Jeder hat hier seinen Platz, so wie er ist

Die Integrative Kita Schwalbennest feiert 25-jähriges Bestehen

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(v.l.) Kita-Leiterin Claudia Dorn-Weiss, Cornelia Rödder, Marion Haugg, Leiterin des Amts für Kindertagesstätten, Schulen und Sport, sowie Bürgermeister Josef Mayr freuen sich über das Jubiläum de Kita „Schwalbennest“.

Kempten – In der Kita Schwalbennest im Astrid-Lindgren-Haus herrschte am vergangenen Freitag ganz besonders buntes, fröhliches Treiben. Kinder, Eltern, Großeltern, das gesamte Team sowie Bürgermeister Josef Mayr waren gekommen, um das 25-jährige Bestehen der Integrativen Kindertagesstätte in der Schwalbenstraße im Thingers zu feiern. In dem freundlichen, hellen Haus mit dem großen Garten spielen, toben, essen, streiten und lernen behinderte Kinder ganz selbstverständlich zusammen mit nichtbehinderten Kindern. Das Besondere am Schwalbennest: Das interdisziplinäre Therapeutenteam ist im Haus festangestellt und arbeitet im Alltag der Gruppen mit.

„Im Jahr 1993 schuf der Verein für Körperbehinderte Allgäu e.V. mit dem Kindergarten Schwalbennest ein Betreuungsangebot für Kinder aus der nächsten Umgebung, bei dem zugleich der Inklusionsgedanke eine tragende Rolle spielte“, erinnert sich Reinhold Scharpf, der ehemalige Geschäftsführer des Vereins, der Ende Januar nach 20 Jahren großen Engagements in Ruhestand ging. „In unserer Kita erhalten Kinder mit Förderbedarf ihre Fördermaßnahmen während der Betreuungszeit. Das ist eine große Entlastung für die Familien“, weiß er. „Durch den intensiven Austausch unter den Kollegen unterschiedlicher beruflicher Disziplinen können Fördermaßnahmen sehr individuell ausgerichtet und zeitnah angepasst werden.“

2007 erfolgte der Anbau und die Eröffnung der Kinderkrippe. Heute gibt es im Haus zwei Kindergartengruppen für jeweils 15 Kinder und eine Krippengruppe für zwölf Kinder. In den Kindergartengruppen stehen jeweils fünf heilpädagogische Plätze für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf zur Verfügung. In der Krippe sind es vier. „Dadurch erleben schon die ganz Kleinen einen ganz normalen Alltag mit Menschen mit Behinderung“, erläutert die Leiterin der Kindertagesstätte, Claudia Dorn-Weis. „Wer das erlebt, wird auch später leichter ohne Vorbehalte auf `andere´ Menschen zugehen und nicht in Begriffen wie ‚normal‘ und ‚unnormal‘ verhaftet bleiben.“ 

Das Team besteht aus 16 Mitarbeiterinnen, darunter sind Kinderpflegerinnen, Heilerziehungspflegerinnen, Erzieherinnen und Heilpädagoginnen sowie medizinisch-therapeutisches Personal aus den Bereichen Logopädie, Physio- und Ergotherapie. „Dadurch, dass wir direkt im Astrid-Lindgren-Haus mit seiner Schule ansässig sind, können wir die Infrastruktur mitnutzen, wie etwa die Küche, in der täglich vom Küchenpersonal frisch gekocht wird, das Schwimmbad, Therapieräume oder den Raum für sensorische Integration.“ Einer von vielen Aspekten in der therapeutischen Arbeit ist die unterstützte Kommunikation.

„Durch Gebärden, Mimik, Kärtchen oder Geräte wie den elektronischen Talker erleben Kinder, die nicht durch Sprache kommunizieren können, dass sie selbstwirksam an der Gruppe teilnehmen können, dass sie gesehen und verstanden werden. Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung“, so Claudia Dorn-Weis. Die Nachfrage nach den integrativen Plätzen sei groß, sagt sie. Grundvoraussetzungen, um einen Integrationsplatz in einer Kita zu bekommen, sind ein ärztliches Attest sowie ein Antrag auf Eingliederungshilfe, der beim Bezirk Schwaben gestellt werden muss. „Denn die Kosten für den erhöhten Förderbedarf trägt der Bezirk Schwaben. Die Eltern bezahlen nur den regulären Kita-Satz“.

Bürgermeister Josef Mayr überreichte im Rahmen des Festes einen Scheck der Stadt Kempten in Höhe von 150 Euro. Das Geld wird zur Anschaffung eines Rollstuhltrampolins verwendet.

Sabine Stodal

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