Vier Fächer auf einmal

Den kaum bekannten, aber abwechslungsreichen Beruf Fachlehrer vorgestellt

+
Alexander Kapfel (l.), Fachoberlehrer am Staatsinstitut für die Ausbildung von Fachlehrern in Augsburg. Eingeladen nach Kempten hatte ihn Berufsberater Wolfgang Gabler.

Kempten – Die Ausbildung zu einem Lehrberuf mit einer etwas ungewöhnlich anmutenden Fächerzusammensetzung präsentierte am vergangenen Donnerstag Alexander Kapfel vor rund 40 Interessierten im Kemptener Berufsinformationszentrum (BIZ).

Es ging um den Fachlehrer mit der Kombination Werken/Technik, Technisch Zeichnen, Kommunikationstechnik mit Kunst oder mit Sport.

Alexander Kapfel ist Fachoberlehrer am Staatsinstitut für die Ausbildung von Fachlehrern in Augsburg, wo die Ausbildung stattfindet, und sagte selbst, dass es bei dieser Fächerzusammensetzung häufig mindestens ein Fach gebe, mit dem sich der Lehrer „arrangieren“ muss. Dafür werde es bei dieser abwechslungsreichen Arbeit mit Kindern keinesfalls langweilig. Die Fachlehrer arbeiten an Mittel- und Realschulen und an Sonderpädagogischen Förderzentren.

Sie haben gestaltend mit allerhand verschiedener Materialien zu tun und vermitteln, wie man daraus Gegenstände herstellt (Werken). In Technik werden zum Beispiel kleine Alarmanlagen gebaut oder Scheibenwischer zerlegt. Im Fach Technisch Zeichnen geht es um 3D-Zeichnungen, die wichtig sind für Handwerk und Maschinenbauer. Software und EDV ist Gegenstand von Kommunikationstechnik. Dazu kommen die bekannten Fächer Kunst oder Sport, was für außerordentlich viel Abwechslung sorge.

Auch sonst hielt Kapfel nicht mit Vorzügen der Ausbildung zum Fachlehrer hinterm Berg. Zum Beispiel sei sie im Gegensatz zum herkömmlichen Lehramtsstudium an der Uni sehr schulisch organisiert – mit kleinen Lerngruppen von 15 Leuten, die intensive Kontakte ermöglichten. Von Anfang an steht im Fokus, dass die erlernten Fächer später unterrichtet werden. Also auch während der ersten drei Ausbildungsjahre, in der es um die theoretische und praktische Ausbildung in den Fächern gehe. Selbst in dieser Zeit seien kurze und längere Praktika sowie pädagogische Projekte vorgesehen.

Im vierten Jahr erfolgt dann dezidiert die pädagogische Ausbildung. Und nach der anschließenden Lehramtsanwärterzeit an einer Schule, die zwei Jahre dauere, sei es „mehr als möglich“, in den Beamtenstatus übernommen zu werden. Bis in die Besoldungsstufe A11 könnten die Fachlehrer befördert werden.

Mit mittlerer Reife Lehrer werden

Die Tatsache, dass schon 16-Jährige direkt nach der Mittleren Reife zum Fachlehrer ausgebildet werden könnten, sorgte für Verwunderung bei einzelnen Besuchern. Ein Vollzeitstudium mit Vor- und Nachbereitung weg von zu Hause „sei schon ambitioniert“ für 16-Jährige, die eventuell noch gar nicht den nötigen Reifegrad hätten, um Lehrer zu sein, sagte eine Stimme aus dem Publikum. Dem stimmte Kapfel zu, zumal schon während der Ausbildung Praxis-Erfahrung gesammelt werde und die Schüler dann unter Umständen älter als die Lehrer sind.

Dennoch könne man nicht alle 16-Jährigen über einen Kamm scheren. Manche würden die Ausbildung mit Power „durchziehen“. Außerdem würden immer mehr junge Leute das Angebot annehmen. Ein Drittel bis die Hälfte der Studierenden am Staatsinstitut fangen mit 16/17 Jahren an, sagte Kapfel.

Aber auch Berufserfahrene oder Leute mit abgeschlossendem Studium seien am Staatsinstitut. Intensive Beratung von Anfang an und ein Aufnahmetest helfe den Studierenden herauszufinden, ob der Fachlehrer der richtige Beruf ist, wenngleich das in jungem Alter insgesamt schwer sei zu bestimmen.

In den Eignungstests werden die Bewerber in fast allen der späteren Fächer geprüft. In einem allgemeinen Teil geht es zusätzlich um Deutsch, Mathe und Physik, wobei Kapfel Deutsch als grundlegend herausstellte. Auch wird überprüft, ob die Persönlichkeit der Bewerber zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen passt. Die pädagogische Eignung wird in einem Gespräch getestet.

Für das Fach Technik müssen die Bewerber grundlegendes technisches Verständnis zeigen. Aus Materialien auszuwählen und daraus ein Sitzmöbel zu bauen, kann zum Beispiel im Eignungstest für Werken gefordert sein. Für das Fach Sport gelten die Leistungen in ausgewählten Disziplinen und Interessierte am Fach Kunst sollten über Grundwissen zu den Epochen verfügen sowie zeigen können, dass sie mit Farben und Formen umgehen können.

Abschließend prognostizierte Kapfel künftigen Absolventen glänzende Einstellungsaussichten. Gerade würden sehr viele Kollegen pensioniert, weshalb derzeit auch Lehrer mit Notenschnitten von 3,5 im Staatsexamen als Fachlehrer Arbeit finden würden. Von der Vorstellung, dass dieses Lehramt ein Halbtagsjob sei, müssten sich die Studierenden verabschieden. Obwohl so mancher Nachmittag frei sei, würden die Lehrer oft bis spät in die Nacht und am Wochenende arbeiten. Auch dass der spätere Arbeitsort unter Umständen nicht der Wunschort sein könne und eventuell an mehreren Schulen gleichzeitig unterrichtet werden müsse, verschwieg der Fachoberlehrer nicht.

Ausschlaggebend für den Entschluss Lehrer zu sein, ist dass die Arbeit mit jungen Menschen Spaß macht. „Als Lehrer braucht man eine Berufung“, sagte ­Kapfel.

Weitere Informationen zur Ausbildung – auch zum Eignungstest – gibt es auf der Internetseite www.fachlehrer.org oder direkt unter der E-Mail-Adresse info@fachlehrer.org. Der nächste Infotag am Staatsinstitut findet im Oktober statt, genauso wie die Einstellungstests.

Susanne Kustermann

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Kempten: heute & damals
Kempten: heute & damals
Randale in der Tiefgarage am Marstall
Randale in der Tiefgarage am Marstall
Unfall auf dem Adenauerring
Unfall auf dem Adenauerring

Kommentare