Jubiläumsfeier mit viel Prominenz

Großer Bahnhof beim Festakt für die Hochschule Kempten

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Hielt die Festrede: Prof. Marion Kiechle, Bayerische Ministerin für Wissenschaft und Kunst

„Ein Hoch auf uns“ schmetterte der Campus Chor (Leitung: Frank Müller) selbstbewusst zur Begrüßung der zahlreichen Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Dann ließen zehn Minuten Film die 40 Jahre „Erfolgsgeschichte“ der Hochschule Kempten Revue passieren.

Das Jubiläum wurde mit großem Bahnhof im Kornhaus gefeiert.

1978 startete die Einrichtung als Fachhochschule mit 82 StudentInnen (Ziel waren 1000 Studenten), mit Betriebswirtschaft (BWL) als einzigem Studiengang, mit einer Handvoll ProfessorInnen und wenigen angemieteten Räumen. 40 Jahre später präsentiert sich die Hochschule Kempten als University of Applied Sciences (Hochschule für angewandte Wissenschaften) unter der Adresse Bahnhofstraße 61 (seit 1980), auf einem inzwischen 53.000 Quadratmeter großen Campusgelände mit elf Gebäuden. Heute sind es über 6000 StudentInnen, die in der international ausgerichteten Hochschule ein- und ausgehen,145 ProfessorInnen, 320 Lehrbeauftragte aus der freien Wirtschaft, 200 nichtwissenschaftliche und 90 wissenschaftliche MitarbeiterInnen. Dazu gesellen sich 100 internationale Partnerhochschulen, 56 Labore, fünf Forschungsschwerpunkte, 73 aktive Forschungsprojekte sowie 13 wissenschaftliche Einrichtungen und Netzwerke.

Zahlen, von denen sich nicht nur die Festrednerin und Bayerische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Prof. Marion Kiechle „tief beeindruckt“ zeigte. Konkrete Wohltaten, wie sie bei solcherlei Anlässen gerne vergeben werden, hatte sie zwar nicht zu bieten, aber sie versprach, sich intensiv für die Bereitstellung benötigter Mittel einzusetzen, wie für den sechsten Bauabschnitt, denn es sei ihr generell „ein sehr wichtiges politisches Anliegen, dass Hochschulen die benötigte Fläche für wissenschaftliche Forschung erhalten“, sowie für weitere Studienangebote und Forschungsprojekte. 15,2 Millionen Euro stünden für die ersten fünf Jahre des Instituts Fahrassistenz-Systeme schon bereit.

„Mit einer Hochschule wie heute hatte es noch nichts zu tun“, schmunzelte die erste Studierende in Kempten und heutige Brauerei-Chefin in Sonthofen, Claudia Höss-Stückler, als sie mit Hochschul-Präsident Robert F. Schmidt über alte Zeiten plauderte. Auch für eine Mensa mussten die Studierenden erst auf die Straße gehen, wie zu erfahren war,denn mit den „Kinderportionen“, die sie gegen ihre Essensmarken in der Kemptener Gastronomie aufgetischt bekamen, waren die meisten nicht satt zu kriegen. Dennoch würde sie es „wieder machen“, meinte die ehemalige Studentin im Brustton der Überzeugung.

Unter anderem 17 Jahre Vorsitz des Hochschulrates verbindet den Memminger Unternehmer Wolfgang E. Schultz mit der Kemptener Hochschule, die er als „wichtigste Bildungsstätte im Allgäu“ bezeichnete. Eine „Zäsur“ sei allerdings die Umstellung von Diplom auf Bachelor gewesen, wovon „wir zunächst nicht begeistert waren“ und er selbst teile die Meinung vieler nicht, dass man mit einem Bachelor-Abschluss international bessere Jobchancen habe. Vielmehr habe er die Erfahrung gemacht, dass im Ausland gerade Diplomanden immer gefragt seien, vor allem wenn sie zuvor schon eine Lehre absolviert hätten. Wünsche für die Zukunft? Mehr finanziellen Spielraum für die Hochschulen „zur eigenen Gestaltung“; dass die Ethik „ein fester Bestandteil bleiben möge“ und vielleicht ein anderes Modell, als die Konzentration auf den Abschluss in Regelstudienzeit, „was die Qualität nicht unbedingt fördert“ und Wiederholung nicht verhindere.

Die Bedeutung der Hochschule für die hiesige Wirtschaft machte auch Birgit Kastner-Simon, Corporate Director der Firma Dachser, in der Gesprächsrunde mit Hochschulpräsident Schmidt und OB Thomas Kiechle, deutlich. Der vor 88 Jahren gegründete Logistiker sei nach wie vor ein Familienunternehmen, die naturgemäß „nicht in Quartalen denken“, sondern in die Zukunft. Das betreffe natürlich auch den Standort und da die Hauptniederlassung des weltweit agierenden Unternehmens nach wie vor in Kempten sei, spiele die Hochschule vor allem für die Personalgewinnung eine wichtige Rolle. „Wir begrüßen es Bachelor- und Masterarbeiten zu unterstützen“, meinte sie, aber dann müssten die jungen Leute auch hier bleiben und von hier aus global arbeiten wollen. Hier setzte der Hochschulpräsident mit der Klage seiner Studenten über zu wenig Angebot für junge Menschen in der Stadt an. Zwar befand OB Kiechle, dass die Stadt da „gar nicht so schlecht sei“, es aber natürlich immer besser werden könne. Er hob die Einführung des Semestertickets für den ÖPNV hervor, ein gutes Sport- und auch Kulturangebot und wies im Übrigen darauf hin, nicht zu fragen „was die Stadt für dich machen kann, sondern frage, was kann ich für die Stadt tun?“. Aber, räumte er ein, wie in anderen Universitätsstädten „mit der ein oder anderen Spelunke“, da dürfe schon noch etwas dazukommen.

Kastner-Simon mahnte des Weiteren an, sich nicht darauf auszuruhen, was die letzten zehn Jahre gut gewesen sei. So gebe es vermutlich „keinen Arbeitsplatz mehr in Kempten, auf dem man nicht interdisziplinär arbeiten muss“, was bereits in der Hochschule anfangen müsse. Wichtig sei auch die Arbeit nicht an theoretischen, sondern an „praktischen Fallstudien“ sowie die Förderung von „Sozialkompetenz“, die sie als Schlüssel sah. Um gute Leute dann aber auch in Kempten halten zu können, richtete sie ihre klaren Wünsche an den OB, brauche es mehr Entertainment für junge Leute, „bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen und junge Familien“ sowie genügend Kinderbetreuung „für Familien, die nicht auf Oma und Opa zurückgreifen können“ und die Kinder dann mittags um fünf nach eins „auf der Straße stehen“. Sich der „Risiken solcher Runden“ durchaus bewusst, konnte der OB insofern beruhigen, als an diesen Themen bereits „mit Hochdruck“ gearbeitet werde. Was die Hochschule selbst betraf, sah er im sechsten Bauabschnitt eine „entscheidende Weiterentwicklung für die ganze Region“.

Für den ein oder anderen mitwippenden Körper in den Zuschauerreihen sorgte die Kerberbrothers Alpenfusion mit mehreren Intermezzi.

Christine Tröger

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