"Man kann schon was machen"

Initiative "Denkanstoß Agrar" will Praxiswissen weitergeben

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Franz Kinker und Dirk Rüsing nutzten einen sonnigen Markttag, um über Herausforderungen moderner landwirtschaftlicher Betriebe zu sprechen.

Kempten – Die Initiative „Denkanstoß Agrar“ informierte am Mittwoch auf dem Wochenmarkt darüber, wie der Berufsalltag eines Landwirts aussieht.

„Wir wollen die Leute für die Bedürfnisse und Nöte der Landwirte sensibilisieren, denn wir wissen, wie schlecht es wegen der Medien, der Politik und der Umweltverbände um das Bild der Branche bestellt ist“, sagt Dirk Rüsing. Er ist Mitarbeiter eines Futtermittelherstellers, der die Inititive gestartet hat. Das Team ist nun bei seiner siebten Station angekommen, zuvor haben sie in weiteren bayerischen Städten und auch in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen Halt gemacht und gemeinsam mit Landwirten der Region den Dialog zu den Bürgern gesucht. 

Biobauer Franz Kinker aus Roßhaupten unterstützt die Initiative und hat einen weiteren Weg gefunden, Öffentlichkeit für sein Anliegen herzustellen. Auf seinem Youtube-Kanal zeigt er, wie sein Alltag auf dem Hof aussieht. Die aktuelle Umweltschutzdebatte findet er wichtig, gleichzeitig fürchtet er sie. „Einschränkungen ohne Ausgleich“, könnte das Ergebnis sein und für manchen kleineren Landwirt das Aus bedeuten. Landwirte ständen aktuell unter Druck, die Abhängigkeiten von politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedinungen seien groß. „Wenn es um den Verdienst geht: Der Bauer kommt bei der Kette ganz hinten. Alle zweigen vorher ihren Gewinn ab und machen sich die Taschen voll.“ Kinker kennt aber auch die Vorwürfe an die Landwirtschaft, etwa zum Thema Nitrat im Grundwasser, und setzt sich mit Lösungsmöglichkeiten auseinander. 

„Da kann man schon was machen.“ Gülle versetzt er mit Pflanzenkohle, diese bindet den Stickstoff und bremst die Auswaschung der Gülle-Nährstoffe im Boden. Das Grundwasser wird geschützt und einer Versauerung des Bodens vorgebeugt. Kinker wünscht sich, dass solche alternativen Ansätze mehr in den Fokus der Öffentlichkeit geraten und wertgeschätzt werden – vielleicht sogar in finanzieller Form. Bislang gelte: „Die großen, optimierten Betriebe werden bei EU-Geldern bevorzugt.“ Subventionen sollten sich stärker an der Qualität orientieren und so Anreize schaffen, auch mal einen Streifen Gras für Insekten stehenzulassen. ma Franz Kinker und Dirk Rüsing nutzten einen sonnigen Markttag, um über Herausforderungen moderner landwirtschaftlicher Betriebe zu sprechen. 


Martina Ahr

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