50 Jahre und kein bisschen alt

Faschingsgesellschaft Dietmannsried feiert Geburtstag

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Ehre wem Ehre gebührt: (v.l.) Eugen Müller (Ehrenpräsident BSF) überreichte Auszeichnungen und Ehrungen im Namen des Regionalverbandes und des Deutschen Karnevalsverbandes an Charly Stiegele, Heinz Vetter, Ignaz Wahl, Remig Rauch, Jakob Dietrich und Hermann Schafroth. FGD-Präsident Jürgen Wahl und Vize Daniel Kiefert (4. und 3. v.l.) erhielten die Symbolfigur „Hanswurst“ vom Bayerisch-Schwäbischen Fastnachtsverband und nahmen Grüße des Präsidenten Christoph Spies entgegen.

Dietmannsried – Im Jahr 1966 organisierten der damalige Hauptlehrer Johann Pfeifer und sein Kollege Karl Stiegele sen. in Dietmannsried einen größeren Faschingsumzug und Kinderfaschingsball. Alles war begeistert und man wünschte sich mehr davon. Alfred Regending, Albert Hiebinger und Anton Homanner – sie gelten als Urväter der Faschingsgesellschaft – wurden beauftragt, ein Gremium zu bilden, um einen Faschingsverein auf die Beine zu stellen. Das gelang und am 22. Januar 1967 war es so weit: in einer konstituierenden Sitzung wurde höchst offiziell die „Faschings-Gesellschaft Dietmannsried“ ins Leben gerufen.

Die Männer der ersten Stunde waren: Albert Hiebinger (Präsident), Alfred Regending, Anton Homanner, Hans Eggensberger, Leonhard Enderle, Burkhardt Groß, Anton Hatzelmann, Hans Köberle, Manfred Müller, Eduard Stiegeler und Alois Wehrmeister. Noch im selben Jahr am 11. November wählte diese Vorstandschaft (Elferrat) Erika und Hermann Schafroth zum ersten Prinzenpaar. Ursprünglich veranstaltete man „bunte Abende“. Sie sind Vorläufer der heutigen Narrensitzungen. Die Mischung aus Tanz, Gesang, Sketchen und Büttenreden, in denen die kleine und große Politik augenzwinkernd aufs Korn genommen wird, begeistert seit vielen Jahren in den regelmäßig ausverkaufen Narrensitzungen das Publikum und machte Dietmannsried zu einer der Faschingshochburgen in der Region. In 285 Sitzungen wurden rund 137.000 Besucher zum Lachen gebracht. Immer wieder werden Aktive der FGD zu Fernsehproduktionen, unter anderem die Prunksitzung „Schwaben weißblau – Hurra und Helau“ oder „Überall ist Karneval“, eingeladen und erreichen ein Millionenpublikum.

Grund genug, diese Erfolgsgeschichte gebührend zu feiern, fanden die Verantwortlichen und luden FGD-Akteure aller Generationen am vergangenen Samstag zu einem Festabend in die örtliche Festhalle ein. Begrüßen konnte Neupräsident Jürgen Wahl unter anderem auch Dietmannsrieds Rathauschef Werner Endres, der später ebenfalls ans Mikrofon trat, und dessen Vorgänger im Amt, Hans-Peter Koch. Ebenfalls unter den Anwesenden waren MdL Thomas Kreuzer, ein alter Bekannter bei den Narrensitzungen, ebenso Kemptens Bürgermeister Josef Mayr und Haldenwangs Gemeindeoberhaupt Josef Wölfle. Aus den Reihen des Bayerisch-Schwäbischen Fastnachtsverbands (BSF) war Ehrenpräsident Eugen Müller anwesend, der im Laufe des Abends viele Orden an FGD-Mitglieder zu übergeben hatte. Jürgen Wahl erinnerte daran, dass die Narrensitzungen zunächst in der alten Turnhalle – heute befindet sich das Feuerwehrhaus dort – stattfanden. 1988 zog man mit den Veranstaltungen in die Festhalle um. Jürgen Wahl, seit seinem 16. Lebensjahr in der FGD aktiv, wusste schon in ganz jungen Jahren über die Gepflogenheit bei Narrensitzungen Bescheid und kannte den Lohn für die Künstler, die „Rakete“. FGD, das ist in Dietmannsried vielfach Familiensache. Wie zum Beispiel im Hause Wahl. Mutter, Vater, Bruder, Schwester, sie alle sind oder waren engagiert.

Prinzenpaar, Präsident, Hofmarschall, Elferräte und die Garden marschierten zu Beginn des unterhaltsamen Abends gemeinsam auf die Bühne und boten ein gigantisches Bild. Hofmarschall Christian Wagner, seit Gründung der FGD der zehnte, stimmte die Gäste auf den Abend ein. Man war gespannt auf die Proklamation des Prinzenpaares Thorsten II. und Rosi I. sowie auf das Geschenk, das sie mitbringen werden. „Ihr alle seid das Geschenk, ohne Euch gäbe es keine FGD, ohne Euch kein buntes Faschingstreiben“, erklärten sie ihre Gabe.

Brillanter Auftritt

Ein Höhepunkt des Galaabends war der Auftritt von Till Eulenspiegel, alias Heinz Vetter, der sein Narrenkostüm eigentlich für immer abgelegt hat. Für diesen Abend jedoch schlüpfte er noch einmal in sein Kostüm, den Spiegel brauchte er nicht. In seiner unnachahmlichen Weise trug er die gesamte Chronik der FGD in Reinform vor, pointiert und geschickt garniert mit Seitenhieben zu aktuellen „Vorkommnissen“. Für seinen brillanten Auftritt spendete das Publikum stehende Ovationen.

Eine weitere prägende Persönlichkeit der FGD wurde mit langanhaltendem Beifall bedacht, Manfred Müller. Er begann seine Laufbahn in der FGD als Hofmarschall und trat voriges Jahr als Präsident nach 32 Jahren ab. Er trägt jetzt den Titel eines Ehrenpräsidenten. 50 Jahre FGD, das heißt auch 50 Prinzenpaare. Dass es ihm während seiner Amtszeit jedes Mal gelungen ist, ein Paar zu finden, darüber freut er sich noch heute. Für seine großen Verdienste erhielt Manfred Müller die Goldene Statue der FGD, „ein Unikat für ein Unikat“, wie es Vorgänger Jürgen Wahl bei der Übergabe ausdrückte.

Aus 130 Stunden Filmmaterial haben Anton und Heinz Vetter einen Trailer mit Sequenzen aus Narrensitzungen zusammengestellt. „Ach‘, schau her, der hat auch mitgemacht“, oder „mein Gott, das ist ja köstlich“, „echt genial“, flüsterte man sich an den Tischen zu. Sogar von Anton Homanner und Hans Köberle gibt es ein Zeitdokument.

Ein wesentlicher Programmpunkt war die Ordensverleihung in verschiedenen Kategorien und Stufen. Nicht nur diejenigen, die auf der Bühne im Rampenlicht stehen, sondern auch die vielen fleißigen Helfer, die im Hintergrund für den reibungslosen Ablauf sorgen, wurden geehrt. Entertainer und Musiker Martin Heer übernahm die musikalische Umrahmung der Gala. Für. Furore sorgte mit ihrem Gastauftritt die Guggamusik Reicholzried, die auf ihren Blasinstrumenten recht schräg spielte und ein Mordsspektakel veranstaltete.

Hildegard Ulsperger

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