Intelligentes Stromnetz

In Feierlaune nach der Vertragsunterzeichnung zwischen Siemens, dem AÜW und Wildpoldsried zeigten sich Dr. Clemens Hoffmann (v.l.), Dr. Richard Hausmann, Dr. Michael Fiedeldey, Arno Zengerle und Michael Lucke. Foto: Würzner

In Wildpoldsried wird mehr Strom durch erneuerbare Energien erzeugt als verbraucht. „Sie haben eine goldrichtige Wahl getroffen,“ stellte Bürgermeister Arno Zengerle mit der ihm eigenen Allgäuer Bescheidenheit fest. Drei Auszeichnungen konnte die Gemeinde bereits entgegen nehmen. Den deutschen Solarpreis, den european energy award und den 1. Preis für ihr Energie- und Klimaschutzkonzept. Nun schreibt sie Geschichte als Ort des ersten „Smart-Grid-Pilotprojekts“, des intelligenten Stromnetzes der Zukunft.

Siemens und AÜW unterzeichneten den Vertrag mit der Oberallgäuer Gemeinde für die Laufzeit von zwei Jahren. Partner sind die Hochschule Kempten und RWTH Aachen. Der Ausstieg aus der Kernenergie und die damit einhergehende Forcierung der Energiegewinnung aus Biogas-, Windkraft- und Photovoltaikanlagen stellt die Stromversorger vor Transportprobleme. Es gilt in Zukunft die erzeugte Energie dort abzuholen, wo sie durch Wetterphänomene begünstigt, gerade im Überfluss produziert wird. Ein Sonnentag im Süden oder eine steife Brise an der Nordseeküste bedeutet für den Strommarkt eine andere prozentuale Verteilung des regenerativen – fossilen Energieeinsatzes als eine zähe Hochnebeldecke von Flensburg bis Füssen. Diese ständig wechselnden Parameter so zu steuern, dass sie wirtschaftlich interessant und umweltmäßig vertretbar sind, hat sich „IRENE“ zum Ziel gesetzt. Das Projekt Integration regenerativer Energien und Elektromobilität hat der Dame den Namen verliehen. Es widmet sich, so steht es im Prospekt, den technischen und wirtschaftlichen Lösungen für künftige Herausforderungen von Verteilnetzbetreibern, wie sie sich aus der Volatilität der dezentralen Einspeisung und der zu erwartenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen ergeben. Gefördert wird es vom Bundeswirtschaftsministerium. Die Anwesenheit von Prof. Dr. Josef Neiß, Leiter der Abteilung Energie- und Umweltfragen beim Bayrischen Staatsministerium für Wirtschaft, unterstrich die Bedeutung des Vertrages. In dem Modellversuch soll eine Software getestet werden, die den Erzeugern Kosten ersparen soll durch effiziente Vermarktung. „Durch ein verbessertes Management der Balance zwischen Stromerzeugung und -verbrauch brauchen Netzbetreiber nur noch wenig Leistungskapazität vorhalten, um Verbrauchs-und Angebotsspitzen abfangen zu können,“ schreibt Dr. Richard Hausmann, Chef des Siemens- Konzernprojekts Smart Grid Applications, in der Presseinformation. Besser planbar Dr. Michael Fiedeldey, Geschäftsführer der AllgäuNetz, sieht den größten Vorteil in dem gewachsenen Freiraum durch besser planbare Leitungskapazitäten, der in Zukunft deutlich attraktivere Leistungen zur Folge haben wird. Vor allem Vorteile für die Kunden erwartet Michael Lucke, Geschäftsführer beim AÜW. Verbraucher können so ihre Sparmöglichkeiten und die Erzeuger ihre Leistungsvolumen optimal ausschöpfen. Dank modernster Regeltechnik wird die Waschmaschine nur noch nachts laufen und die Kühltruhe bei Wind und Sonne überschüssigen Strom in zusätzliche Minusgrade umwandeln. Einen Ausblick in die Zukunft gewährten die Elektroautos, die vor dem Dorfsaal aufgefahren waren. Ihre Batterien sollen als Stromspeicher dienen.

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