Ortskernentwicklung, Bienen und E-Mobilität

Ein Jahr "Alpen-Modellregion Weitnau/Missen-Wilhams"

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Alexander Streicher, Bürgermeister von Weitnau, (li.) und Hans-Ulrich von Laer, Bürgermeister von Missen-Wilhams.

Weitnau – Ein erstes ereignisreiches Projektjahr liegt hinter der „Alpen-Modellregion Weitnau/Missen-Wilhams“. Zahlreiche Projekte wurden mit großem Engagement von den beteiligten Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinden Weitnau und Missen-Wilhams gemeinsam mit Partnern und Unternehmen auf den Weg gebracht.

So sind letzten Donnerstagabend viele Gäste, unter anderem Vertreter der Förderstellen wie Ministerialrat Wolfgang-Günther Ewald vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten; Baudirektor Norbert Bäuml vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern, und Baudirektor Christian Kreye, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung Schwaben, nach Hellengerst auf den Arche-Hof Birk gekommen, um mit allen Mitwirkenden das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, sich auszutauschen und motiviert in das zweite Jahr zu starten. Die beiden Gemeinden Weitnau und Missen-Wilhams hatten am Wettbewerb „Staatlich anerkannte Alpen-Modellregionen“ teilgenommen und mit vielversprechenden, von den Bürgern selbst erarbeiteten Konzepten im Herbst 2017 den Titel „Staatlich anerkannte Alpen-Modellregion“ gewonnen. Der Preis war verbunden mit einem Förderprogramm des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das den Alpenraum als attraktiven Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensstandort weiterentwickeln und zukunftsfähig machen soll. Das Modellprojekt mit einer Gesamtlaufzeit von zwei Jahren verfolgt einen völlig neuen Ansatz der ländlichen Entwicklung. So war das erklärte Ziel hinter dem Wettbewerb „unternehmerische Köpfe“ aus der Bürgerschaft zu motivieren, aus bereits vorhandenen Ideen Projekte für die Weiterentwicklung ihrer Heimat zu gestalten und umzusetzen. Im März 2018 erhielten die beiden Gemeinden dann den Förderbescheid mit einer Fördersumme von 330.000 Euro und einer Kostenübernahme von 75 Prozent für Planung und Konzeptionierung zur Weiterentwicklung und Umsetzung der eingereichten Projektideen. Anfangs, so Alexander Streicher, Bürgermeister der Gemeinde Weitnau sei überhaupt nicht klar gewesen, ob sie zu den Alpenregionen oder zu den Voralpenregionen zählen, da Weitnau und Missen-Wilhams genau in der Mitte zwischen Oberstdorf und dem Bodensee liegen. Für Bürgermeister Streicher erklärt sich das große Engagement der Bevölkerung in der Liebe zur Heimat und insbesondere in dem Gefühl, sich hier zu Hause zu fühlen. Bereits seit vielen Jahren sei eine Leitbildgruppe in der Gemeinde Weitnau etabliert und auch die Motivation zur Weiterentwicklung und Gestaltung der Heimat sei schon lange in den Köpfen. Viele in dem Wettbewerb eingebrachten Ideen seien zum großen Teil im Leitbildprozess der Gemeinde Weitnau entstanden und weitere Projektideen stammen aus Missen-Wilhams. „So waren sie dankbar, mit dem Förderpreis der Alpen-Modellregion beginnen zu können, die Veränderung anzugehen“, erklärte Alexander Streicher. Mit Stolz blickt er auf das Erreichte zurück und zeigt sich sehr optimistisch in Bezug auf den Fortgang. Ministerialrat Wolfgang-Günther Ewald, der Ansprechpartner für die Kommunen, sieht dieses Förderprogramm neben der „Öko-Modellregion“ und der Initiative „boden:ständig“ als eines der wirkungsvollsten Umsetzungsinstrumente für Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung. Er vergleicht es mit einem kreativen Essen. Das Besondere sei, „mit bestehenden Zutaten etwas Kreatives zu machen“. Für ihn gelte jetzt zur Halbzeit die Frage, wie es weitergehen kann. Budget sei noch vorhanden, schwierig könne es werden, sollten mehr Mittel benötigt werden, so der Ministerialrat. Umso wichtiger sei es, viele interessante Projekte zu haben, denn dies sei die Basis für die Prüfung einer Verlängerung. Projektleiterin Manuela Müller-Gaßner , die den Abend moderierte, findet, dass das entstandene Netzwerk mit dem erforderlichen Know How eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Projektmanagement sei. „Die Projekte können fachlich abgearbeitet werden und die Zusammenarbeit ist sehr motivierend“, nach dem Motto „Jeder unterstützt Jeden“. Die Veranstaltung, die ganz im Zeichen der Vorstellung der vielen unterschiedlichen Projektideen und Initiativen stand, sollte einen Überblick geben, wohin die Reise für die Alpen-Modellregion Weitnau/Missen-Wilhams gehen kann. So geht es um den Erhalt des Skiliftes, der nach 50 Jahren vor dem Aus stand. Durch die Ausarbeitung eines Ganzjahres-Tourismuskonzeptes mit dem Touristikfachmann Aron Holterman ten Hove wurde die Genossenschaft Thalter Höhe eG gegründet, die die Möglichkeit bot, die gesamte Bevölkerung an dem Erhalt des Liftes zu beteiligen. Die Entwicklung einer Dachmarke soll die Identifikation mit der Alpen-Modellregion Weitnau/Missen-Wilhams stärken und einer der ersten Themenwege im Allgäu, der Carl-Hirnbein-Naturerlebnisweg soll mit drehbaren Infostehlen, Waldspielplätzen, Hackschnitzelwegen etc. erneuert und zu einem Rundweg erweitert werden. Hans-Ulrich von Laer, Bürgermeister der Gemeinde Missen-Wilhams, sieht viele der Ideenansätze thematisch in Bezug zum „Pioniergeist Carl Hirnbein“, ein Allgäuer, der vor allem in Wilhams und Weitnau lebte und im 19. Jahrhundert die Landwirtschaft und den Tourismus im Allgäu revolutionierte.

