Ein Dankeschön

Interkultureller Begegnungsabend von Diakonie & Sozialdienst muslimischer Frauen

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Anke Heinroth (l.), Leitung Asyl und Migration der Diakonie Kempten Allgäu und Ayla Inan, Vorstandsvorsitzende des SmF Kempten bedankten sich bei allen Engagierten.

Kempten – Bei der Diakonie Kempten Allgäu unterstützen rund 200 Engagierte geflüchtete Menschen dabei, gut in Deutschland anzukommen und sich zu integrieren. Beim Sozialdienst muslimischer Frauen Kempten (SmF) sind es ebenfalls zwischen 200 und 250 Ehrenamtliche, die mit dem Tandemprojekt „Patenschaft – Praxis – Qualifizierung“ Menschen mit und ohne Migrationshintergrund mit derzeit 594 Patenschaften vernetzen. Am vergangenen Samstagabend haben sich die beiden Organisationen mit einem interkulturellen Begegnungsabend im Saal der Kolpingakademie bei den vielen Helferinnen und Helfern bedankt. Rund 160 Engagierte, Patinnen und Paten sowie deren Mentees waren der Einladung gefolgt.

Sowohl die Patenschaften der Diakonie als auch die des SmF werden vom Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen“ gefördert, wie Anke Heinroth, Leitung Asyl und Migration der Diakonie Kempten Allgäu und Ayla Inan, Vorstandsvorsitzende des SmF Kempten in ihrer Begrüßung erzählten. Da es seitens des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Überlegungen gebe, die Fördermittel für die Projekte zu kürzen, wurde der Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae (FDP) zur Veranstaltung eingeladen, um sich selbst von der wertvollen Arbeit überzeugen zu können. Nach aktuellem Stand werde zumindest für das kommende Jahr die Fördersumme stabil bleiben, meinte Heinroth im Gespräch mit dem Kreisbote.

Thomae beteuerte in seiner Ansprache, dass er es leider nicht selbst in der Hand habe, wem die Fördermittel zugutekämen. „Die Kürzung staatlicher Mittel wirkt nicht unterstützend. Die Mittel sind immer knapp. Wichtig ist das Zeichen, dass weiterhin staatliche Mittel fließen“, so der Politiker. Des Weiteren erinnerte er daran, dass Deutschland schon seit Jahrhunderten ein Einwanderungsland sei, was jedoch lange Zeit geleugnet worden sei. Der Zuzug berge Chancen und Herausforderungen und Deutschland sei in der Pflicht, die Bedingungen dahingehend zu verbessern, dass Einwanderer sich wohlfühlen. 

Er betonte, dass dies nicht in wenigen Jahren gelingen könne, sondern eine Daueraufgabe sei. Außerdem müsse sich die Politik mit der Frage beschäftigen, was mit all den zugezogenen Familien nach dem Ende des Krieges passieren soll. „Wir haben Hunderttausende Arbeitsplätze. Alle, die sich sowieso schon integriert haben und ihren Beitrag leisten, sollen bleiben können“, meinte der Bundestagsabgeordnete. 

Auch Oberbürgermeister Thomas Kiechle nutzte den Anlass, um sich bei den vielen Engagierten zu bedanken. Seit der großen Fluchtbewegung in den Jahren 2015 und 2016 habe sich das Aufgabenfeld gewandelt und Themen wie die Arbeitsplatz-, Wohnungs- und Kitaplatz-Suche seien in den Fokus gerückt, um eine gelingende Integration sicherzustellen. Kempten sei bemüht, Antworten zu finden und habe hierfür das Amt für Integration gegründet. „Aber es kann nur dann funktionieren, wenn viele Ehrenamtliche mitwirken“, dankte er den Gästen sowie der Diakonie und dem SmF. „Der Blick auf andere Menschen ist mir wichtig. Für ein gutes und friedliches Zusammenleben darf man nicht nur sich als Individuum in den Mittelpunkt stellen“, so der OB, der die Liedzeilen „So nehmet euch eins um das andere an, wie auch der Herr an uns getan“ des Liedes „Wir sagen euch an den lieben Advent“ zitierte. „Wir müssen uns gegenseitig helfen. Wer sich selbst nicht helfen kann, muss in den Mittelpunkt gerückt werden.“

Im Anschluss ging Indra Baier-Müller, die Vorstandsvorsitzende der Diakonie Kempten Allgäu, in ihrem Redebeitrag auf den Begriff „Gastlichkeit“ ein. Die Diakonie beschäftige sich seit 30 Jahren mit Migration und Integration. Gastlichkeit gebe es in allen Kulturen und Religionen. „Bei den Christen wird dies durch die Weihnachtsgeschichte und das Matthäusevangelium aufgezeigt. Die Weihnachtsgeschichte regt zur Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten gegenüber dem Fremden an und stellt die Nächstenliebe in den Fokus“, so Baier-Müller. Deutschland habe in den letzten Jahren als Zivilgesellschaft mit der Willkommenskultur bewiesen, dass Gastfreundlichkeit einen hohen Stellenwert einnehme. Weiter rief die Vorstandsvorsitzende dazu auf, dass beide Seiten aufeinander zugehen, einander zuhören und voneinander lernen müssen. „Glauben Sie an das Gute im Menschen. Man kann immer auch Gott im anderen sehen. So sagt man in meiner Religion.“

Ayten Kiliçarslan, die Bundesvorstandsvorsitzende des Sozialdienstes muslimischer Frauen war anlässlich des Begegnungsabends aus Köln angereist. „Ich freue mich immer in Bayern zu sein, weil ich hier Grüß Gott sagen kann. Salam Aleikum“, begann sie humorvoll und freute sich darüber, mit so vielen sozial engagierten Menschen ins Gespräch kommen zu dürfen. Es sei wichtig, dass Menschen anderen Menschen helfen. „Die Solidarität in einer Gesellschaft ist ein Garant für Gerechtigkeit. Dies erzeuge wiederum sozialen Frieden“, so Kiliçarslan. Die Kernaussage des Islams sei Gerechtigkeit. Den Wohlgefallen Gottes erlange nicht derjenige, der streng religiös für sich bleibe, sondern der, der die Güter Gottes mit anderen Menschen teile, meinte die Vorstandsvorsitzende weiter. Die Patenschaften verglich sie mit einem Tandem-Fahrrad: „Egal wer vorne und wer hinten sitzt, beide haben den gleichen Weg und das gleiche Ziel. Beide müssen in die Pedale treten. Macht es nur einer, wird es schwieriger, ans Ziel zu kommen.“

Dominik Baum

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