Aus Begegnungen wächst Verständnis

Interkultureller Herbst: Für eine bedingungslose Wertschätzung gegenüber allen Menschen

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Argyri Paraschaki, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes der kommunalen Migrantenvertretung Baden-Württemberg (LAKA), beleuchtete in ihrem Vortrag Möglichkeiten der Kommunen, in der Migrationspolitik eine aktive Rolle zu übernehmen.

Kempten – Unter dem Motto „Zusammenleben – Zusammenwachsen“ steht der diesjährige Interkulturelle Herbst in Kempten. Mit dieser Botschaft soll ein Signal für eine freiheitliche Gesellschaft gesetzt werden, verbunden mit einem gleichberechtigten Zusammenleben von Menschen aller Kulturen, Traditionen und Religionen. Ein großer kultureller Reichtum, der alle bereichert und deswegen viele verbindet, so Lajos Fischer, Geschäftsführer Haus International. Mit einer Auftaktveranstaltung wurde in der vergangenen Woche der Interkulturelle Herbst im Haus International offiziell eröffnet. Als Gastreferentin war Argyri Paraschaki, erste stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes der kommunalen Migrantenvertretung Baden-Württemberg (LAKA) eingeladen.

In den letzten drei Jahrzehnten entwickelte sich in Kempten aus der bundesweiten interkulturellen Woche ein vielseitiger, breit aufgestellter Interkultureller Herbst. Zahlreiche Veranstaltungen, Vorträge, Live Konzerte und vieles mehr, vom Integrationsbeirat der Stadt Kempten und dem Haus International organisiert und finanziert, sollen dabei unterstützen, Ablehnung und Vorurteile gegenüber Menschen anderer Nationalitäten und Kulturen zu überwinden und sich vor dem Fremden nicht zu verschließen.

„Mitmenschen aus anderen Ländern sollen an unserem Leben teilhaben.“ Mit diesen Worten eröffnete Lajos Fischer den Abend. Generationen von Einwanderern haben in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend zu unserem heutigen Wohlstand beigetragen. 40 Prozent der Bevölkerung der Stadt Kempten aus 120 Nationen sind Menschen mit Migrationshintergrund, erklärte Ilknur Altan, die Integrationsbeauftragte der Stadt Kempten: „Die direkte Begegnung unterschiedlicher Menschen steht im Vordergrund des Interkulturellen Herbstes.“ Für sie sei eine Daseinsvorsorge notwendig, für die in der Kommune die finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden müssen. 

Oberbürgermeister Thomas Kiechle, der den Interkulturellen Herbst offiziell eröffnete, unterstrich die Wichtigkeit des Zusammenwachsens und Zusammenlebens als Basis einer Stadt. Das Grundrezept sei die Begegnung anzubieten und zu schaffen und daraus eine Entwicklung hin zu mehr Verständnis für andere Menschen, eine wichtige Aufgabe der Politik, so Kiechle. 

Kommunen haben eine elementare Bedeutung für das Leben ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, der wirtschaftliche und soziale Strukturwandel und die demographische Entwicklung stellten die Kommunalpolitik vor große Herausforderungen. Gastrednerin Argyri Paraschaki, die aus Griechenland stammt, in Deutschland aufgewachsen ist und sozialisiert wurde, beleuchtete in ihrem Vortrag „Kommunen können das – für eine aktive Rolle der Kommunen in der Migrationspolitik“ das Zusammenspiel Kommune und Migrationspolitik, sowie Möglichkeiten von Kommunen als Akteure im Bereich Integration und Partizipation aktiv zu werden. So leben in Deutschland 19,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, fast ein Fünftel der Bevölkerung und davon engagieren sich 43,2 Prozent freiwillig, erklärte sie den Anwesenden. Durch die Heterogenität dieser Gruppe ergeben sich auch differenzierte soziale Chancen und Probleme.

Fördergelder einfordern 

Für Paraschaki ist es elementar, dass Bund und Länder Rahmenbedingungen schaffen, die die Kommunen befähigen, eine aktive Migrationspolitik vor Ort zu gestalten, wie etwa die Förderung von Bildung und Sprache, Wohnen, Arbeiten und eine Gesprächskultur auf Augenhöhe. Sie appellierte, die Fördergelder und -möglichkeiten aktiv von EU, Bund und Ländern einzufordern. So sei die Sprache besonders wichtig für Integration, verbunden mit bürgerlichem Engagement, betonte sie. 

Anhand von Best-Practise-Ansätzen in den Städten Heilbronn, Schwäbisch Gmünd und Stuttgart stellte sie gelungene Migrationspolitik vor, die auf Integration und Partizipation setzt. So sei etwa in Heilbronn die Bürgerbeteiligung, die den Zusammenhalt der Demokratie stärke, bei über 50 Prozent, in Schwäbisch Gmünd gebe es eine Willkommensbehörde und Stuttgart gelte weltweit als Vorbild für eine erfolgreiche Integrationsarbeit, verbunden mit Wohlstand und einer hohen Lebensqualität.

Willkommensbehörde

In ihrem Fazit plädierte sie für eine Ausschöpfung der personellen und finanziellen Möglichkeiten, für ein kommunales Wahlrecht für alle Bürger und eine gesamtstädtische Integration, zudem sollten Menschen mit Migrationshintergrund bewusst in Führungspositionen gebracht werden, für eine aktive Verantwortung in der Gesellschaft. In der anschließenden Diskussion drehten sich die Fragen des Publikums um Diskriminierung, Bildung, Sprachförderung gezielt für Frauen und Partizipation – Förderung des Ehrenamtes. „Ehrenamt ist unersetzlich, ohne geht es nicht, denn durch Beteiligung werden Menschen integriert“, betonte die Referentin. Denn Integration und Partizipation gehören zusammen, eins gehe nicht ohne das andere. Die anregenden Gespräche der Gäste zeigten, wie wichtig eine aktive Migrationspolitik in den Kommunen vor Ort ist. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Gruppe „Intergalaktisches Jazz-Folk Ensemble“. Wie immer waren die Gäste im Anschluss von den Veranstaltern zu einem kleinen Imbiss mit türkischen Köstlichkeiten eingeladen.

Christine Reder

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