Rückkehr der Teamspieler

Jahreshauptversammlung: Stadtverband der Sportvereine Kempten blickt nach vorn

Verbandspräsidentin Hilde John freut sich auf eine weitere Amtszeit, der ehemalige Vizepräsident Thomas Landerer (li.) gratulierte seinem frisch gekürten Nachfolger Martin Prestel (re.).
+
Verbandspräsidentin Hilde John freut sich auf eine weitere Amtszeit, der ehemalige Vizepräsident Thomas Landerer (li.) gratulierte seinem frisch gekürten Nachfolger Martin Prestel (re.).
  • VonAntonia Knapp
    schließen

Kempten – Die Jahreshauptversammlung des Stadtverbandes der Sportvereine fand am Freitag an einem ungewöhnlichen Ort statt: auf der Sitztribüne des Illerstadions. Dort, unter dem offenen Dach, hatten die Verbandsfunktionäre und Vereinsvertreter, Leiter und Mitarbeiter des Referats Jugend, Schule und Soziales sowie die Vertreter der Stadtratsfraktionen genug Platz, um Abstand zu halten.

Seit der Sportgala vor gut anderthalb Jahren, im Januar 2020, war es das erste Treffen des Verbandes, und so setzte Präsidentin Hilde John ein Hoffnungszeichen und lud herzlich zur Sportgala am 22. Januar 2022 ein; – ein einprägsames Datum, an dem nicht nur die herausragenden Sportlerinnen und Sportler des Jahres 2021 geehrt werden sollen, sondern auch all jene, die sich bereits 2020 besonders hervorgetan haben und heuer wegen der Pandemie auf eine feierliche Ehrung verzichten mussten.

In ihrem Bericht lobte John das große Engagement der Stadt für den Kemptener Sport, die auch in dieser schwierigen Zeit deutlich gemacht habe, wie wertvoll der Vereinssport für das soziale Miteinander und die persönliche Entwicklung gerade auch der jungen Menschen sei.

Von den derzeit 46 Mitgliedsvereinen des Stadtverbandes erfüllen 35 die Voraussetzungen für die städtische Sportförderung. Der Zuschussbetrag setzt sich aus verschiedenen Kategorien zusammen: Die Grundförderung von vier Euro für jeden Jugendlichen 2019 hat die Stadt 2020 auf sechs Euro aufgestockt. So wurden 2019 18.124 Euro, 2020 24.702 Euro ausbezahlt.

Für die vereinseigenen Sportstätten gewährte die Stadt 2019 einen Zuschuss von 30 Prozent der tatsächlichen Kosten, 2020 erhöhte sie den Betrag auf 39 Prozent. So belief sich diese Fördersumme 2020 auf 60.000 Euro, was der vorgeschriebenen Deckelung entspricht. Für die Wettkampfkosten erhielten die Vereine sowohl 2019 als auch 2020 eine Förderung von 25 Prozent, für Flutlicht jeweils 50 Prozent; Sportstätten wurden 2019 mit 30, 2020 mit 39 Prozent bezuschusst.

Für die letzten beiden Jahre ergibt sich so eine Gesamtsumme von 160.000 Euro. John hob hervor, dass der Übungsleiterzuschuss sowohl vom Freistaat als auch von der Stadt Kempten verdoppelt worden sei.

Vorfreude bei den Jungen Wilden

Anderthalb Jahre lang waren „kein Training, keine Wettkämpfe und keine Treffen möglich“, und dennoch hätten die Vereine und ihre Sportler die lange Durststrecke „gut ausgehalten“, zollte die Präsidentin den Verbandsmitgliedern „allen Respekt“. „Wir wollen jetzt nach vorn schauen“, sagte sie und listete einige Projekte auf, „die die Vorstandschaft in den letzten beiden Jahren beschäftigt haben“: Auf der Langlaufloipe in Eschach konnte dank der finanziellen Unterstützung der Stadt wieder trainiert werden; das Amt für Mobilität und Verkehr plane einen Beachvolleyplatz und einen Pumptrack im Engelhaldepark sowie eine Jumpline nahe des Bachtelweihers. Für die Schnitzelgrube hofft John auf „eine baldige Lösung“.

Oberbürgermeister Thomas Kiechle bekräftigte in seinem Grußwort: „Sie alle haben sich viel einfallen lassen“, um untereinander in Kontakt zu bleiben. Er würdigte das große Engagement der vielen Ehrenamtlichen und betonte, die Stadt habe ihren Beitrag zur Übungsleiterpauschale verdoppelt, um klar zu signalisieren: „Wir brauchen und wertschätzen Euch.“ Er hoffe, dass es in der langen Zwangspause gelungen sei, „die Stange hochzuhalten“ und alle Aktiven, Trainer und Sportler wieder mitmachen und in ihre Vereine zurückkehren.

