Italienische Weihnachten

Was hat es mit dem gefundenen Brief auf sich? Ein Schreiben von Tochter Ninuccia sorgt an Weihnachten für Verwirrung im Hause Cupiello. Foto: privat

Das Theaterstück von Eduardo di Filippo „Natale in casa Cupiello“ („Weihnachten im Hause Cupiello“), eine neapolitanische Komödie in drei Akten, gespickt mit Tragik und Komik, war ein Riesenerfolg. Darin waren sich Zuschauer wie Darsteller der Kemptener Theatergruppe „gli amici“ einig.

Schon bei der Prämiere im Wirtshaus „Klecks“ kamen mehr Zuschauer als erwartet. Mehr als 100 Zuschauer am Samstag und 150 Zuschauer am Sonntag sahen wie am Tage vor dem Fest (in Italien gilt der 25. Dezember als Weihnachten) sich „Luca Cupiello“, Neapolitaner und „Vertrauensmann“ – wie er sich selbst eindringlich bezeichnet, als er sich Vittorio, dem Freund seines Sohnes vorstellt, in Wirklichkeit ein einfacher Wächter einer Druckerei – zusammen mit Frau Concetta und dem lotterhaften Sohn Tommasino auf das Fest vorbereitet. Während er dabei ist, seine geliebte Krippe vorzubereiten, fegt seine aufgebrachte Tochter in die Wohnung, die gerade zum zigsten Mal einen Streit mit ihrem Ehemann Nicolino hatte. Nachdem sie die Geschichte ihrer Tochter gehört hat und wegen der ständigen Kritiken des Ehemanns wütend wird, fällt Lucas Frau Concetta in Ohnmacht. Dabei fällt ihr der Brief aus der Hand, den sie kurz vorher mit Gewalt aus den Händen ihrer Tochter gerissen hatte und mit dem sie ihrem Ehemann ihre Absicht mitteilt, ihn zu verlassen und mit ihrem Liebhaber Vittorio durchzubrennen. Irrungen und Wirrungen Unglückseligerweise findet Luca diesen Brief. Er übergibt ihn seinem inzwischen in der Wohnung erschienenen Schwiegersohn im Glauben, er wäre Letzterem aus den Händen gefallen. Nachdem Concetta sogar Tränen vergossen hatte, um die Versöhnung von Ninuccia und Nicolino zu erreichen, bereitet sie das Abendessen für den Heiligabend vor, zu dem auch die Tochter und der Schwiegersohn kommen. Tommasino in Begleitung von Vittorio kommt nach Hause, seinem Freund und dem Liebhaber von Ninuccia. Die Versuche von Concetta, ihn loszuwerden schlagen wegen der Freundlichkeit von Luca fehl, der von der gesamten Situation nichts weiß. So bleibt Vittorio zum Abendessen. Als Ninuccia und Nicolino eintreffen und dieser Vittorio vorgesellt wird, schlägt die Situation um. Aufgrund dieser plötzlichen Änderung wird der über Jahre hinweg in seiner glückseligen Naivität lebende Luca krank (wahrscheinlich vom Schlag getroffen), bleibt gezeichnet von schweren motorischen und sprachlichen Schwierigkeiten im Bett festgenagelt und versucht bis zuletzt die Versöhnung seiner Tochter mit dem Schwiegersohn zu erreichen. Vor allem versucht er noch, den Wohlgefallen von Tommasino an seiner Krippe herauszuhören, den Letzter trotz Luca’s Beharrlichkeit während der gesamten Geschichte immer verweigert hatte. Unter den Zuschauer befanden sich nicht nur Italiener, die in Kempten und Umgebung wohnen, sondern auch einige Deutsche. Sogar eine Schülergruppe des Hildegardisgymnasiums versuchte im Rahmen des praktischen Unterrichts in italienischer Sprache der Komödie zu folgen. Ein wirklich schwieriges Unterfangen, wie eine Begleitung der Schüler meinte, da manche Dialoge sogar noch im neapolitanischen Dialekt geführt wurden. Den Schülern habe es aber trotzdem gefallen. Große Resonanz Die Nachricht dieses kulturellen Ereignisses in italienischer Sprache hatte sich unter den im Allgäu lebenden Italienern derart schnell herumgesprochen, dass am Sonntagabend noch Anfragen für weitere Aufführungen in Memmingen und Kaufbeuren eingingen. Darsteller und Regisseur verabschiedeten die Zuschauer mit einem neapolitanischen Volkslied „U sordat’ nnammurat’“ („Der verliebte Soldat“) in die Weihnachtstage. Die Theatergruppe „gli amici“ wurde 2008 in Kempten ins Leben gerufen und besteht hauptsächlich aus italienischen Laienschauspielern, die in Kempten und Umgebung wohnen. Regie führte Tenorsänger Sergio Grimaldi.

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