Internationales Flair

Volles Haus hieß es am Samstag im Theater in Kempten: Als besonderer Höhepunkt der Konzertsaison spielte das Bayerische Staatsorchester unter Leitung von Kent Nagano und hinterließ am Ende ein geradezu seliges Publikum. Mit insgesamt 50 Musikern war das hoch renommierte Orchester, dessen Wurzeln sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lassen, in die „Provinz“ gekommen, um in wechselnder Besetzung musikalische Akzente zu setzen. Möglich wurde dieses außergewöhnliche Ereignis durch die Unterstützung des Bankhauses Sal. Oppenheim, das als Partner des Bayerischen Staatsorchesters auch Auftritte in der Region fördert und den Wunsch der Kemptener gerne erhörte (der KREISBOTE berichtete).

Wie sensibel jeder einzelne Musiker die weichen, fließenden Bewegungen und die feine Mimik ihres international gefragten Dirigenten, der mit der Spielzeit 2006/2007 als Bayerischer Generalmusikdirektor die Nachfolge Zubin Methas angetreten hatte, umsetzten, war sichtbar, hörbar und auch fühlbar. Musikalische Qualität und Harmonie in Reinform. Fast ätherisch schwebten die sanft fließenden Klänge von Richard Wagners „Siegfried Idyll“ im Raum, deren beruhigender Charakter auch in den diskreten musikalischen Steigerungen konsequent fortgeführt wurde. Klar und rein waren selbst die leisesten Töne der wohlige Ruhe verbreitenden Streicher, bereichert von den Bläsern, die unaufdringlich Momente des Entzückens aufblitzen ließen. Freudiger Anlass Aus Freude über die Geburt seines Sohnes Siegfried hatte Wagner die einsätzige Sinfonische Dichtung geschrieben und seiner zweiten Frau Cosima zu ihrem 33. Geburtstag geschenkt. Ganz im Gegensatz dazu standen die „Metamorphosen“, ein Spätwerk Richard Strauss, das er gegen Ende des Zweiten Weltkriegs als Studie für 23 Solostreicher geschrieben hatte. Ein ernster Abgesang auf eine düstere Zeit, in dem Strauss das Thema des Trauermarsches aus Beethovens „Eroica“ anklingen lässt. Präzise reagierten die Musiker auf ihren Dirigenten, der den Spannungsbogen zwischen den resignativen bis tröstlichen Momenten des Trauer und Abgeklärtheit ausstrahlenden Werks feinfühlig herauszuarbeiten verstand. Unbekümmert und heiter folgte nach der Pause die Serenade Nr. 1 D-Dur von Johannes Brahms, für deren Besetzung es auf der Bühne dann schon etwas eng wurde. Hier zeigte sich, dass die Akustik im TiK nicht nur für die leisen Töne geeignet ist. Auch der zeitweise satte Klang der großen Orchesterbesetzung ließ ein angenehm differenziertes Hörerlebnis zu. In dem sechssätzigen Werk mit seiner eingängigen Melodik kam der romantische Schwärmer in Brahms zum Vorschein. Mit den unterschiedlichen Klangfarben der Blasinstrumente spielend, setzten sich abwechselnd Flöte, Horn, Klarinette und Fagott fröhlich in Szene und verliehen den variantenreichen Sätzen ihre jeweils charakteristische Note. Mit anhaltend tosendem Applaus bedankten sich die Zuhörer für ein herausragendes Konzert.

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