Auch im Bereich der Ökologie gibt es vielfältige Initiativen wie die Ausarbeitung eines kommunalen Ökokontos, ein Konzept zur Erhaltung der Allgäuer Kulturlandschaft mit Kuh und Biene, respektive Bauer und Imker und ein Beweidungsprojekt mit Bodenverbesserungsmaßnahmen. Dahinter verbirgt sich ein ungewöhnliches, klimaschonendes Betriebskonzept, dass auf natürlich vorkommende Ressourcen basiert und aufzeigt, wie man Tierwohl, Umweltschutz, Naturschutz und Landwirtschaft gewinnbringend miteinander vereinbaren kann. Der Bioland Arche-Hof Birk, der drei vom Aussterben bedrohte Tierarten züchtet, erarbeitete die Idee „Erlebnisbauernhof“. Und auch im Weißtannen-Projekt spielt der Naturschutz eine zentrale Rolle, denn stabile Wälder sind wichtig, um in Zeiten des Klimawandels Stürmen, Trockenzeiten und anderen Naturkatastrophen trotzen zu können. Eine Reihe weiterer Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit Themenstellungen rund um die Gemeinde, insbesondere die Ortskernentwicklung der Weitnauer Dorfmitte, Erweiterung und Verbesserung der Radwege und Förderung der E-Mobilität, einem Jugendtreff für beide Gemeinden und dem bedarfsgerechten Leben und Wohnen im Alter in der Dorfgemeinde. Um auch im zweiten Projektjahr „Alpen-Modellregion Weitnau/Missen-Wilhams „erfolgreich Ideen und Projekte voranbringen zu können, hatten die Anwesenden dann noch Gelegenheit, sich Motivation und Spirit bei dem Vortrag „Woher kommt sie – die Power für die Umsetzung der guten Idee?“ des Projektmanagers Roland Mangold von GF Faktor Natur zu holen.

Christine Reder

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