"Interessiert an neuen Wohnformen"

Zahlreiche Interessierte waren zum Tag der offenen Tür gekommen. Fotos: Sykora

Angehörige, Freunde, Nachbarn, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – sie alle waren neugierig auf das „Innenleben“ des Dr. Peter-Landwehr-Hauses an der Gerhart-Hauptmann-Straße. Dementspre-chend gaben sich kürzlich beim jüngsten Bauprojekt der Körperbehinderte Allgäu am Tag der offenen Tür mehr als 500 Leute im Laufe des Nachmittages ein Stelldichein.

„Wir sind sehr interessiert an neuen Wohnformen“, bekundete der Bezirkstagsvizepräsident und 1. Bürgermeister von Markt Rettenbach, Alfons Weber. Mit dem Neubau war der „Verein für Körperbehinderte Allgäu“ neue Wege gegangen. Dabei wurden Appartements und Wohngruppen in einem Haus kombiniert. Weber nannte es ein „Haus mit Zukunft, eine Schutzhülle“, in dem Menschen mit Behinderungen personenorientiert und bedarfsgerecht betreut werden. Josef Leicht, Vorsitzender des Vereins Körperbehinderte Allgäu, kündigte an, dass ein ähnliches Projekt in naher Zukunft in Immenstadt entstehen soll. Gleichzeitig würdigte er den ehemals ersten Vorsitzenden des Vereins, Dr. Peter Landwehr, der gemeinsam mit seiner Frau Ulrike mit einer Erbschaft den Grundstock für das Haus gelegt hatte. Sein Sohn Michael übergab beim Tag der offenen Tür eine handgeschriebene Chronik, die zu Zeiten seines Vaters entstanden war. „Für diese Menschen da zu sein, war eine Herzensangelegenheit meines Vaters.“ Das wichtige Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung unterstrich OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) in seinem Grußwort. Herbert Singer von der Sozialbau als Bauträger hatte der Wohngemeinschaft einen großen Spaghetti-Topf mitgebracht. Er nannte das „Dr. Peter-Landwehr-Haus“ das erste hochenergie-effiziente, dreigeschossige Holzwohngebäude für Menschen mit Körperbehin-derung in zentraler Lage in Kempten. Buntes Programm Bewohner Stefan Hegemann war noch vor Weihnachten als einer der ersten in das Peter-Landwehr-Haus eingezogen. „Freunde, die zu Besuch kommen, staunen schon, was für ein großes Appartement und was für eine Technik ich habe“, erzählt er voll stolz in einer Fragerunde mit Geschäftsführer Reinhold Scharpf. Für Bewohnerin Silvia antwortete ihr Vater Leonhard Boneberg: „Silvia war 28 Jahre daheim. Es war Zeit, loszulassen. Sie fühlt sich hier sehr wohl, hat schon Freunde gefunden.“ Lisa Klaver begeisterte im Hof des Hauses die Besucher mit einem Bauchtanz. Für die autistische junge Frau, die auch im Haus ein Appartement bewohnt, war das eine große persönliche Herausforderung. Sie wurde mit viel Beifall belohnt. Rollstuhlfahrerin Carmen Busch sang, begleitet von ihrem Vater Joachim, zahlreiche Schlager. Das Impro-Theater lud zum Stehgreiftheater ein – und dann waren da noch die zahlreichen Kuchen und andere Köstlichkeiten, die zum Verweilen einluden. Außerdem gab es Führungen durchs Haus. „Ein toller Tag“, resümierten Bewohner, Besucher und Verantwortliche des Vereins am Abend.

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