Leben nicht aus der Hand geben

Selbst bestimmen

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Die Impulse-Bürgerservice gemeinnützige GmbH veranstaltete jetzt im Gasthof Waldhorn einen Abend zum Persönlichen Budget. Gebärdensprachdolmetscherin Ute Fieger übersetzte dabei für die gehörlosen Besucher die Informationen von Klaus Trunzer zum Persönlichen Budget.

Kempten/Oberallgäu – „Ich will selbst bestimmen, wer wann welche Hilfen für mich übernimmt!“ – Sich bei der Dienstleistung einfach auf andere verlassen, das wollen immer weniger Menschen mit Behinderung. Sie wollen – soweit es eben möglich ist – selbstbestimmt und eigenverantwortlich leben. Dazu gehört auch die Verwaltung des Geldes, mit dem bestimmte Sachleistungen, Services und Dienste in An- spruch genommen werden können. In der Fachsprache heißt dies „Persönliches Budget“ (PB). Immer noch ist hier allerdings der Aufklärungsbedarf groß. Das bewies die Zahl von rund 50 Budgetnehmern und Budgetinteressenten bei der überörtlichen Informations- und Austauschveranstaltung der Impulse-Bürgerservice gemeinnützige GmbH vor kurzem in Kempten.

Ob als Studentin mit Behinderung an einer Uni, als junger Mann nach einem Badeunglück oder als Arbeiter nach einem Autounfall – sie alle wollen ihr Leben nicht aus der Hand geben, wollen weiterhin selbstbestimmt handeln können. „Dieser Anspruch ist in der UN-Behindertenrechtskonvention ganz klar definiert“, gab Klaus Trunzer von der Impulse Bürgerservice gGmbH den Gästen nochmals einen Überblick zum persönlichen Budget. Die Impulse-Bürgerservice übernimmt dabei die beratende Tätigkeit und hilft kostenlos bei der Antragstellung (oder Verlängerung).

Manchmal komme das PB sogar günstiger als die sonst übliche Sachleistung. „Mit dem PB wird der Mensch mit Behinderung zum Manager der eigenen Hilfe. Er wird Kunde, Käufer oder Arbeitgeber“, erklärt Trunzer. Bei Menschen mit einer geistigen oder seelischen Beeinträchtigung könne das Budget dann von einem Angehörigen oder Betreuer verwaltet werden.

Drei Kurzfilme dokumentierten zudem die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des PB. In der Diskussion erzählte die Mutter  der schwerstbehinderten Pia – sie war 2009 im Kemptener Raum eine der ersten Budgetnehmerinnen: „Wir haben fast neun Monate für die Durchsetzung des Antrages gebraucht, der unserer Tochter eine selbstverwaltete Assistenz ermöglicht hat.“ Trunzer bestätigte, man brauche einen langen Atem – „aber es lohnt sich, es gibt dem Menschen mit Behinderung mehr Lebensqualität und Freiraum.“ Pia würde das PB nicht mehr hergeben, so ihre Mutter.

Ein weiterer Teenager bekommt monatlich 40 Euro als PB zugesprochen. Die darf er nun fürs Ausgehen nutzen – nicht um Getränke oder eine Kinokarte zu kaufen, sondern um eine Begleitung zu zahlen, die ihn beim Essen oder WC-Gang etc. unterstützt. Ohne Hilfe ginge das nicht.

Angeregt wurde bei der Veranstaltung auch die Einrichtung eines Stammtisches, damit sich die Budgetnehmer und ihre Angehörigen untereinander besser austauschen könnten. Mit einer Mail- und Telefonliste wurde hier bereits ein Anfang gemacht.

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