"TAO" – Einnehmendes Trommelfeuer für Ohren und "Bauch"

Japanischer Bühnenzauber

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Lieferten eine fesselnde Performance in der bigBOX Kempten: die Musiker der japanischen Trommel-Kompanie „TAO“.

Kempten – Das am Sonntagabend in der bigBOX stattgefundene Konzert der japanischen Trommel-Kompanie TAO, die bereits in mehreren weltweiten Tourneen ihr Publikum gefunden hat, hatte zunächst so gar nichts Militärisches an sich, sondern bewegte sich jung, elegant und unmilitärisch-völkerverbindend durch den Abend.

Das, obwohl die zu Grunde liegende japanische Wadaiko-Tradition des Trommelns neben dem Zwiegespräch mit den Göttern die Funktion hatte, die Feinde auf dem Schlachtfeld durch die weithin hörbaren Trommelstöße einzuschüchtern. Vierzehn Akteure auf der Bühne, allesamt junge und athletische Japanerinnen und Japaner, wollten an diesem Abend nicht einschüchtern sondern einnehmen, was ihnen durch eine geschickte Dramaturgie und ein dankbares Publikum, das zu zwei Dritteln die bigBOX füllte, auch gelang.

Die erste Hälfte vor der Pause musste noch den roten Faden finden, der dann zum großen Finale in der zweiten Hälfte leitete. Dies geschah durch eine vielleicht etwas beliebige Aufeinanderfolge kleiner aber durchaus pointierter Szenen, die vermutlich an jedem Flecken und in jedem Kulturkreis dieser Erde ihre Wirkung nicht verfehlen würden. Es reihten sich die Prinzessin mit dem Schleier an den Pierrot, der immer neben dem Licht steht; einer Jimi-Hendrix-Parodie, gespielt auf der Shamisen, einer japanischen Langhalslaute, folgte die auf gestimmten Rahmenfellen dargebotene Freude am schönen Götterfunken. Überhaupt standen zumindest in der ersten Hälfte des Konzerts im Gegensatz zu früheren Tourneen nicht nur die Taikos, japanische Trommeln von beachtlicher Größe, im Vordergrund sondern eine ganze Palette traditioneller japanischer Musikinstrumente.

Neben der Koto, einer japanischen Zither, war es besonders die Ryuteki, eine Bambusquerflöte, die durch den Abend leitete, indem sie zum Teil auch mehrstimmig von immer wieder anderen Musikern gespielt den lyrischen Kontrapunkt zu den Trommeln setzte. Nach der kurzen Pause ging es dann endlich wie von vielen Zuschauern erwartet richtig zur Sache. Nun wurde doch eine Schlacht geschlagen, allerdings eine bis ins kleinste Detail einstudierte Schlacht, die das rhythmische und tänzerische Können der Darsteller voll zur Geltung brachte. Die drei Grazien steigerten sich auf ihren Flöten zu Fanfarenbläsern und die ganze Palette an diversen Trommeln und Stöcken kam in einer perfekten Choreografie des gleichzeitigen und gegenläufigen Schlagens und unter vollem Körpereinsatz der elf männlichen Darsteller zum Einsatz.

Die größten Trommeln waren knapp zwei Meter im Durchmesser und erzeugten im Zusammenklang mit den anderen Trommeln einen Wumms, der gar nicht mehr den Umweg über die Ohren der Zuhörer nahm, sondern direkt vom Bauch ins Gefühl übersprang und am Ende der Vorführung mit einem wohlwollenden Fußgestampfe beantwortet wurde. Eine Zugabe, bei der die gutgelaunten Akteure alle Elemente des Abends noch einmal in komprimierter Form zusammenbrachten, beendete das zweistündige Konzert, in dem besonders diejenigen im Publikum ihre Freude gehabt haben dürften, die sich von den herkömmlichen Konzertsparten von Klassik bis Pop und Theater bis Comedy nicht ausreichend bedient fühlen.

Jürgen Kus

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