hier nicht weiter. „Welche konkreten Konsequenzen wir aus dieser Wahlniederlage ziehen, müssen diese gemeinsamen, internen Erörterungen erst zeigen, dies lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.“ „Wir wünschen Frau Baier-Müller alles Gute für ihr Mandat, jederzeit die richtigen Entscheidungen und hoffen, dass wir in engem Austausch das Oberallgäu weiter positiv gestalten können“, so Beißwenger weiter. Der Landkreis Oberallgäu könne auf Grund der bisherigen Arbeit der CSU-Landräte in einem ausgezeichneten Zustand an die neue Landrätin übergeben werden. 

Josef Gutsmiedl

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