Jahreshauptversammlung zeigt ein Quartier in Bewegung – Vorstand einstimmig wiedergewählt

Stiftsstadtfreunde in Aktion

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Die Bäume sind im März bereits gewichen. Die Bauarbeiten sollen am Gottesackerweg beginnen in Richtung Hospiz.

Kempten – War es die nach jahrelangem Warten endlich gestartete Sanierung der Lorenzstraße Nord, die aktuell wieder heiß diskutierte Belebung der nördlichen Innenstadt mit dem Hildegardplatz oder die Belegung des „Grünen Kasten“ mit BAF-Klassen. Bei der Jahreshauptversammlung der Stiftsstadtfreunde diese Woche drängten sich jedenfalls rund 60 Mitglieder sowie Gäste im proppenvollen Nebenzimmer des Meckatzer Bräu-Engel.

Immer wieder aufgeflammt war die Idee, den Weihnachtsmarkt vom Rathaus- auf den Hildegardplatz zu verlegen. Der aber bleibt wo er ist, wie Vereinsvorsitzende Ilse Roßmanith-Mitterer verkünden konnte. Ebenso werde die Eislaufbahn nicht vom August-Fischer-Platz auf den Hildegardplatz verlegt, wobei sie bedauerte, dass es „kein gemeinsames Gespräch gegeben hat“, mit Betreibern, City Management, Kirche, Altstadt-, Stiftsstadtfreunden und Stadt. „Sehr positiv“ sei der im März durchgeführte Töpfer- und Handwerkermarkt von seinen Organisatoren beurteilt worden, weshalb es eine Wiederholung geben soll und auch weitere ähnliche Aktionen geplant seien. Unter anderem soll der Faschingsumzug künftig über den Hildegardplatz führen oder ein Osterbrunnen geschmückt werden. Denkbar ist für die Vorsitzende auch ein kleiner Weihnachts- oder Handwerkermarkt an einem der Vorweihnachtswochenenden. Da die Langen Stände für Roßmanith-Mitterer „ein Teil der guten Stube“ der Stiftsstadt sei, stelle sie sich natürlich die Frage, was sich außer dem jüngst eröffneten Burger-Laden dort wie auch im ehemaligen Modegeschäft Abele wohl sonst noch ansiedeln werde – eine Frage, die unbeantwortet blieb. Einen herben Verlust für das Viertel sah sie in der Schließung der Traditionsgaststätte „Zum Löwen“, nun endgültig zum Ende dieses Monats. Der kleine Blumenladen beim Kneippbrunnen sei bereits zugunsten von Wohnungen gewichen.

„Das Flüchtlingsthema ist wichtig, aber genauso wichtig ist die Sanierung der Lorenzstraße Nord“, wie eben alle Dinge, die uns im Alltag beträfen, betonte OB Thomas Kiechle. So werde voraussichtlich 2019 das Zumsteinhaus fertig gestellt, das „ein richtiger Kraftakt für uns ist, den wir gerne schultern“, weil er notwendig sei und zusammen mit dem Sparkassen-Neubau werde der neu gestaltete Stadtpark – eine erste Umsetzung mit Vorschlägen aus dem Markt der Meinungen soll 2017 erfolgen – ebenfalls „neue Impulse“ setzen. Bezüglich des gut gelungenen und „belebten“ Hildegardplatzes bekannte er „froh“ zu sein, dass weder der Weihnachtsmarkt dorthin verlegt wird – das würde nur andere Probleme aufwerfen – noch die Eislaufbahn, da sie doppelt so groß würde, mit mehr Ständen darum herum und „nicht mehr wäre wie jetzt“. Erstaunt zeigte er sich über die zum Teil „heftigen Reaktionen“ zur lediglich „laut gedachten“ Ansiedlung des Wochenmarktes auf dem Hildegardplatz auch während der Wintermonate. Niklas Ringeisen, beim CityManagement unter anderem zuständig für das Quartiersmangement nördliche Innenstadt, nannte als aktuelle „Diskussionsgrundlage“ den Wochenmarkt im Herbst vier Wochen länger und im Frühjahr vier Wochen vor dem jetzigen Termin draußen abzuhalten.

Seit drei Wochen ist die Sozialbau auf dem ehemaligen Klinikgelände an der Memminger Straße aktiv, wie Sozialbau-Chef Herbert Singer angab, derzeit noch mit lediglich dem „Bauaushub“. Die dort unter anderem entstehenden ursprünglich 20 angedachten Mietwohnungen der Sozialbau seien auf 45 und damit auf rund ein Drittel der insgesamt 120 Wohnungen aufgestockt worden, so dass sich auch junge Familien – geplant seien vor allem familiengerechte Maisonettwohnungen – bei einer Miete von unter neun Euro pro Quadratmeter noch eine Wohnung in der Stadt leisten könnten. Vorbehaltlich der aktuellen Schwierigkeit Handwerker zu bekommen, soll die Bebauung bei „normalem Ablauf“ in drei Jahren fertig sein.

Sommerfest geplant 

Auf großes Interesse stieß Johann Früh, Stellvertretender Leiter der Berufsschule III, mit seinem Bericht zum Einzug von den ersten 15- bis 23-jährigen Schülerinnen und Schülern, die dort seit Beginn dieser Woche mit zunächst sieben BAF-Klassen zwei Jahre lang Deutsch lernen und eine Berufsorientierung erhalten. Fröhlich meinte er, dass dem Verein die Belebung des Viertels ein Anliegen sei und es „seit letzter Woche deutlich bunter geworden“ sei. Die Schülerzahl ist laut Früh seit Mitte dieser Woche auf derzeit 190 gestiegen, insgesamt sollen es rund 260 werden. „Wir wollen das Gebäude öffnen für die Nachbarschaft“, voraussichtlich auch mit einem Sommerfest, bei dem sich die Jugendlichen den Nachbarn vorstellen könnten. „Die Schüler sind sehr offen und froh, wenn sie mit Leuten reden können“, ermunterte er die Anwesenden das Gespräch mit ihnen zu suchen. Beeindruckt zeigte er sich von den bislang im „Grünen Kasten“ beheimateten Schülern der Freien Schule Albris. Sie seien mit Alphörnern, Brezen und Saft zu Fuß von Albris in die Stiftsstadt marschiert, um die jugendlichen Flüchtlinge in deren neuen Schulräumen willkommen zu heißen. Kiechle räumte Bedenken einer Anwohnerin aus: selbstredend seien alle Schüler der BAF-Klassen haftpflicht- und unfallversichert.

Eine lebhafte Diskussion entbrannte wegen des Parkplatzchaos bei der Norma und dem Getränkemarkt am Adenauer-Ring. Baureferent Tim Oliver Koemstedt stellte klar, dass „rein rechtlich deutlich mehr Parkplätze“ vorhanden seien, als gefordert, was nicht zwingend auch dem tatsächlichen Bedarf entspreche.

Das Gästehaus Stiftsstadt in der Herbststraße sucht übrigens alte Bilder des Gebäudes für eine kleine Ausstellung im Haus.

Christine Tröger

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