Mit heißer Nadel

Eisgekühlt und heißbegehrt – der Corona-Impfstoff ist da

Alles bereit: BRK-Koordinator Dietmar Schenk präsentiert die Spezial-Ausrüstung der drei mobilen Kemptener Impfteams.
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Alles bereit: BRK-Koordinator Dietmar Schenk präsentiert die Spezial-Ausrüstung der drei mobilen Kemptener Impfteams.

Kempten/Landkreis/Isny – Manchen mögen sie wie Engel erscheinen, die mobilen Impfteams des „Bayerischen Roten Kreuzes“(BRK), die seit letztem Sonntag in mehreren Kemptener Seniorenheimen die ersten Spritzen gegen das Corona-Virus setzen. Zu dritt sind sie unterwegs, um die besonders gefährdete Gruppe der über 80jährigen zu immunisieren – insgesamt drei Teams sind im Einsatz. Darüber hinaus wird im Impfzentrum Artillerie-Kaserne medizinisches und pflegendes Personal aus Krankenhäusern und Heimen mit dem Impfstoff versorgt.

Dietmar Schenk ist zufrieden. „Bisher läuft die Impfaktion reibungslos, auch bei der Kühlung gibt’s bei uns keine Probleme“, meldet der BRK-Koordinator aus seinem frisch renovierten Büro in der Kaserne. Schenk hält hinter einer großen Plexiglas-Scheibe die Fäden in der Hand, stimmt Termine ab und organisiert die Fahrten der drei Einsatzteams. Einhundert Dosen des BionTech/Pfizer-Impfstoffes waren vergangenen Samstag in Kempten eingetroffen, 350 Dosen umfasste die zweite Tranche, die am Montag zugeteilt wurde. „Wir spritzen jeweils die Hälfte davon zeitnah, die andere Hälfte bekommen die Impflinge beim zweiten Termin in etwa drei Wochen“, erläutert Schenk das Vorgehen. Solange wird der heißbegehrte Stoff bei minus 70 Grad auf dem Kasernengelände gelagert, natürlich gut bewacht.

Riesennachfrage, aber bisher zu wenig Stoff

Für ihre Einsätze in den Heimen sind die BRK-Teams perfekt ausgestattet: Laptop, Notarztrucksack, Impftasche, Schutzkleidung und ein tragbarer Mini-Kühlschrank für die gläsernen Impfstofffläschchen – so sieht die Ausrüstung aus. „Die Impfbereitschaft ist erfreulich hoch“, berichtet Impfarzt Dr. Nikolaus Felder, der gerade von einer ‚Spritz-Tour‘ in die Kaserne zurückkehrt. Geradezu gigantisch ist die Nachfrage nach künftigen Impfterminen bei der Hotline der beiden Oberallgäuer Impfzentren. Allein am Montag dieser Woche wählten 6000 Menschen die Nummer 0831- 20 69 71 71! „So etwas wie diese Aktion hat unser Land noch nie erlebt“, staunt BRK-Mann Schenk. Derzeit limitiert die zugeteilte Menge an Impfstoff die Zahl der Geimpften, es steht weitaus weniger zur Verfügung als verimpft werden könnte. „Ich hoffe, wir bekommen kontinuierlich immer mehr, um im Januar richtig loslegen zu können“, sagt er.

Im Landkreis Ravensburg wird später geimpft

Ein wichtiger Punkt ist die Art und Weise, wie die Berechtigten über ihren Impftermin informiert werden. In Bayern sollen sie per Telefon und mittels Email eingeladen werden, im angrenzenden Baden-Württemberg können sich die BürgerInnen über die Hotline 116 117 anmelden. Dort gibt es einige größere Impfzentren, u.a. in Tübingen, und über 50 Kreiszentren. Für Isny ist das die Oberschwabenhalle in Ravensburg. Allerdings sollen dort die ersten Spritzen erst am 15. Januar gesetzt werden. Im „Stephanuswerk“ Isny sind ebenfalls Impfungen geplant, ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest. Die Impfung selbst ist für die Menschen kostenlos, der Staat bezahlt die Aktion, die übrigens zweimal erfolgen muss, um den Schutz wirksam zu machen. Die aktuell u.a. in England und Südafrika aufgetauchte Mutation des Covid-19-Virus scheint nach ersten Erkenntnissen ebenfalls durch den Impfstoff bekämpft werden zu können. 

Lutz Bäucker

Kommentar

Hysterische Reaktionen bezüglich der Mutation des Covid-19-Virus sind menschlich nachvollziehbar, wissenschaftlich aber nicht berechtigt. Ähnliche Mutationsvorgänge tauchen immer wieder auf, zum Beispiel beim Influenza-Virus. Ob die rund neun Millionen Menschen umfassende Impfgruppe eins mit dem größten Gefährdungspotential innerhalb der gesetzten Frist bis Ende März immunisiert werden kann, bleibt offen. Derzeit versucht der Bundesgesundheitsminister unter großem öffentlichen Druck noch weitere Impfdosen zu beschaffen und seine offensichtlich zu geringen Bestellmengen aus dem Sommer und Herbst zu erhöhen. Damit soll eine möglichst hohe Impfquote erreicht werden. Lassen sich nämlich weniger als die angestrebten rund 70 Prozent der Deutschen die Spritzen setzen, reicht das nicht aus, um das lebensbedrohende Virus zu stoppen. Dann wäre die milliardenteure und logistisch höchst aufwändige Impfaktion praktisch wertlos.

Lutz Bäucker

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