"Jeder kann mitmachen"

Der Vereinsvorsitzende Sebastian Kern (links) und seine beiden Stellvertreter Stephan A. Schmidt (Mitte) und Norman B. Graue informieren am Donnerstag über den neu gegründeten Künstlerhaus-Verein. Foto: Kampfrath

Im Sommer entscheidet die Stadt Kempten über das Schicksal des Künstlerhauses. Ein neu gegründete gleichnamiger Verein will das sanierungsbedürftige Gebäude in der Beethovenstraße 2 unbedingt erhalten. Doch das ist nicht das einzige Ziel der insgesamt 17 Gründungsmitglieder. Am Donnerstagabend stellte sich der Künstlerhaus-Verein in dem betreffenden Gebäude der Öffentlichkeit vor.

„Jeder ist ein Künstler“. Mit diesem Zitat von Joseph Beuys hieß der stellvertretende Vorsitzende Norman B. Graue die zahlreichen Gäste willkommen. Solch soziale Kunst wie im Künstlerhaus gehöre nicht in ein Museum. Graue verwies darauf, dass der 1873 errichtete Gründerzeitbau ursprünglich eine Hypotheken- und Wechselbank war. Tommy Leibfried, Pächter des Künstlercafés, befürwortete ebenfalls den Erhalt des Hauses. „Der Stand ist momentan sehr positiv. Durch den Verein wird es weitergehen“, sagte Leibfried. Es lägen bereits rund 200 Mitgliedsanträge vor, berichtete der Vereinsvorsitzende Sebastian Kern stolz. „Der Verein hat sich die Förderung von Kunst, Sozio- und Unternehmenskultur auf die Fahnen geschrieben“, meinte Kern. Man wolle das Haus erweitern und erhalten. „Wir möchten die Verantwortung für Aktionen im Haus übernehmen“, verdeutlichte Graue. „Wir wollen hier ein soziokulturelles Zentrum haben. Das ist nichts anderes als das, was hier seit 2004 wächst und gedeiht“, forderte Stephan A. Schmidt, stellvertretender Vorsitzender des Künstlerhaus-Vereins. Schmidt ging näher auf den Begriff Soziokultur ein. Dies sei die kulturelle Beteiligung möglichst aller Menschen, die bürgerschaftliches Engagement und kreative Kompetenzen Einzelner unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft fördere. Mit Letzterem sei nicht nur die Nationalität, sondern auch die soziale Schicht gemeint. „Zur Soziokultur gehört Vielfalt aus Prinzip, das heißt, jeder kann mitmachen“, so Schmidt. Das Ganze sei keine Theorie, sondern tägliche Praxis. „Soziokultur bedeutet nicht Sozialkultur, da es keine Konzentration auf die Behebung sozialer Defizite gibt.“ Ein soziokulturelles Zentrum müsse eine Plattform und ein Knotenpunkt für Kreativität und sinnvolle Freizeitgestaltung sein. Dabei sei die Eigenorganisation von Bildungs- und Kulturangeboten wichtig. "Etwas Geiles machen" „Hier ist ein toller Platz für Jung und Alt, den wir erhalten wollen“, erklärte Graue. Sebastian Kern erläuterte die Ziele des Vereins: „Hier soll ein Gründer-, Kultur- und Bürgerhaus entstehen. Geplant ist eine gemischte synergienreiche Nutzung durch Gastronomie, junge Unternehmen sowie für Kunst und soziokulturelle Angebote.“ Das Gebäude befinde sich in einer 1A-Lage, betonte Schmidt. „Es sollte nach der Sanierung moderate Mieten geben, damit weiterhin Gäste mit kleinem Geldbeutel kommen können.“ Durch die Gastronomie und Vermietung der oberen Stockwerke an Unternehmen sei eine langfristige Amortisierung der Sanierungskosten möglich. Vorgesehen sei eine moderate Sanierung, für die der Verein Gelder beisteuern will. Ein Teil der Sanierungsarbeiten könne der Verein durch Eigenleistung erbringen. „Der Austausch mit örtlichen Künstlern ist wichtig für die Soziokultur“, so Schmidt. Es seien Ausstellungen, Theater, Konzerte, Lesungen und Filmvorführungen im Künstlerhaus möglich, berichtete Graue. „Wir wollen hier auch eine Unternehmenskultur“, merkte Kern an. „Das ist nicht auf irgendeinem Mist gewachsen, dass hier Unternehmer gewollt sind. Wir sehen einfach, dass hier viele Selbstständige unterwegs sind“, sagte Stephan A. Schmidt. „Dieser Ort ist ein richtig schöner Platz, um seine Ideen zu verwirklichen“, bekannte ein junger Mann aus dem Publikum. „Ich hoffe, dass es ein Miteinander gibt mit Verbänden, die sich auch für Gesamtkultur einsetzen“, wünschte sich die SPD-Stadträtin Regina Liebhaber. „Es ist einzigartig, dass im Künstlerhaus schon Aktionen mit mehreren Generationen stattfinden. Dieses Haus muss in diesem Rahmen erhalten bleiben“, sagte ein Jungunternehmer. „Der Verein ist dafür da, um zusammen etwas Geiles zu machen“, so Marc Först, Pächter des Künstlercafés. Schmidt warnte die Stadt Kempten, der das Gebäude gehört, vor Mieterhöhungen: „Wenn die Mieten zu hoch werden, dann gibt es im Haus keine Kultur mehr.“ Für ihr Konzept zur Zukunft des Künstlerhauses erhielten die Veranstalter mehrfach den Applaus der zahlreich erschienenen Gäste.

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