Diskussionsbedarf über neues und uraltes Thema

Beginenhaus und Kleiner Kornhausplatz 1 sorgen für "Zündstoff" in Haushaltsdebatte

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Wird nach Willen des Haupt- und Finanzausschusses vielen Vereinen als Heimat vorerst noch erhalten bleiben: das Haus mit der Adresse Kleiner Kornhausplatz 1.

Kempten – Mit dem Beschluss des Investitionsprogrammes bis 2021 sind die Haushaltsberatungen zu Ende gegangen. Bei einigen Themen gab es größeren Diskussionsbedarf.

Ein stärkeres Gewicht als bisher im Stadtmarketing angedacht soll die Kemptener Kultur erhalten. Mittel in Höhe von 60.000 Euro hat der Haupt- und Finanzausschuss für das Stadtmarketing bewilligt. Zusätzliche 20.000 Euro erhält nach einigem Hin und Her das Kulturamt direkt. Das stieß zunächst vor allem Erwin Hagenmaier (CSU) auf, da das Kulturamt, das die Gelder ursprünglich für die Entwicklung einer Dachmarke Kultur zugesprochen bekommen hatte. Diese Konzept habe aber Mängel aufgewiesen (z.B. kam das Theater in Kempten unter der Dachmarke Kultur nicht vor) und sei inzwischen in eine Dachmarke für die Stadt als Ziel erweitert worden. Für Alexander Hold (FW) allerdings ist die Kultur dort als Unterpunkt des Citymanagements nicht adäquat präsent. Einstimmig wurden am Ende 20.000 Euro für die Öffentlichkeitsarbeit des Kulturamtes im Haushalt berücksichtigt.

Kleiner Kornhausplatz 1

Erbaut wurde das denkmalgeschützte Gebäude, ehemals „Hotel Krone“, heute Büro-Heimat zahlreicher Vereine, hinter dem Kornhaus anno 1844. Seit seinem Erwerb durch die Stadt Kempten im Jahr 1938 hat es zahlreiche Nutzungen durchlaufen, vom Kinderkrankenhaus bis zur vhs. Modernisiert wurde dort seither kaum etwas. Die deshalb niedrigen Mieten machen es für Vereine attraktiv. Diese sind auch zahlreich vorhanden, unter anderem die Freunde Kemptener Museen (fkm), architekturforum (af), Berufsverband Bildender Künstler (BBK), Naturheilverein, die Krippenbauschule und viele mehr. Bis dato war auch der Alpenverein (DAV) über viele Jahre im Erdgeschoss beheimatet. Dass er aktuell seine sieben Sachen packt und umzieht , gab der städtischen Verwaltung Anlass zu überlegen, was man generell mit dem Gebäude und den insgesamt laut Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, rund „950 Quadratmetern vermietbare Fläche“ anfangen könnte.

Gut eine halbe Million Euro nur für Barrierefreiheit und Brandschutz auszugeben, hält Schießl allerdings nicht für sinnvoll. Ihm schwebt eher etwas wie ein „multifunktionales Bürogebäude“ vor, in dem auch Teile der Verwaltung untergebracht werden könnten, für die bislang immer wieder externe Räume (aktuell 1364 Quadratmeter) angemietet werden müssten. Die Kosten für solch einen Erweiterungs-, Um- und Ausbau werden auf 3,2 Millionen Euro geschätzt. Auch eine weitere Nutzung durch Vereine hält Schießl für möglich, wobei er sich „thematisch“ passende Vereine auch im Beginenhaus vorstellen könne. Beides hält Alexander Hold (FW) für „keine tragbare Alternative“. Vor allem am jetzigen Standort würden die Mieten nach einer Sanierung „zu hoch“ sein. „Kein akuter Handlungsbedarf“ beantwortet Schießl Holds Frage, ob das Gebäude unbedingt saniert werden müsse. Wie Hold sprach sich Erwin Hagenmaier (CSU) deshalb dafür aus alles „erstmal so zu belassen, oder“, setzte letzterer eins drauf, „wir trennen uns von der Immobilie“, da hier eher private Investoren gefragt seien.

Regina Liebhaber (SPD) wies dagegen darauf hin, dass man nicht mehr viele städtische Immobilien habe und „wir das Gebäude vielleicht in ein paar Jahren brauchen für etwas, das wir jetzt noch nicht wissen“. Laut Harald Platz (CSU) gibt es für den frei werdenden Raum des DAV schon jetzt viele Interessenten, „die wegen der tollen Lage rein wollen“. Er mahnte, die Vereine „nicht außen vor“ zu lassen, da sie einen wichtigen Beitrag für die Stadt leisten würden.

Da sich hier „eine grundsätzliche Diskussion“ andeute, so OB Thomas Kiechle, wurde die Sache erst einmal für ein Jahr auf Eis gelegt.

Dauerdiskussion Beginenhaus

Mit 50.000 Euro steht das Beginenhaus im Haushaltsplan 2018/2019 mit 100.000 Euro. Man sei, so Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, „im Austausch mit dem Verein“. Im Februar 2018 soll im Kulturausschus ein neues Nutzungskonzept vorgestellt werden.

„Ich weiß nicht, wie renitent man werden muss, dass hier mal etwas vorwärts geht“, kritisierte Thomas Hartmann (Die Grünen) vehement das schleppende Vorangehen, sowohl wegen der möglichen Gefährdung der Förderung als auch gegenüber des jahrelangen Engagements des Beginenhausvereins. „Es gibt viele Kommunen, die froh wären, solch ein Kleinod zu haben“ und „wir warten seit 20 Jahren“, echauffierte er sich. Schießl versicherte, dass es derzeit „keinen Dissens mit dem Verein“ gebe, man sich aber einig sei, dass das bisherige Konzept für ein „Zentrum der Buchkultur nicht weiter verfolgt werden sollte“. Und auch „eine Förderzusage gibt es nicht“. Es sei lediglich eine Förderung „in Aussicht gestellt worden“ und das auch „nicht verloren gegangen“.

Kulturamtsleiter Martin Fink ergänzte, dass beide zuständigen Förderstellen im Übrigen signalisiert hätten, dass es für das Konzept Haus der Buchkultur keine Förderung geben werde und freute sich, dass man jetzt „auf einem guten Weg“ sei.

Erwin Hagenmaier (CSU) beanstandete das „inzwischen 17. Konzept“ und dass jedes Jahr Gelder eingestellt würden, „aber nichts passiert“. Seines Erachtens brauche es auch gar keine Nutzung, denn man könne das Gebäudeensemble „doch auch so besichtigen“, wenn man es in einen Zustand bringe, in dem ablesbar sei, „so war das im 15. Jahrhundert“. Das sei sicher für deutlich weniger zu haben als die bislang veranschlagten 7,5 Millionen Euro und „das wäre mir vollkommen ausreichend“. Katharina Schrader(SPD) erinnerte daran, dass das nunmehr zweite Konzept vom Verein nur deshalb ausgearbeitet werde, weil es die Verwaltung gewollt habe.

Dass zu den über die Jahre zusammengekommenen 250.000 Euro Resthaushalt nun weitere 50.000 Euro Planungskosten eingestellt werden sollen, liegt laut Fink daran, dass Beginenhaus und der historische Buchbestand „bisher verknüpft waren“. Mit der Trennung müsse auch im Haushalt getrennt werden. Er betonte mit Verweis auf die Sitzung des Kulturausschusses im Februar 2018 vielversprechend, dass das Beginenhaus im musealen Konzept der Stadt eine Lücke füllen könne, „die wir im Bereich Mittelalter haben“.

Christine Tröger

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