Leere und Fülle stehen im Mittelpunkt

Jahresausstellung im Kemptener Kunstkabinett startet ab dem 18. Oktober

+
Die Werke zeitgenössischer Künstler aus der Region unter dem Motto „Leere und Fülle“ sind in einem der drei Räume des Kunstkabinetts zu sehen.

Kempten – „Wenn die Leute sagen, sie gehen anders weg, als sie hier reingekommen sind, dann ist das wunderbar”, verrät Maria Farkas mit einem Lächeln im Gesicht.

Auch dieses Jahr hat die gelernte Kunsterzieherin zusammen mit ihrem Mann und der tatkräftigen Unterstützung einiger Künstlerinnen die Jahresausstellung im Kunstkabinett “mit Herzblut” zusammengestellt. “Leere und Fülle – vuoto e abbondanza” – so lautet der Titel in diesem Herbst. Ab dem 18. Oktober sind das Treppenhaus und der erste Stock des Gebäudes in der Salzstraße 12 für Besucher geöffnet. „Das jeweilige Thema wählen wir ja immer ein Jahr zuvor. Als wir uns im vergangenen Jahr nach der letzten Ausstellung für Leere und Fülle entschieden haben, konnte keiner auch nur erahnen, wie aktuell dieser Titel durch die Corona-Pandemie sein würde”, berichtet die lebensfrohe und rüstige Galeristin, die auch mit über 80 Jahren selbst noch künstlerisch aktiv ist. 

Bereits seit dem Jahr 1984 organisiert sie im Kunstkabinett jedes Jahr eine Ausstellung, die sowohl zeitgenössische als auch antike Werke miteinander vereint. Immer mit dabei sind Werke aus der großen Privatsammlung ihres Vaters, Dr. Wilhelm Maul, der bereits im zarten Alter von zwöf Jahren von seinem ersparten Geld die erste Zeichnung gekauft hat. „Mein Vater war nicht nur leidenschaftlicher Arzt, sondern eben auch ein begeisterter Sammler von Kunst. Der Kunst ein Zuhause geben, das war immer sein Antrieb. Er wollte die Schönheit bewahren und an einem Ort zusammenbringen”, sagt Farkas rückblickend. 

Für die diesjährige Ausstellung hat sie wieder 24 Werke aus der Sammlung ihres Vaters mühevoll herausgesucht. Neben etruskischen und altgriechischen Tongefäßen aus dem ersten und zweiten Jahrtausend vor Christus können die Besucher auch eine Original Federzeichnung des französischen Bildhauers und Zeichners Auguste Rodin bewundern. Rodin gilt als der berühmteste Bildhauer der Klassischen Moderne und hat darüber hinaus auch gezeichnet. „Ich finde, man erkennt bei der Federzeichnung den Bildhauer in ihm. Das ist wirklich ein großartiges Werk und mit Sicherheit das Kostbarste, was wir in der Sammlung haben.” Weiteres Highlight sind zwei Werke des französischen Künstle Georges Rouault, der allgemein zu den Künstlern der Ecole de Paris gerechnet wird und als Vertreter moderner religiöser Malerei europaweit geschätzt wird. 

Deutsch-italienische Freundschaft
Neben 22 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern aus der Region sind auch dieses Jahr wieder einige Grafiken der Trientiner Künstlergruppe La Cerchia mit dabei, was Maria Farkas besonders freut. Seit mehr als 20 Jahren besteht der Kontakt nach Italien. Wie kam es eigentlich dazu? „Trient ist ja seit 1987 die Partnerstadt von Kempten. Vor etwa 20 Jahren hat eine Künstlergruppe hier eine Ausstellung gemacht und da bin ich natürlich hin. Die Sachen haben mir gefallen und nach der Vernissage habe ich mit ein wenig mit den Künstlern unterhalten. Die haben mich unter anderem gefragt, was es denn in Kempten so an Kunst gebe. Da habe ich ihnen ein paar Museen genannt und natürlich das Kemptener Kunstkabinett. 

