Steckenpferd: Über 30 Tomatensorten

Insa Graf betreibt einen 2000 Quadratmeter großen Selbstversorgergarten an der Rottach

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Es gibt immer es zu tun für Insa Graf in ihrem Garten an der Rottach. Seit neun Jahren versorgt sie sich und ihre Familie das ganze Jahr über mit Obst und Gemüse.

Kempten – Kartoffeln, dicke Bohnen, Zwiebeln, Kohl, Karotten, Stielmus, Sprossenkohl, Tomaten, Erdbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Äpfel, Birnen.

Wenn man Insa Graf fragt, was sie alles in ihrem Selbstversorgergarten anbaut, dann kommt sie so schnell aus dem Aufzählen nicht mehr heraus. Seit 1961 ist das über 2000 Quadratmeter große Gartengrundstück an der Rottach im Familienbesitz.

„Mein Schwiegervater hat es damals von einem Bauern gekauft und den Garten für die fünfköpfige Familie mit Gemüse bewirtschaftet. Sie waren damals schon Vegetarier und wollten einfach gutes Gemüse essen. Deshalb wurden vor allem Kartoffeln, Kohl oder Pastinaken angebaut“, erzählt die Hobby-Gärtnerin. Anfang der 1990er Jahre hat die gelernte Augenoptikerin schließlich mit ihrem Mann und ihren Kindern den Garten übernommen. „Wir haben ganz einfach begonnen, mit vier Beeten. Bissl Gemüse und das war´s. Ich erinnere mich an einige Rückschläge. Wir hatten Missernten durch Wühlmäuse oder Schnecken. Der Wunsch, mehr Gemüse anzubauen, war zwar schon immer da, aber mit vier Kindern ist man einfach rund um die Uhr beschäftigt“, schildert Graf rückblickend die Anfangsjahre ihrer Leidenschaft. 

Als sie später schwer krank wurde, stand sogar die Frage im Raum, ob man den Garten komplett aufgeben und verkaufen sollte. Ihre Kinder hätten sie damals dazu bewogen, es nicht zu tun. „Mama, wir helfen dir auch, versprochen!“, damit konnten sie Insa und ihren Mann am Ende überzeugen. Nach der schweren Krankheit ging es ganz langsam wieder los: „Ich war manchmal nur zehn Minuten hier draußen, habe nur kleine Sachen gemacht. Aber der Garten war mein Gesundbrunnen, der hat mir Kraft gegeben. So habe ich jede Woche etwas mehr g e m a c h t und wurde durch die Arbeit und die frische Luft auch wieder kräftiger. Es war und ist ein großer Segen und ein großes Glück, hier sein zu dürfen.“ Mittlerweile ist die Kemptenerin oft am Experimentieren und Ausprobieren. „Dieses Jahr habe ich es mal mit Gelbwurz und Ingwer versucht. Beides wächst bislang gut und Ende des Gartenjahres sehen wir dann, ob der Versuch geglückt ist“, lächelt sie. Seit neun Jahren ist sie fast jeden Tag in ihrem grünen Reich oberhalb der Rottach. 

„Ich bin eigentlich täglich hier außer es regnet. Sobald der letzte Schnee weg ist, meistens so im März, geht’s los und das geht dann bis Oktober nach dem ersten Frost. Aber im Grunde fange ich schon im Februar an, weil ich mein Gemüse selbst vorziehe. Ich kaufe so gut wie keine Pflänzchen, sondern ziehe bei mir zuhause in einem kleinen Gewächshaus oder in der Wohnung vor. Das Raussetzen ist bei vielen Pflanzen erst nach den Eisheiligen möglich, aber zum Beispiel den Spinat setze ich schon März. Da kommt dann ein Vlies drüber und das hält die Kälte notfalls ab. Stielmus ist auch sehr kältetolerant. Stielmus oder Rübstiel möchte ich allen Hobby-Gärtnern empfehlen. Er ist bei uns in Deutschland leider recht unbekannt, dabei gehört er zu den besonders interessanten Gemüsevarianten. Ein Exot im eigenen Land sozusagen. Äußerlich erinnert er an Mangold und schmeckt fein säuerlich. Eignet sich prima für den Salat oder als Beilage.“ 

Gartenglück und reiche Ernte

 Ihr Wissen hat sich Insa Graf über die letzten Jahre angelesen. Sie habe viel ausprobiert, von Permakultur bis Back to Eden war alles dabei. „Am Ende habe ich meinen eigenen Mix gefunden. Ich habe mir von jeder Gartenmethode einfach das herausgepickt, was für mich gepasst hat, was ich umsetzen kann und für sinnvoll halte. Ich probiere vieles aus. Manches klappt halt und manches eben nicht“, sagt sie über die Erfahrungen der letzten Jahre. Und wie läuft das denn nun mit dem Selbstversorgen? „Wir essen bis auf wenige Tage im Jahr ausschließlich eigenes Gemüse. Darauf bin ich stolz. Ich habe immer noch Bohnen vom letzten Jahr. Generell wecke ich natürlich sehr viel ein oder es kommt in die Gefriertruhe. Aber in erster Linie essen wir frisch. 

Ich gehe tagsüber durch meinen Garten, sehe was reif ist und das landet dann abends im Kochtopf. Gerade gibt es zum Beispiel häufig Stielmus, Spargel, Rhabarber oder Spinat. Wer sich selbst versorgt, isst halt sehr saisonal.“ Manchmal frühstücke sie auch bewusst nicht, sondern gehe durch ihren Garten und nasche mal hier und mal da. Und welches Gemüse hat es ihr besonders angetan? „Tomaten sind ein bisschen mein Steckenpferd. Ich will nicht angeben, aber ich habe bestimmt zwischen 30 und 40 verschiedene Sorten. Von klein, normal, groß über gelb, schwarz, rot, pinkfarben und gestreift bis hin zu rund oder platt. Jede Sorte schmeckt anders. Tomate ist eben nicht gleich Tomate. Ich empfehle allen, die einen Garten haben, die Tomatenpflanzen nicht einfach so zu kaufen, sondern mal selbst auszusäen. Im Internet gibt es besonderes, altes Saatgut. Im Frühjahr aussäen und nicht spät anfangen. Spätestens im April. Ich mache meine Tomatensoße in der Regel aus fünf verschiedenen Sorten. 

Das hat dann geschmacklich ein solche Tiefe, das bekommt man mit einer Sorte gar nicht hin“, strahlt sie. Ihren Selbstversorgergarten bezeichnet sie als ihr größtes Glück. „Aber es ist immens viel Arbeit. Das sollte man nicht unterschätzen. Es ist nicht nur die Gartenarbeit, sondern das, was wächst, muss geerntet und verarbeitet werden. Der Herbst ist besonders anstrengend. Da wird zusätzlich noch eingekocht und eingeweckt.“ In Teil 2, am Samstag, 13. Juni, lesen Sie, welche Tipps die Hobby-Gärtnerin für Menschen hat, die sich selbst versorgen möchten, und welche Veränderungen sie über die letzten Jahre festgestellt hat. 

Kathrin Dorsch

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