Auch mahnende Worte zur Energiepolitik in Deutschland

Isnyer Energiegipfel mit neuen Ideen

+
Professor Franz Josef Radermacher bei seinem Vortrag im großen Saal des Isnyer Kurhauses.

Isny – Es ist nicht alles Gold was glänzt und nicht alles angebracht was Energie spart. So kann man die verschiedenen Ansätze auf dem 9. Isnyer Energiegipfel werten. In einer Reihe von Vorträgen wurde auch weiterhin zum Energiesparen aufgerufen, aber nicht alle Möglichkeiten schienen den Referenten sinnvoll.

Auf jedem Energiegipfel legt Professor Klaus Pfeilsticker Statistiken und wichtige weitere Schritte zum sogenannten „Ist- Stand“ vor. Er war es auch, der mit verschiedenen Vorschlägen und Prognosen den gesamten Wandel in Isny erst zum Laufen brachte. Auch er relativiert ein wenig, wenn er die Gründe der Klimaerwärmung aufzählt. Die veränderliche Sonne und der Parameter der Erdbahn, die Meereszirkulation (z.B. El Nino), Vulkanausbrüche und an vierter Stelle die von den Menschen produzierten Treibhausgase, die ebenfalls zur Klimaerwärmung beitragen. Schon vor Jahren hat Professor Pfeilsticker darauf hingewiesen, dass mit den steigenden Temperaturen auch der Naturraum Allgäu sich verändern wird. Für Isny lobte er aber vor allem die gute Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, REFI, FEGI und dem Gemeinderat.

Natürlich ist es wahr, dass die beste Energie die gesparte ist. Man muss deshalb aber nicht gleich in die Steinzeit zurück. Die Erhebungen über den Stromverbrauch machen es deutlich: Der größte Energieverbraucher ist bei aller Sparsamkeit die Industrie, natürlich ist es kosten- und energiesparend die LED Leuchten als Straßenbeleuchtung zu montieren und auch sonst hat die Stadt seit Beginn der Aktionen pro Jahr 4000 Gigawatt eingespart. Photovoltaik ist recht gut ausgebaut und liefert 28.103 Gigawatt und das Nahwärmenetz mit der Hackschnitzelanlage nimmt mehr und mehr an angeschlossenen Gebäuden zu. Mehr gehe aus den städtischen Forstbetrieben aber nicht, warnte Professor Pfeilsticker. Dem Ziel, den Energiebedarf der Stadt zu halbieren, ist man schon wieder näher gekommen. „Selbst in einem gut organisierten Ort wie Isny müsste man die Anstrengungen verdreifachen, um die von der Bundeskanzlerin gesteckten Ziele zu erreichen.“

Im Abendprogramm vom Samstag war neben der Eröffnungsrede von Manfred Behrning und dem Grußwort von Bürgermeister Rainer Magenreuter die Überreichung des Energiesparpreises von Wichtigkeit. David Amann, Lehrer am Isnyer Gymnasium, und 25 engagierte Schüler beraten Bürger über Möglichkeiten des Energiesparens und vergeben drei Preise an besonders erfolgreiche Sparer. In diesem Jahr waren es die Familien König, Worbs und Horlacher, die besonders effektiv Energie gespart hatten.

Als Hauptredner des Abends hatten die Veranstalter einen besonderen Gast eingeladen. Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher (Dr. h.c.) brachte Schwung in die anschließenden Diskussionen. Deutschland der Exportmeister sollte nicht immer größere Devisenmengen anhäufen, sondern im Sinne von „Fair Trade“ auch ökologischen Überlegungen Raum geben. Auch für die Emissionsprobleme der Häuslebauer hat er eher ein müdes Lächeln. „In Deutschland müssten 70 Millionen Wohnungen und Häuser energetisch saniert werden. Die Kosten sind fast nicht kalkulierbar. Einsparen würden wir dann rund 14 Millionen Tonnen CO² während ein einziges Kohlekraftwerk 20 Millionen Tonnen CO² erzeugt.“

Ihm erscheint es logisch einmal auszutesten, was man einsparen kann, auch dass man ein Haus isoliert, wenn man es gerade umbaut. „Bevor man sich da nun verrennt, wäre es doch logischer rund um die noch existierenden Regenwälder Sekundärwälder anzupflanzen und so die Regenwälder vor dem Austrocknen zu schützen. Das bringt mehr als Deutschland an Emissionen fabriziert und ist auch noch billiger. Globale Koordination aller Nationen könnte eine Bremse für die Klimaerwärmung werden. Aber tun muss man es!“

Die anschließende Diskussion über Windkraft wurde im eigentlichen Sinne eine Informationsveranstaltung, wie sie schon vor einiger Zeit in Isny-Beuren stattgefunden hatte. Auch ein wichtiger Teil des Energiegipfels, aber alle Vorträge hier aufzuzählen, ist einfach nicht möglich. Zum Denken gab es genug auf diesem Energiegipfel und Isny scheint mit seinen Aktivitäten richtig zu liegen.

Manfred Schubert

Auch interessant

Meistgelesen

Landwirt unter Traktor eingeklemmt
Landwirt unter Traktor eingeklemmt
Dorfladen der Bürgergenossenschaft Frauenzell eröffnet
Dorfladen der Bürgergenossenschaft Frauenzell eröffnet
Leistungswettbewerb der Jugendfeuerwehren: Lauben-Heising gewinnt
Leistungswettbewerb der Jugendfeuerwehren: Lauben-Heising gewinnt
Protest in Kempten: Sklaverei existiert immer noch
Protest in Kempten: Sklaverei existiert immer noch

Kommentare