"Kempten wach machen"

Der Integrationsbeirat plant vor der Kommunalwahl einen Aktionstag gegen Rassismus

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Unter seiner Vorsitzenden Ilknur Altan versammelte sich heuer zum letzten Mal im kleinen Sitzungssaal des Rathauses der Integrationsbeirat der Stadt Kempten.

Kempten – Zu einem letzten Mal kam in diesem Jahr der Integrationsbeirat der Stadt Kempten unter dem Vorsitz von Ilknur Altan im kleinen Sitzungssaal des Rathauses zusammen.

Auf dem ersten Tagesordnungspunkt stand ein Rückblick auf den „Interkulturellen Herbst“, dargebracht durch den Organisator Lajos Fischer. Ursprünglich war diese Veranstaltungsreihe aus der bundesweiten Aktion „Interkulturelle Woche“ hervorgegangen. Das Motto der diesjährigen Veranstaltungen lautete: „Zusammen leben – zusammen wachsen“. Fischer zeigte sich zufrieden mit den verschiedenen Veranstaltungen, die vornehmlich im Haus International stattgefunden hatten. Das Programm reichte von Kunstausstellungen, Tango-Tanzabenden, internationalen Kochabenden, Vorträgen über Erfahrungen mit Rassismus im Alltag bis hin zu literarischen und musikalischen Darbietungen. „Unser ‚Interkultureller Herbst‘ ist schon zu einem Markennamen geworden und auch in diesem Jahr konnten wir viele altbekannte, aber auch neue Gäste begrüßen“, so das Fazit des Organisators.

Lediglich über die geringe Besucherzahl bei der Eröffnungsfeier und beim Livekonzert mit Irischer Musik wurde innerhalb des Beirats diskutiert. So wird angedacht, den Eröffnungsabend wohl zukünftig nicht mehr zu veranstalten und genauer hinzuschauen, ob es an den Veranstaltungsabenden ähnliche Angebote in der Stadt gibt. Das war wohl beim irischen Konzertabend der Fall, als eine ähnliche Veranstaltung zeitgleich stattfand. Angedacht wurde ebenfalls, den „Interkulturellen Herbst“ etwas mehr zu bewerben, sollte es hierfür finanzielle Spielräume geben. Nicht zu bewerben dagegen brauche man das beliebte „Internationale Burghaldefest“, das im kommenden Jahr am 13. Juli stattfinden werde.

Aktionstag vor Wahl geplant 

Sabine Fixmer , Projektleiterin beim Stadtjugendring, berichtete dem Integrationsbeirat vom „Interkulturellen Markt“, der heuer wegen schlechten Wetters nicht auf dem St.-Mang-Platz, aber trotzdem erfolgreich in den Räumlichkeiten des Stadtjugendrings abgehalten wurde.

Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt war der Austausch der Beiratsmitglieder über einen geplanten Aktionstag zum „Tag gegen den Rassismus“ am 21. März, der gemeinsam mit dem Bündnis „Mensch sein“ initiiert werden soll. „Mensch sein“ wurde vom Integrationsbeauftragten des Stadtrates Siegfried Oberdörfer, dem Haus International, den Dekanaten der Stadt Kempten (r.k./ev.) und der Gewerkschaftsjugend im DGB gegründet, um sich gemeinsam für ein gerechtes und friedliches Miteinander einzusetzen. Wichtig war einigen Beiräten, dass der Aktionstag noch vor der Kommunalwahl, am 15. März, abgehalten wird, um so Wolf Hennings von ikarus.thingers, „Kempten wach zu machen!“. Fixmer mahnte, an einem solchen Tag zu zeigen, dass man „für“ etwas ist und nicht nur „gegen“. Da Rassismus nach der Meinung einiger Stadträte schon in Kindergärten und Schulen zu beobachten sei, wurde vorgeschlagen, an solchen Aktionstagen auch Schüler von Grund- und Mittelschulen einzubinden.

Stadtrat und Mitglied des Beirats Franz Mayr stellte den Befund ein wenig in Zweifel, dass an Kemptens Schulen Rassismus grassiere. „In den Sportvereinen höre ich hierzu wenig“, so Mayr, der zugleich Sportbeauftragter der Stadt Kempten ist. 

Nationalität zu oft genannt?

Kemptens 3. Bürgermeister Josef Mayr bemerkte grundsätzlich, dass nicht immer die veröffentlichte Meinung die öffentliche Meinung ist. Lajos Fischer brachte den Gedanken ins Spiel, selbst Vertreter des Integrationsbeirates oder des Haus International in Schulen zu schicken, um vor Ort Jugendlichen, Strategien für Toleranz und gegen Rassismus näherzubringen. Im Januar sollen nun die Planungen für den Infotag gegen Rassismus konkretisiert werden.

Hasem Yilmaz, ein Vertreter der türkischen Volksgemeinschaft im Integrationsbeirat gab zu bedenken, dass solche Aktionstage mehr Menschen mit Migrationshintergrund anziehen würden, wenn diese das kommunale Wahlrecht erhalten würden, was derzeit nur Bürgern der EU vorbehalten sei. Ein anderer Vertreter äußerte Unmut darüber, dass aus seiner Sicht beim Facebook-Account der Polizei Schwaben Süd/West zu häufig der Migrationshintergrund von Straftätern gepostet würde. Die Pressestelle des PP Schwaben Süd/West antwortete auf Nachfrage des Kreisbote, dass die Herkunft von Straftätern nur dann veröffentlicht werde, wenn dies wie u.a. bei größeren Kapitalverbrechen relevant ist. Hier müssten die Vorgaben der zuständigen Staatsanwaltschaften befolgt werden. Abgeschlossen wurde der letzte Tag des Integrationsbeirats mit einem gemeinsamen Gruppenfoto, bevor Vorsitzende Altan die Mitglieder mit den besten Weihnachtswünschen verabschiedete.

Jörg Spielberg

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