Zum Start wird Meyerbeers "Die Hugenotten" gegeben

Hauser übertrifft sich selbst

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Das Schiff ist mit in die Handlung einbezogen.

Längst weit über die Region bekannt, ist auch in diesem Jahr das Opernfestival in Isny ein viel beachteter Höhepunkt in der für den künstlerischen Leiter Hans-Christian Hauser typischen „gestrafften Vielfalt“. Mit seinen Helfern und Musikern hat er das auch wieder wunderbar hinbekommen.

Passend zum Jubiläumsjahr der Reformation bringt er ­Giacomo Meyerbeers „Die Hugenotten“ auf die Bühne. An und für sich ein Stoff für die „große Bühne“, aber es ist ihm wieder einmal gelungen, durch Straffung und Reduzierung ein neues Kunstwerk daraus zu machen, das kaum einen Wunsch offen ließ. Keine Massenszenen rund um die Bartholomäusnacht, aber eine Harmonie zwischen Gesangsinterpreten und dem von Hans-Christian Hauser dirigierten Orchester, die ganz einfach begeistert. Wieder ist es ihm gelungen, Sängerinnen und Sänger nach Isny zu bringen, die Zuschauer begeistern können. Das Bühnenbild ist vom Isnyer Künstler Johannes Müller, wirkt mit seinen Symbolwerten auf das Wesentliche reduziert, lässt aber dem Zuschauer viele Interpretationsmöglichkeiten, die die Inszenierung in ihren Aussagewerten in jeder Phase der Aufführung unterstützen. So auch die Einbeziehung eines Segelschiffes, das deutlich macht: „Wohin die Reise geht, ist nicht eine Frage der Windrichtung, sondern hängt davon ab, wie man die Segel setzt.“

Was da auf die Premierenbesucher zukam, war eine gelungene Symbiose von Musik und optischen Elementen bis hin zu den Kostümen der Sängerinnen und Sänger. Auch die sind gut durchdacht und vermitteln den Unterschied zwischen den Einstellungen der Katholiken und Hugenotten. Schlicht schwarz-weiß und in gedeckten Farben die Gewänder der Hugenotten und in einer gern gezeigten Farbenprächtigkeit bei den Aristokraten, den katholischen Gegenspielern. Im Prinzip wirkt sogar der ganz in Schwarz gekleidete Graf de Saint Bris (Wookyoung Shin) als dominierende Figur noch farbig, was aber auch an der Persönlichkeit des Sängers liegt. Mitten in dem Chaos menschlicher Gefühle und Wünsche kristallisiert sich zunehmend heraus, was an Missverständnis und Hass aus verschiedenen Geisteshaltungen entstehen kann. Mitten hinein kommt da die Königin von Navarra ­(Jaewon Yun), die mir ihrer fantastischen Stimme und ihrer Persönlichkeit die Szene beherrscht. Insgesamt eine durchweg gelungene Inszenierung, die viele der gegensätzlichen Lebensauffassungen erklärt und die auch darin enthaltene Möglichkeiten von Verständnis und Vergebung anklingen lässt.

Es wäre nicht Hans-Christian Hauser, wenn nicht noch weitere begleitende Aufführungen eingeplant sind. Wie ein Kammermusik-Konzert in größerer Besetzung und eine Aufführung für Kinder, bei der die Möglichkeit für die Kinder bestand, in Verkleidungen zu schlüpfen und sich aktiv am Geschehen um Andersens Märchen „Das hässliche Entlein“ in der Vertonung von Sergej Prokoffiew zu beteiligen.

Auch in diesem Jahr wird das Ensemble auf eine kleine Tournee gehen und in Stuttgart wie auch in München mit den dortigen Aufführungen das Festival abrunden.   Manfred Schubert

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