Wenn aus Wertschätzung Wertschöpfung wird

Internationale "SchaZi"-Tagung

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Die Tagungsteilnehmer besuchten auch den Bio-Ziegenhof Heberle in Altusried. Mit 350 Milchziegen werden dort jährlich circa 325.000 Liter Bio-Ziegenmilch erzeugt.

Kempten – Über 200 Tagungsteilnehmer trafen sich kürzlich zur 10. Internationalen Schaf- und Ziegentagung in der bigBOX, um sich über die Perspektiven und Potenziale der Schaf- und Ziegenhaltung auszutauschen. Die Themen waren vielseitig und intensiv: Von der Fairen Partnerschaft zwischen Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung über die Auswirkungen der Fütterung auf die Milchqualität bis hin zur Tiergesundheit.

Ulrich Leiner, Vorsitzender des Landesverbands Bayerischer Ziegenzüchter, hieß die Tagungsteilnehmer Willkommen. Als eine „Hervorragende Plattform zum Austausch von Erfahrungen“ stufte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Ziegenzüchter e.V., Bernd Merscher, die Tagung im Allgäu ein, betonte aber auch, wie sehr ihn das Thema TSE-Überwachungsverordnung und Scrapie-Erkrankungen bei Schafen und Ziegen beschäftige. Um die gemeinsamen Interessen gegenüber der Politik vertreten und vermitteln zu können, sei eine gute Zusammenarbeit der Verbände eine Grundvoraussetzung.

In ihrem Grußwort berichtete Bürgermeisterin Sibylle Knott von den Schafen, die die Stadt Kempten an der Burghalde und am Archäologischen Park Cambodunum als „tierische Rasenmäher“ einsetze und deren Wolle als „Dämmstoff für Haus und Mensch“ verwendet werde.

Für den Vorsitzenden des Mitveranstalters Bioland e.V., Josef Wetzstein, war die Tagung das gelebte Beispiel, dass es zwischen Bio und Nicht-Bio keine Berührungsängste gebe. Wichtige Impulse wünschte er sich für die Themen Milchpreisentwicklung und Markttransparenz. „Mit einer guten Portion Wertschätzung kann es auch bei der Wertschöpfung vorwärts gehen“, so Wetzstein und brachte zum Ausdruck, wie wichtig für die Landwirtschaft angemessene Preise für Milch und Fleisch seien.

Das Thema Preis und Entlohnung war dann auch ein zentraler Punkt der anschließenden Diskussionsrunde. Moderator Martin Hermle stellte die Frage „Kommt beim Thema Wettbewerb und Konkurrenz nicht ganz automatisch die Angst auf, wirtschaftlich zu versagen und unterzugehen?“ Als ein Gegenstück zum Prinzip „Maximaler Wettbewerb und rücksichtslose Konkurrenz“ betrachte er die „Faire Partnerschaft“ zwischen Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung. Dass diese Idee kein Wunschdenken ist sondern gelebte Praxis, machte Hermle an drei Beispielen deutlich und ließ die Akteure am Podium Platz nehmen. Die Sparte Schafmilchprodukte wurde von Hannes Feneberg von der Feneberg Lebensmittel GmbH und von Peter Mangold vom Schafmilchhof in Sulzberg vertreten. Diese Partnerschaft bestehe seit 20 Jahren und werde von der Seite des Handels durch eine Preis- und Abnahmegarantie und von Seiten der Herstellung durch klare Produktionskriterien und Transparenz im Produktionsbetrieb sichergestellt. Barbara Scheitz von der Andechser Molkerei und Günther Gebauer, Ziegenmilcherzeuger aus Scheuring bei Augsburg, erläuterten wie sie diese „Faire Partnerschaft“ praktizieren. Eine besondere Herausforderung sei bei der Erzeugung von Ziegenmilch die stark schwankende Menge. Als Antwort darauf wurden in Zusammenarbeit mit den Erzeugern zwei neue Produktlinien eingeführt: Die Fettreduzierte Ziegenmilch und die Ziegenmilchbutter, in die das Fett verarbeitet wird. Als ein weiteres Beispiel für „Faire Partnerschaften“ präsentierte Hermle den Schafhalter Josef Hartl aus Mühlhausen und die Geschäftsführerin der manomama GmbH, Sina Trinkwalder. Hartl machte deutlich wie sich eine gute Haltung, die Versorgung der Tiere und die Tiergesundheit auf die Qualität Wollfasern auswirken. Zugekaufte Futtermittel kommen für ihn deshalb nicht in Frage. Trinkwalder brachte es kurz und knapp auf den Punkt: „Kranke Tiere – schlechte Wolle“. Und wie schlecht die Wolle tatsächlich sei, zeige sich erst ganz am Ende der Verarbeitungskette. „Da kann ich dann statt Pullovern Putzlumpen machen“, so Trinkwalder. Die Frage, wie diese Partnerschaften weiterentwickelt werden können, beantwortet Trinkwalder mit „qualitativem statt quantitativem Wachstum“. Erzeuger, Vermarkter und Verbraucher müssen sich noch stärker bewusst machen, dass die Tiergesundheit maßgeblich ist für die Qualität bei Milch, Fleisch und Wolle. „Die Wertschätzung der qualitativ hochwertigen Lebensmittel und die Wertschätzung der geleisteten Arbeit seien wichtige Faktoren, damit es auch auf der Seite der Wertschöpfung passt“, resümierte Hermle.

Michael Schropp

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