Über 1300 Potentiale

Innenentwicklungskonzept für die Stadt Kempten schärft den Blick

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Kempten

Kempten – Es ist ein Werkzeug für die Ermittlung von innerstädtischen Flächenpotentialen sowie der Nutzung von bereits erschlossener Flächen und Gebäuden, u.a. Abriss und Neubau, Umbau, Nutzungsänderungen, Aufstockung, Bebauung von Baulücken oder Nutzung von Brachen.

Im Planungs- und Bauausschuss wurde nun das vom Planungsbüro Baader Konzept aus Gunzenhausen in Kooperation mit dem Büro Skorka in Neuried erarbeitete Innenentwicklungskonzept für die Stadt Kempten vorgestellt. Auch wenn Kempten laut Manuela Skorka schon recht dicht bebaut sei, sind dem Konzept zufolge noch reichlich Potentiale vorhanden; das größte im Bereich der ehemaligen Ari-Kaserne (zwischen Bleicher- und Ulmer Straße), weitere zwischen Altstadt und Hauptbahnhof, in der Lindauer Straße sowie in dem Gebiet zwischen Leonhard- und der südlichen Füssener Straße.

Für das Innenentwicklungskataster seien nur Flächen ab 250 Quadratmetern berücksichtigt worden, da darunter kaum Potential für Bebauung sei, erklärte Skorka. Erfasst wurden ihr zufolge u.a. Baulücken, geringfügig bebaute Grundstücke, leerstehende Hof- und Brachstellen oder auch solche mit Restnutzung, Konversionsflächen, leerstehende Infrastruktureinrichtungen sowie Wohngebäude „mit Leerstandsrisiko“, d.h., Gebäude in denen der/die jüngste BewohnerIn 75 Jahre zählt. Insgesamt konnten 1367 Potentiale ausgemacht werden mit einer Fläche von 176,3 Hektar. „Das ist eine Hausnummer“, meinte Skorka, schränkte aber ein, dass die Potentiale „nicht gleichmäßig verteilt“ seien und auch nicht alle Flächen verfügbar. Ein relativ kleines Potential hatte man bei klassischen Baulücken (14,1 Prozent gegenüber z.B. 22,2 Prozent leerstehende Wohngebäude oder 34,5 Prozent Wohngebäude mit Leerstandsrisiko/anstehender Generationenwechsel) ausmachen können und auch „kein Quartier mit besonderem Handlungsbedarf“. 

Eine Charakteristik Kemptens sieht Skorka im hohen Anteil an Geschosswohnungsbau und nur wenigen Einfamilienhäusern und auch die „großflächigen Parkierungsanlagen“ seien auffällig. „Ohne sagen zu wollen keine Autos mehr“, regte sie, an die sich auf rund 70 Hektar summierende Parkflächen zu überbauen. Weitere Potentiale sieht sie u.a. in der Neuordnung heterogener Gebiete wie Fischerösch oder Haslacher Straße, wo beispielsweise niedrigere Gebäude aufgestockt werden könnten. Eine „bessere bauliche Fassung“ stellt sie sich zudem für die Lindauer Straße vor, die wie eine Ausfallstraße wirke und große Baulücken aufweise. Hier könnte laut Skorka eine Überbauung der Nahversorger für Verbesserungen sorgen und auch eine Art Gewerbehof für kleine und mittlere Handwerks- und Gewerbebetriebe sei vorstellbar. Einen „Lückenschluss“ regte sie für die Wohnhäuser z.B. am Schumacherring an. Die in senkrechten Reihen zur viel befahrenen Straße angeordneten Wohnblöcke könnten demnach u.a. durch parallel zur Straße eingefügten Gebäuden für mehr Ruhe im inneren Bereich sorgen und zusätzlichen Wohnraum schaffen. 

Für das „sehr heterogene“ Gebiet um den Hauptbahnhof mit unterschiedlichen Gebäudehöhen und den Schulen könnte nach Skorkas Vision ein ganz neues, urbanes „Campus-Viertel“ entstehen. Nicht vernachlässigen dürfe man aber die Grünstrukturen mit Verbindungs- und Naherholungsfunktion und auch Bedeutung für das Stadtklima. Als sinnvoll erachtete sie ein „Freiraumkonzept für die ganze Stadt“, in dem „gezielt Räume von Bebauung frei gehalten werden“. Und „je weniger Freiflächen übrig bleiben, umso wichtiger ist, dasssie richtig genutzt werden“, wiessie auf entsprechende Kompensationen hin. Damit nicht genug, auch die Mobilität spielt in Skolkas Innenentwicklungskonzept eine entscheidende Rolle. Damitweniger Stellplätze für die Autos von Anwohnern benötigt werden, nannte sie denAusbau von Carsharing als möglichen Lösungsansatz. Baureferent Tim Koemstedt konnte am Ende zwar keine „bahnbrechenden“ neue Erkenntnisse ausmachen. Dennoch seien sie „mit geschärftem Blick“ die Grundlage für den Flächennutzungsplan und der sei besondersfür die Freiflächen, „das Tafelsilber der Stadt“, wichtig. 


Christine Tröger

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