"Da müssen sich alle lockermachen!"

Die Kabarett-Ikone Hannes Ringlstetter spricht über Mundart-Unterricht und bayerischen Rap

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Hannes Ringlstetter (2.v.l.) ist morgen mit seiner Band zu Gast in Kempten.

Kempten – Am Sonntag kommt Hannes Ringlstetter mit seinem aktuellen Programm „Fürchtet Euch nicht!“ in die Kultbox. Über seine Meinung zu den Fridays-for-Future-Demos, Angstmacherei und warum der Dialekt nicht ausstirbt, darüber hat der Kreisbote mit dem Musiker, Schauspieler, Kabarettist und Moderator im Vorfeld gesprochen.

Herr Ringlstetter, „Fürchtet Euch nicht!“, so lautet der Titel des aktuellen Programms, mit dem Sie in Kempten zu Gast sind. Fehlt es den Deutschen oder den Bayern an Mut?

Hannes Ringlstetter: „Der Titel ist kein Mahnmal gegen Angst. Vielmehr ist die Angstmacherei gerade groß in Mode. Das habe ich einmal im Studium gelernt: Wenn die einen etwas laut schreien und die Leute aufstacheln, braucht es in der Demokratie eine Gegenstimme.“

Wovor wird Angst verbreitet?

Ringlstetter: „Angst vor Ausländern, Überbevölkerung, dass wir vielleicht fünf Prozent unseres Wohlstandes abgeben müssen, weil wir gleichzeitig das Klima retten wollen. Bei all der Panikmache habe ich mir gedacht, ich schreibe jetzt einfach das Gegenteil auf einen Zettel. Aber es gibt auch einen persönliche Bezug: Die Band, das Singen ist der Ort, wo ich mich am besten ausprobieren kann. Im Fernsehen gibt es oft den Druck der Quote, bei der Musik nicht. Der Satz ist also auch ein Motto für mich selbst.“

Ist die Bühne dann ihr Lieblingsbereich? Sie machen ja ganz unterschiedliche Dinge.

Ringlstetter: „Das kann man so nicht sagen. Ich habe das Glück, viele unterschiedliche Dinge machen zu können. Andere würden einen Vogel kriegen, wenn sie das alles machen würden. Aber die kreative Arbeit braucht Abwechslung. Aus den Neuanfängen schöpfe ich Kraft.“

Sie haben es vorhin schon angesprochen: Ein Thema, das uns in den nächsten Jahren vielleicht große Probleme bereiten wird, ist die Klimaerwärmung. Machen es die Schüler richtig, wenn sie am Freitag auf die Straße gehen?

Ringlstetter: „Jetzt nehme ich einen Satz aus dem Programm vorweg: Ich habe damals keine Klimaerwärmung gebraucht, um am Freitag von der Schule zu Hause zu bleiben (lacht).“

Unterstützung also auf ganzer Linie?

Ringlstetter: „Im Ernst, die Reaktion auf die Schüler-Demos finde ich zynisch: Auf der einen Seite beschweren sich alle, dass sich die Jugend nicht engagiert, dann gehen die jungen Leute auf die Straße, dann passt es wieder nicht. Natürlich kann es bei den Demonstrationen allein nicht bleiben. Das Problem ist seit 50 Jahren hausgemacht. Drei Generationen haben die Klimaerwärmung angerichtet, dass nun ausgerechnet die beschimpft werden, die das Ganze auslöffeln müssen, ist gar nicht mehr sarkastisch, sondern zynisch. Auf der anderen Seite sind auch nicht alle jungen Leute Klimaaktivisten und selbst wenn, die sind teils auch inkonsequent. Wir können auch nicht verlangen, dass die alle Heilige sind. Das ist so ein Beispiel für Hysterie und Zynismus.“

Ob in „Fürchtet Euch nicht!“ oder den Kirchenglocken im Lied „Sonntag“, es finden sich an manchen Stellen biblische Anleihen.

„Die Botschaft funktioniert schon seit 1000 Jahren.“

Sind Sie ein gläubiger Mensch?

„Nein. Ich glaube an etwas. Aber ich bin kein gläubiger Mensch im engen Sinn. Aber ich bin so erzogen worden und ich mag natürlich die Kultur, die durch die religiösen Einflüsse entstanden ist. Und spiele gerne damit. Das ist bei Sonntag zum Beispiel doppelt gemacht, weil es ein altes Volkslied ist: ‚Es war ein Glückstag ganz gewiss, wie unser Bayernland enstanden is‘. Ich habe das runtergebrochen auf Beziehung und Freundschaft. Die Kirchenglocken am Anfang suggerieren: Sonntag. Es ist meine Art, mit den bayerischen Klischees zu spielen, ohne sie bedienen zu wollen. Auf der anderen Seite bin ich natürlich Teil davon. In der Musik ist es viel leichter subtil zu spielen als zum Beispiel im Kabarett, weil ich auf mehreren Ebenen mit Sound, Texten und Melodie arbeite."

KBbou, Monaco F, Liquid & Maniac, Dicht & Ergreifend, Roger Reckless: In „Fürchtet Euch nicht!“ sind eine ganze Reihe bayerischer Rapper mit dabei. Kommt der Song so besser bei den Jungen an?

Ringlstetter: „Das ist nicht der Grund. Ich war in München zu Gast bei Bavarian Squad (Gemeinsames Konzert bayerischer Rapper in München, Anm. der Redaktion): Ich war total beeindruckt, wie viel Lust die jungen Leute auf das Authentische haben. Die sind ja alle erst 20 Jahre alt.“

Dann brauchen wir keinen Mundart-Unterricht, wie es Marianne und Michael fordern?

Ringlstetter: (empört) „Na, jetzt hört‘s halt auf! Der Dialekt wird nicht aussterben. Da müssen sich alle lockermachen. Im Gegenteil: Die Münchner Kids sagen jetzt alle ‚Oida!‘.“

Sind die ganzen Rapper beim Konzert morgen mit dabei?

Ringlstetter: „Nein, ich rappe selbst.“

Tatsächlich?

Ringlstetter: „Ja, ich habe mir die Texte beigebracht. Das war wie beim Auswendig-Lernen alter Fanta-Vier-Songs. Ich habe mir die Lieder oft angehört. Mittlerweile hab ich‘s echt raus.“

Das klingt nach einem vielversprechenden Konzert!

Das Interview führte Susanne Lüderitz.


Das Konzert von Ringlstetter und Band am Sonntag, 30. Juni, in der Kultbox beginnt um 19 Uhr. Support sind Salty Skin. Karten sind auf www.bigboxallgaeu.de, auf www.eventim.de oder telefonisch unter 0831/57 05 51 000 erhältlich. Auch an der Ticketbox gibt es Karten. 

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