pro familia Kempten feiert heuer 25-jähriges Bestehen – Gesprächsrunde mit OB Kiechle und Landrat Klotz

"Sie leisten segensreiche Arbeit"

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Stellenleiterin Anne-Doris Roos (v.l.), Susanne King (Erstkontakt), Lisa Slavicek (Vorstand), Renate Piekenbrock (Vorsitzende) im Gespräch mit OB Thomas Kiechle und Landrat Anton Klotz.Foto: Weidle

Kempten – „Sexualität ist eine Lebensenergie, die von Anfang des Lebens bis zum Ende wirksam ist“ – das ist der Leitsatz von pro familia Kempten. pro familia ist der führende Fachverband in Fragen der Sexualität, Partnerschaft und Familienplanung. In Kempten kann die Beratungsstelle heuer ihr 25-Jähriges Jubiläum feiern. Aus diesem Anlass lud der Verein OB Thomas Kiechle und Landrat Anton Klotz vergangene Woche zu einer Gesprächsrunde ein.

Insgesamt acht Mitarbeiterinnen, alle in Teilzeit, sind bei pro familia Kempten beschäftigt, fünf davon beraten in den Bereichen Schwangerschaft und sexuelle Bildung. Gerade das Thema sexuelle Bildung ist stark nachgefragt. „Hier sind wir schon für das ganze Jahr ausgebucht“, betonte Stellenleiterin Anne-Doris Roos. Doch auch der Bereich „Eltern werden“ ist ein Schwerpunkt der Beratungen. „2015 haben wir circa 3000 Menschen erreicht“, meinte Roos und es sei ein Anstieg der Beratungszahlen beim Thema Elterngeld und Co. (Elterngeld plus) festzustellen. 911 Erstberatungen fanden im vergangenen Jahr statt, davon waren 147 Schwangerschaftskonfliktberatungen. „Das heißt aber nicht, dass es 147 Schwangerschaftsabbrüche gab“, stellte Roos klar. Angeboten wird auch die sogenannte vertrauliche Geburt. Hier können Frauen entbinden, ohne dass der Name erscheint. In Kempten gibt es aber aktuell keine solche Fälle.

Den Flüchtlingszustrom spürt auch pro familia. Seit zwei bis drei Jahren steige der Migrantenanteil bei den Beratungen, 2015 lag er bei 25 Prozent. „Die Asylbewerberinnen kommen schwanger oder wurden auf der Flucht vergewaltigt“, so Roos. In Kempten könne auch in Englisch und Französisch beraten werden, außerdem hat der Verein eine Dolmetscherliste für weitere Sprachen. Der Beratungsbedarf werde weiter wachsen, wenn die Familiennachzüge ansteigen“, ist sich Klotz sicher. „Wir sind uns der Herausforderungen bewusst“, meinte Roos. Die Beratungsstelle müsse neue Konzepte entwickeln, da auch die Anfragen für Beratungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge steigen würden.

Das Einzugsgebiet von pro familia Kempten erstreckt sich über die Städte Kempten und Kaufbeuren sowie die Landkreise Oberallgäu, Ostallgäu und Lindau. In Lindenberg gibt es einmal wöchentlich eine Außensprechstunde. Finanziert werden die Angebote des Vereins über öffentliche Förderungen (Pflichtanteil), freiwillige Förderungen von Stadt und Landkreis und einem Eigenanteil, den der Verein aufbringen muss. Um den Eigenanteil zu stemmen, setzt der Verein mit seinem ehrenamtlichen Vorstand auf verschiedene Aktionen. Dank Spenden und Präventionsmittel hat die Beratungsstelle einen Verhütungsmittel-Fonds zur Verfügung. Menschen mit geringem Einkommen können so die ärztlich verordneten Verhütungsmittel bezuschusst werden. „So gibt es weniger ungeplante Schwangerschaften.“

„Es ist eine wichtige Arbeit, die Sie für die Gesellschaft leisten“, lobte Kiechle das Engagement und die Angebote des Vereins. „Sie leisten segensreiche Arbeit“, lobte auch Klotz. Zum 25-jährige Jubiläum plant pro familia einen Fachvortrag im Herbst.

Melanie Weidle

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