Manfred Haaga referiert über die verschiedenen jüdischen Epochen

Israel und der Zionismus

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Intimer Kenner Israels: Manfred Haaga.

Isny – Mit den verschiedenen jüdischen Epochen, die zum neuen Bild des Staates Israel führten und zum Verständnis der Geschichte beitragen, beschäftigte sich Manfred Haaga in seinem Referat, das er im Rahmen des ökumenischen Arbeitskreises Isny vorbereitet und jetzt vorge- tragen hat.

Zahlreiche der von ihm angesprochenen Themen gehören zur innerpolitischen Auseinandersetzung in Israel. In der Strukturierung seines Referats unterschied Referent Manfred Haaga zunächst drei Epochen: In der ersten Epoche, dem orientalischen Judentum, ging es um das erste Großreich unter David und Salomon und die Knechtschaft in Assyrien. Die zweite wichtige Epoche war schließlich die des europäischen Judentums und die dritte die Zeit des amerikanischen Judentums. Haaga wies ausdrücklich darauf hin, dass die Historie, die in der Bibel wiedergegeben ist, nicht Anspruch auf geschichtliche Wahrheit hat, sondern in Sinnbildern die Geschichte des Urvolkes darstellt. Nach seiner Meinung muss sowieso zwischen der erzählten Zeit und der Erzählzeit unterschieden werden, denn dazwischen liegen lange Zeiträume. 

Lebens und Regierungszeiten zum Beispiel von David und Salomon seien sicher stark redigiert. Auch die Ausdehnung des Königreichs sei nicht genau zu bestimmen. Nach der Rückkehr in das Gebiet des ersten Reiches, die Gründung des zweiten Reiches bis hin zu seiner Zerstörung im Jahre 70 n. Chr. durch die Römer, die weitgehende Zerstörung Jerusalems und die Zerstörung des Tempels, begann aus zionistischer Sicht die Zeit der Diaspora – die Dezimierung des Volkes in Judäa und damit auf lange Zeit die Unmöglichkeit einer erneuten Staatsgründung. 

Moralisches Recht? 

Das ist nach Shlomo Sand („Die Erfindung des jüdischen Volkes”) zumindest ungenau. „Shlomo Sand geht es vor allem um politische Konsequenzen: Die Betonung der gewaltsamen Exilierung, der Verbannung, war die Rechtfertigung für den Zionismus, die Vorstellung, dass die zu Unrecht Vertriebenen ein moralisches Recht auf das Land ihrer Väter haben, nicht die Araber“, so der Referent. Dann aber stellte Haaga die Frage: Bildete das jüdische Volk in der langen Zeit der Diaspora immer noch eine ethnische Einheit? Wieder zitierte er Sand: „Das Judentum war schon immer eine bedeutende, sich aus verschiedenen Strömungen zusammensetzende religiöse Kultur, aber keine wandernde fremde Nation.“ 

Möglicherweise seien die in Palästina lebenden Araber eher Nachkommen der alten Judäer als die im Zeichen des Zionismus eingewanderten Juden aus Osteuropa, Afrika und Asien. „Um allen Missverständnissen vorzubeugen, geht es Shlomo Sand nicht darum den heutigen Staat Israel in Frage zu stellen“, so Haaga weiter. 

Ein Traum wird wahr 

Die „Sternstunde“ des Zionismus, die Vollendung der zionistischen Idee, sei schließlich die Gründung des souveränen Staates Israel am 14. Mai 1948 gewesen. „Ein Traum ist wahr geworden“, schreibt Gola Meir in ihren Memoiren. Für Manfred Haaga, ein großer Kenner Israels, ist es auch die sogenannte Flüchtlingsfrage, die auch in Zukunft immer wieder zu Schwierigkeiten zwischen Israelis und den benachbarten Palästinensern führen wird. 

Für ihn selbst seien noch viele Fragen offen. Die Zuhörer an diesem Abend waren gebannt von seinem Vortrag und eines steht zweifelsfrei fest: Hier wurde Geschichtsstoff verarbeitet, der so nur selten erläutert wird. Der Israel-Experte Manfred Haaga bereitet sich derzeit gerade wieder auf eine erneute Reise nach Israel vor. Mit welchen Erkenntnissen aus innerisraelischen Quellen er danach aufwarten kann, bleibt abzuwarten.

Manfred Schubert

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