Wie steht es um die Sicherheit zwischen Allgäuer Alpen und Donau?

Polizei zieht Bilanz für 2015

+
Albert Müller (v.li.), Leitender Kriminaldirektor, Polizeipräsident Werner Strößner und Polizeihauptkommissar Christian Eckel bei der Vorstellung des Sicherheitsberichts 2015.

Kempten – Zahlen, Daten und Ereignisse hat Werner Strößner, der Polizeipräsident des Präsidiums Schwaben Süd/West, in der Kriminalstatistik 2015 vorgestellt. Das Präsidium steht in einem Gebiet mit rund 950.000 Personen mit 1800 hochmotivierten und gut ausgebildeten Beamten und Beamtinnen für die öffentliche Sicherheit ein. Es war ein herausforderndes und ereignisreiches Jahr mit unvorhersehbaren Entwicklungen. Dazu gehört auch das bislang größte Flüchtlingsaufkommen in Bayern. Die im umfangreichen und übersichtlichen Sicherheitsbericht enthaltenden Zahlen der Straftaten, Ausklärungsquote und Häufigkeitsziffern sind, um Fehlinterpretationen zu vermeiden „bereinigt“. Das heißt, dass ausländerrechtliche Verstöße, die demnach nur von Asylbegehrenden begangen werden können, separat erfasst wurden.

Die Zahl der Straftaten ist zwar im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 41.463 gestiegen, trotzdem sinkt sie im Zehnjahresvergleich konstant. Dass wir in einer der sichersten Regionen Deutschlands leben lässt sich belegen: Während im Bundesdurchschnitt auf 100.000 Einwohner 7400 Straftaten entfallen, sind es hier 4390 Straftaten. Die Aufklärungsquote betrug im Berichtsjahr 67,6 Prozent.

Bei einem Ausländeranteil von zehn Prozent beträgt die Zahl der tatverdächtigen Ausländer 25 Prozent. Weil dabei auch „Touristen“ einbezogen sind, das heißt, zum Beispiel reisende Diebesbanden, darf jedoch kein falscher Rückschluss auf hier lebenden Ausländer gezogen werden.

Mit einem Bevölkerungsanteil von sieben Prozent sind Jugendliche für 18,8 Prozent der Straftaten verantwortlich.

Der leitende Kriminaldirektort Albert Müller stellte die Zahlen für den Bereich Gewaltkriminalität vor. Auch hier weist der Trend im Zehnjahresvergleich nach unten. Es gab 1325 Taten, bei einer sehr hohen Aufklärungsquote von 88 Prozent. Das bedeutet, dass neun von zehn Delikten aufgeklärt werden, auch dank aufmerksamer Bürgerinnen und Bürger, wie Müller betonte. Das Niveau der Gewaltkriminalität lag im Jahr 2015 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, etwa auf dem Niveau des Jahres 2013.

An Gewaltkriminalität sind Jugendliche mit 26,3 Prozent stark beteiligt. Bei einem Bevölkerungsanteil von 9,3 Prozent sind ausländische Tatverdächtige mit 35,9 Prozent in diesem Deliktbereich überproportional vertreten. Über 33 Prozent der Verdächtigen waren bei der Tat alkoholisiert. Jede dritte Straftat ist ein Diebstahl. Jugendliche sind mit 21 Prozent, Kinder mit 6,9 Prozent daran beteiligt.

Zugenommen haben die Wohnungseinbrüche. Obwohl sie nur ein Prozent aller Straftaten ausmachen, verursachen sie einen Beuteschaden von 1,3 Millionen jährlich und erhebliche psychische Schäden bei den Opfern. Ihr Sicherheitsgefühl ist oft schwer beschädigt. Deshalb investiert die Polizei viel Energie in die Präventionsarbeit. Hauseinbrüche machen 65 Prozent aus, der Rest sind leicht erreichbare Wohnungen. Die Polizei empfiehlt zum Schutz, Türen und Fenster stets abzuschließen und Licht brennen zu lassen. Unzufrieden mit der schlechten Aufklärungsquote von 16 Prozent, wird die „Aktion Abenddämmerung“ durchgeführt, das sind verstärkte überregionale Kontrollen. Die Polizei informiert zudem auf der Allgäuer Festwoche und auf Haus- und Baumessen über technische und verhaltensbezogene Prävention.

Die Zahl der Sexualdelikte ist um 3,8 Prozent gesunken, die Aufklärungsquote beträgt 87 Prozent, wobei ein großes Dunkelfeld anzunehmen ist.

Gleiches gilt für den Bereich Vermögens- und Fälschungsdelikte und Cyberkriminalität. Für diesen Bereich gibt es eine eigene Ermittlungsgruppe mit spezieller Ausbildung.

Bei den Drogendelikten ist ein Anstieg von 13,7 Prozent zu verzeichnen. Durch Drogenkonsum starben 20 Personen.

Aufgrund des großen Zustroms an Asylbewerbern enthält der Sicherheitsbericht 2015 eine Sonderbeilage Asyl. Es gab präsidiumsweit 1991 Polizeieinsätze mit dem Grund „Asyl“, davon 909 Einsätze in einer der 559 Asylunterkünfte. In den meisten Fällen handelte es sich um Streitigkeiten unter den Bewohnern. Neben Alkohol sind auch die beengten Wohnverhältnisse in den Sammelunterkünften sowie „unterschiedliche Ansichten in der Lebensführung und Weltanschauung“ dafür verantwortlich. Von den 458 Straftaten in Asylbewerberunterkünften konnten 412 (90 Prozent) aufgeklärt werden.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West wurden 41.463 Straftaten begangen, davon 3287 durch Zuwanderer. Um ausländerrechtliche Verstöße bereinigt wurden 39.244 Straftaten begangen, davon 1278 von Zuwanderern. Die dabei 999 ermittelten Tatverdächtigen entsprechen fünf Prozent der Gesamtzahl der Tatverdächtigen.

Nahezu 80 Prozent der tatverdächtigen Zuwanderer werden nur einmal straffällig.

Es kam auch zu mehr gegen Asylbewerber gerichtete Straftaten, wobei es sich überwiegend um Drohungen und Schmierereien handelte. Am 29. Dezember 2015 allerdings fand eine versuchte Brandstiftung in einer noch nicht bewohnten Unterkunft in Marktoberdorf statt. Am 7. Februar 2016 ereignete sich eine mutmaßliche Brandstiftung auf eine geplante Asylbewerberunterkunft in Kaufbeuren. Eine Ermittlungsgruppe zur Klärung dieser Tat ist eingerichtet.

Der Sicherheitsbericht 2015 reflektiert mit objektiv erhobenen Daten die tatsächliche Sicherheitslage. Weil bei Teilen der Bevölkerung derzeit das subjektive Sicherheitsgefühl stark beeinträchtigt ist, kommt dem Bericht als zuverlässige Nachrichtenquelle eine hohe Bedeutung zu.

Elisabeth Brock

Auch interessant

Meistgelesen

Funkenwiese: Bebauungsplan liegt erneut aus
Funkenwiese: Bebauungsplan liegt erneut aus
Bei der Isnyer Schlossweihnacht passt auch heuer alles gut zusammen
Bei der Isnyer Schlossweihnacht passt auch heuer alles gut zusammen
Michael Kral ist neuer Leiter des städtischen Betriebshofs
Michael Kral ist neuer Leiter des städtischen Betriebshofs
Zweimal Raub in Kempten 
Zweimal Raub in Kempten 

Kommentare