Auf jede Sekunde kommt es an

Dr. Thorsten Nusser, Herzspezialist am Kemptener Klinikum. Foto: Bitsch

Jährlich sterben in Deutschland rund 120 000 Menschen am plötzlichen Herztod, weit mehr als bei Verkehrsunfällen. Grund genug, sich über das Thema „Herzinfarkt“ zu informieren. Dr. Thorsten Nusser, Oberarzt der Klinik für Kardiologie, Herz- und Gefäßzentrum Kempten-Oberallgäu, sprach in seinem Vortrag „Herzinfarkt bestens behandeln“ nicht nur über Therapien und das Infarktnetzwerk des Klinikums, sondern auch über Risikofaktoren und Symptome.

Bei einem akuten Herzinfarkt verstopft ein Blutgerinnsel eine Herzkranzarterie. Ursache dafür sind Fettablagerungen in der Arterie, die durch Stress, Aufregung und andere Einflüsse aufbrechen können. Wie bei einer Verletzung oder dem Verschluss einer Wunde bildet sich ein Blutgerinnsel, das sich lösen und ein Herzkranzgefäß verschließen kann. Bei einem Herzinfarkt stirbt in der Regel Muskelgewebe ab, das hinter dem undurchlässigen Blutgefäß liegt und lange nicht mit Sauerstoff versorgt worden ist. Eine schnelle medizinische Versorgung ist also lebensnotwendig, um Muskelgewebe des Herzens zu erhalten, die Folgen eines Infarktes einzudämmen und dem Patienten nach der Therapie ein möglichst normales Leben zu gewährleisten. Viele Auslöser Auslöser für einen akuten Herzinfarkt können schwere, körperliche Anstrengungen, starke psychische Belastungen, Bluthochdruck, Kreislaufzusammenbruch oder Lungenembolien sein. Häufig sind Menschen betroffen, die bereits an einer Angina pectoris oder diversen anderen, kardialen Durchblutungsstörungen leiden. In den meisten Fällen gibt es im Vorfeld Anzeichen für einen Infarkt, die es zu beachten gilt. In aller Regel sind Druckgefühl auf dem und starke Schmerzen im Brustraum Vorboten eines Infarktes. Die Schmerzen dehnen sich in Arme, Schultern, Hals, Kiefer und den Oberbauch aus. Dazu kommen Atemnot, Schweißausbrüche und Angstzustände, ja Todesangst. Weitere Symptome können Herzstolpern, Übelkeit, Erbrechen, unklare Rückenschmerzen, bläuliche Verfärbung der Lippen oder starke Blutdruckschwankungen sein. Viele Patienten sind von einer auffallenden Unruhe begleitet. Da ein Herzinfarkt jedoch manchmal auch ohne vorherige Anzeichen eintreten kann, zum Beispiel bei Diabetikern oder älteren Menschen, empfiehlt sich eine regelmäßige, ärztliche Untersuchung. Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt, muss augenblicklich ein Notarzt gerufen werden. Ist der Rettungsdienst eingetroffen, kann der Notarzt durch direkte EKG-Übermittlung mittels PC die Daten des Patienten an die Klinik übertragen. Dies erspart Zeit, denn die Ärzte in der Klinik können bereits alles vorbereiten, der Patient wird direkt ins Herzkatheterlabor gebracht, ohne Umweg über die Notaufnahme. Dadurch rettet das Infarktnetzwerk Leben. Auf dem Kathetertisch wird eine Ballondilatation und Stentimplantation vorgenommen. Das heißt, nach Aufdehnung der Herzkranzgefäße wird eine Gefäßstütze aus Edelstahl an der Engstelle platziert, um einen erneuten Verschluss zu verhindern. Die Zeit vom Eintreffen in der Klinik bis zum Öffnen des Ballons ist entscheidend und wird durch das Infarktnetzwerk verkürzt. Denn es gilt: Zeit ist gleich Muskel. Verstreicht viel Zeit für den Patienten, bis der Herzkatheter gesetzt werden kann, geht auch viel an Herzmuskeln verloren. Vergeht nur wenig Zeit, kann auch viel Herzmuskelmasse gerettet werden.

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