„Ist das weit weg?“ haben sie gefragt. Keine fünf Minuten, habe ich gesagt und prompt sind wir hierher in die Salzstraße marschiert. Als der Chef der Künstlergruppe, der selbst Dozent an der Kunsthochschule war, das Plakat der allerersten Ausstellung 1984 mit einer Grafik von Francisco de Goya gesehen hat, da ist etwas ihn ihm passiert. Zumindest hatte ich den Eindruck. Sie haben daraufhin den Vorschlag gemacht und gefragt, ob wir nicht zusammenarbeiten sollen. Gesagt getan. Seitdem machen wir die jährliche Ausstellung ein Stück weit gemeinsam und über die Jahre ist eine echte Freundschaft entstanden”, freut sich die Galeristin. 13 Bilder sind dieses Jahr wieder in einem großen Postpaket gekommen und während der Ausstellung in einem eigenen Raum zu bestaunen. Malen oder zeichnen Italiener denn anders als wir Deutsche? „Ich finde, es gibt Unterschiede. Es ist sehr schwer zu formulieren, worin die liegen, aber es gibt welche.” 

Beeindruckende Werke
Leere und Fülle, vuoto e abbondanza. Mit diesem Motiv haben sich auch 22 Künstlerinnen und Künstler aus der Region die letzten Monate beschäftigt. Im Eingangsbereich finden die Besucher Zeichnungen des bekannten Karikaturisten Wolfgang Steinmeyer aus Waltenhofen, der sich auf unterhaltsame Art und Weise mit dem Coronavirus und den damit verbundenen Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen auseinandergesetzt hat. “Das Konzept, das wir von Anfang an verfolgen, ist die Kunst der Vergangenheit mit den heutigen Kunstschaffenden zu verbinden. Die Besucher sollen aktuelle Kunst mit historischer in Beziehung setzen können und damit über die zeitlichen Grenzen hinweg Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten feststellen. So entsteht am Ende ein Dialog und eine Einheit”, erklärt Farkas. 

Im Raum der zeitgenössischen Kunst und im Flur der ersten Etage finden sich unter anderem Malereien von Dr. Magdalena Willems-Pisarek, Werke der freischaffenden Bildhauerin Daphne Kerber aus Isny, Bronze-Skulpturen der Kemptener Künstlerin Anette Zappe oder Bilder des Oberallgäuer Malers Christoph Schneider. Jeder hat sich auf sehr persönliche und inspirierende Art und Weise damit auseinandergesetzt, was Leere und Fülle bedeuten, und wie sie sich plastisch oder grafisch ausdrücken können. Mit einem einzigen Mohnsamen, der in der Mitte eines weißen Papiers platziert ist, drückt beispielsweise Künstlerin Daphne Kerber ihr Gefühl von “Leere” aus. „Mir ist einfach wichtig, dass die Ausstellung am Ende stimmig ist. Alle Werke, ob Fotografien, Malereien, Grafiken, Objekte oder Skulpturen müssen gut zueinander passen. Ich habe bereits im Sommer angefangen, entsprechende Werke aus der Sammlung meines Vaters herauszusuchen und Mitte September kamen die aktuellen Arbeiten bei mir an. 

Dann beginnt die konkrete Arbeit vor Ort. Jedes Mal, wenn ich es zusammen mit meinen Helfern wieder geschafft habe, bin ich stolz und dankbar. Und wenn die Besucher am Ende erfüllt und inspiriert nach Hause gehen, ist das ein wunderbares Gefühl“, so beschreibt Maria Farkas die mühsame und teils auch anstrengende Zeit im Vorfeld. Die Ausstellung „Leere und Fülle – vuoto e abbondanza“ ist ab dem 18. Oktober im Kunstkabinett in der Salzstraße immer donnerstags, freitags und samstags von 16 bis 18 Uhr zu sehen. An Sonn- und Feiertagen von 11 bis 16 Uhr. Sie endet am 22. November 2020. Alle zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler werden außerdem während der Ausstellungszeit einmal persönlich vor Ort sein. Mit Ausnahme der Trientiner Künstlergruppe, die aufgrund der Corona-Pandemie nicht nach Kempten kommen wird. 

Kathrin Dorsch

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

AfD erleidet Schiffbruch im Kemptener Stadtrat
AfD erleidet Schiffbruch im Kemptener Stadtrat
Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Corona-Ticker: In Kempten und im Landkreis Oberallgäu ist Warnstufe gelb erreicht.
Corona-Ticker: In Kempten und im Landkreis Oberallgäu ist Warnstufe gelb erreicht.
In Kempten wird eine neue »Fachberatungsstelle für Täter« aufgebaut
In Kempten wird eine neue »Fachberatungsstelle für Täter« aufgebaut

Kommentare