65 Jahre zusammen

OB Dr. Ulrich Netzer (links) gratuliert dem Jubelpaar Lieselotte und Alphons Ostheimer. Foto: Kampfrath

Eisen gilt als besonders fest. Das lässt sich auch über die Ehe von Alphons und Lieselotte Ostheimer sagen. Am vergangenen Samstag feierten die beiden eiserne Hochzeit. Der Tag begann mit einer Messe in der Kirche Mariä Himmelfahrt in St.-Mang, die eigens aus diesem Anlass stattfand. In demselben Gotteshaus hatten die beiden am 21. April 1947 geheiratet.

„Das war an einem Montag“, erinnert sich Alphons Ostheimer. „Danach feierten wir in Kottern im ‚Eisernen Kreuz‘, das damals meinem Onkel gehörte“, erzählt seine Frau. Sie und ihr späterer Mann kamen in Kottern zur Welt und kennen sich seit der Schulzeit. Mit 17 Jahren meldete sich Alphons Ostheimer freiwillig bei der Wehrmacht zum Kriegseinsatz. „Ich meinte damals, unbedingt etwas für mein Vaterland tun zu müssen.“ 1943 hatte der Allgäuer dann Fronturlaub, den er daheim verbrachte. Auch Lieselotte, die damals in Dorfen bei Mühldorf zum Reichsarbeitsdienst eingesetzt war, genoss dort ein paar freie Tage. „Ich traf ihre Mutter, die mir erzählte, dass ihre Tochter momentan da sei.“ Dies deutete der junge Mann damals so, dass Lieselotte Interesse an ihm hat. „Ich dachte mir, da musst du dran bleiben.“ Tatsächlich gefiel Alphons der jungen Frau, sodass sich die beiden ineinander verliebten. Noch im selben Jahr verlobten sich die beiden. Nach Kriegsende arbeite der Kotterner als Feinmechaniker bei der Firma Ott. Wenige Jahre nach der Hochzeit orientierte sich Alphons Ostheimer beruflich um. Mit seiner Frau führte er das Jugendheim für die katholische und evangelische Jugend auf der Burghalde. Ostern 1956 begann das Paar mit dem Bau eines Hauses am Augarten, das noch im selben Jahr fertig wurde. Dort wohnen die beiden noch heute. Alphons und Lieselotte lebten nicht nur in dem Gebäude, sondern richteten dort ein Milch- und Lebensmittelgeschäft sowie eine kleine Gastronomie ein. Darüber lacht die 85-Jährige noch heute. „Als Jugendliche musste ich oft bei meinen Eltern, denen das ‚Eiserne Kreuz‘ gehörte, in der Gaststätte aushelfen. Damals sagte ich, wenn ich einmal heirate, will ich keinen Laden und keine Wirtschaft.“ In der Gaststätte, die sie zehn Jahre lang führten, standen sechs Tische. „In der Wirtschaft war immer etwas los. Tag und Nacht haben wir gearbeitet“, schildert Alphons. Heute dient ihnen der Raum der ehemaligen Gastwirtschaft als Wohnzimmer. 24 Jahre lang führten die beiden den Lebensmittelladen. 1980 übernahmen ihn Sohn Arnulf und Schwiegertochter Monika, die im selben Haus wohnen. Am 31. März dieses Jahres schloss das Lebensmittelgeschäft für immer seine Pforten. Das erfüllt Alphons Ostheimer mit Wehmut. Doch die Freude über die eiserne Hochzeit überwiegt. Zwei Töchter, einen Sohn, sieben Enkel und zehn Urenkel haben Alphons und Lieselotte Ostheimer. Sie alle waren bei der Feier am Samstag dabei. „Wir sind eine intakte Familie“, betont die Jubilarin. Nach der Messe in der Kirche Mariä Himmelfahrt ging es in der Gaststätte „Waldhorn“ weiter. Einen Tag vor dem Ehejubiläum besuchte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) das Paar. „Sie hatten ein engagiertes berufliches Leben“, meinte der Rathauschef zu den beiden. Schließlich wollte er von ihnen wissen, wer damals den ersten Schritt gewagt habe. „Im Krieg war die Auswahl an Frauen nicht sehr groß“, antwortete Alphons Ostheimer schelmisch. „Solche Kommentare bin ich gewohnt“, merkte seine Frau an.

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