Beim Amt für Kindertagesstätten, Schulen und Sport ist seit bald einem Jahr Monika Fickert neue Ansprechpartnerin für die Vereine. Sie freute sich, nach vielen Telefongesprächen den Vereinsvertretern endlich auch persönlich zu begegnen, und stellte sich als langjährige Eisläuferin und Freundin des Fieselns, des Streethockey, vor: Beim ESC „hatte ich im Laufe der Jahre so ziemlich jede Position hinter den Kulissen und weiß, was es bedeutet, seine ganze Kraft und Freizeit in den Sport zu investieren“.

Sind die Übungsleiter wieder einsatzbereit?

Die Wahl des Präsidiums sowie des Schriftführers leitete der ehemalige Kemptener Abteilungsleiter Sport Benno Glas, der als Kreisvorsitzender des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV) einige überregionale Eindrücke mitbrachte und vergleichend anmerkte, „eine Sportförderung wie in Kempten gibt es nicht überall“. Auch er sorgt sich, ob die Mitglieder ihren Vereinen treu bleiben und die Übungsleiter ihre Lizenzen verlängern werden. „Vor uns liegt eine spannende Zeit.“ Für viele ehrenamtlichen Helfer stünden nun wieder die regelmäßigen Lehrgänge in Präsenz an, auch um zuschussberechtigt zu bleiben, und nicht wenige unter ihnen gehörten einer Corona-Risikogruppe an. Während der Pandemie sei deutlich zu spüren gewesen, wie wohltuend und bedeutsam soziale Kontakte seien: „Face-to-Face ist besser als Facebook“ und gemeinsame „Erlebnisse sind oft wichtiger als die sportlichen Ergebnisse.

Übungsleiter sind ehrenamtliche Sozialarbeiter.“ Der BLSV pflege „einen engen Draht zum Ministerium“ und werde sich weiterhin für die Interessen der Sportvereine starkmachen, gerade auch im Hinblick auf das aktuelle „Rahmenkonzept Sport“ für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs, dessen „Regelungen völlig unbefriedigend“ seien. Der BLSV bietet auf seiner Homepage „sehr gute“ Informationen, so Glas, und hält die Vereine so auf dem Laufenden.

Neuer Vizepräsident für gutes Miteinander

Hilde John wurde einstimmig als Verbandspräsidentin bestätigt. Der bisherige Vizepräsident, Thomas Landerer, ist, ebenso wie John, seit Frühjahr 2020 Stadtrat und gemeinsam mit ihr dessen Beauftragter für Sport. So hat er sich entschlossen, nach mehr als 20 Jahren im Verband zu einer „Verjüngung“ des Präsidiums beizutragen. Er selbst hat seinen Nachfolger vorgeschlagen: Martin Prestel und Thomas Landerer sind seit vielen Jahren Vereinskameraden beim SV Heiligkreuz, wo der Oberbrandmeister vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz die Leichtathletik-Abteilung leitet. Die Verbandsversammlung kürte den 33-Jährigen einstimmig zum neuen Vizepräsidenten. Einen ersten Dienst hatte Feuerwehrmann Prestel dem Verband schon einige Tage vor der Versammlung erwiesen, indem er mit dem Löschzug vorfuhr und die lange verwaiste Tribüne mit dem Feuerwehrschlauch säuberte. Stefan Sommerfeld, Mobilitätsmanager der Stadt Kempten und als begeisterter Mountainbiker beim DAV aktiv, wurde als Schriftführer bestätigt.

„In Kempten ist die Welt in Ordnung: Gleich zwei Mitglieder der Stadtverwaltung engagieren sich – Respekt“, bilanzierte Glas.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kemptens Kartjugend stark im Slalom
Kempten
Kemptens Kartjugend stark im Slalom
Kemptens Kartjugend stark im Slalom
Unterirdisches Kempten
Kempten
Unterirdisches Kempten
Unterirdisches Kempten
Orchesterverein unterhält mit entzückendem Programm vor leeren Rängen
Kempten
Orchesterverein unterhält mit entzückendem Programm vor leeren Rängen
Orchesterverein unterhält mit entzückendem Programm vor leeren Rängen
Stadt Kempten stellt eine Bestandsaufnahme des Radwegenetzes vor
Kempten
Stadt Kempten stellt eine Bestandsaufnahme des Radwegenetzes vor
Stadt Kempten stellt eine Bestandsaufnahme des Radwegenetzes vor

Kommentare