Die perfekte Symbiose

Josef Lang und Harry Meyer stellen in den Kunstarkaden aus

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Ausstellungs-Initiator Guido Weggenmann (M.) war begeistert von der Arbeit mit Josef Lang (l.) und Harry Meyer (r.).

Kempten – Ein nackter Mann begrüßt die Besucher in der aktuellen Ausstellung in den Kunstarkaden. Aufrecht steht er da, die hellen Augen in die Ferne gerichtet.

Fein zwirbeln sich die Schneckerllocken auf seinem Kopf. Ein Riss zieht sich vom Haaransatz hinunter zu seinem Bart. Fasziniert umrundeten am Freitagabend viele Vernissage-Gäste die lebensgroße Figur aus Lindenholz. Sie gehört zu den frühen – und mittlerweile untypischen – Werken von Josef Lang, der noch bis 19. Oktober 15 seiner Skulpturen in den Kunstarkaden zeigt. 

Umgeben sind Langs menschliche Figuren von der expressiven „Natur“ eines nicht weniger berühmten Künstlers. Harry Meyer hat „Sterne“, „Berge“, „Bäume“, „Sonne“, „Wind“ und „Lux“ – wie bei Lang ein kleiner Ausschnitt seines vielfältigen Schaffens – zur Ausstellung beigesteuert. Da ist zum Beispiel „Sonne“, dessen Gelb- und Rottöne in angedeuteter Kreisform den Betrachter geradezu beleben. Schwungvoll ist der Duktus, unzählige kleine „Gipfel“, Grate, Wellen und Spitzen ragen aus dem Bild hervor, so dick ist der Farbauftrag, mal krumm, mal gerade. Von Nahem betrachtet, changieren die Schattierungen der Farbtäler. 

Meyers Bilder kann man fast schon als „Reliefs“ bezeichnen, wie Dr. Mechtild Müller-Henning vom Museum Oberschönefeld bei ihrer Eröffnungsrede bemerkte. 60 bis 80 Kilogramm können großformatige Bilder daher schon einmal wiegen. Von den ausgestellten ist noch keines durchgetrocknet, „bis auf eines“, sagt der Künstler, „das ist schon acht Jahre alt“. Für die Lagerung und den Transport nutzt Mayer daher Abstandhalter, eingewickelt dürfen die Bilder nicht werden. Aber nicht nur durch Farbauftrag und Bewegung scheinen Meyers Bilder organisch und lebendig. Auch die bunte Farbgebung mit starken Kontrasten trägt dazu bei. So leuchtet in „Nacht“ (2017) auch ein helles Grün, in „Berge“ ein intensives Rot. Auch wenn die Wirkung auf den Betrachter eine sehr emotionale und kraftvolle ist, sind seine Bilder „ziemlich geplant, ziemlich rationell“, wie der Maler erklärt. Er kontrolliere seine Spontaneität, sei hochkonzentriert bei der Arbeit, denn innerhalb einer Stunde könne ein Bild ruiniert sein und damit auch bis zu 1800 Euro Farbe. 

Denn nur die teuerste Farbe bekommt keine Risse bei diesem pastosen Farbauftrag. Auch Josef Lang muss sich bei der Arbeit stark konzentrieren, nicht zuletzt, weil er mit gefährlichem Gerät hantiert. Mit der Kettensäge arbeitet er die Formen seiner Skulpturen aus Holz heraus, oft Linde oder Eiche. Seine oft überlebensgroßen Skulpturen kennt man aus dem öffentlichen Raum, aus Städten wie Berlin, Landsberg, Bad Wörishofen oder auch aus dem Allgäu-Museum im Kornhaus, wo die „Blaue Sockelfigur“ von ihm stand. Überproportional groß sind die Füße der Exponate von Lang aus der zweiten und dritten gezeigten Schaffensperiode, kantig ihre Formen. Ganz besonders grob sind sie bei „Weibliche Figur“ und „Krieger“, beide aus dem Jahr 2015. Sie sind aus Holzstücken zusammengesetzt, die von anderen Skulpturen übriggeblieben sind. 

Steif wie ein Roboter steht der Krieger da, genauso sein Penis. Das öffnet einen weiten Deutungshorizont. Im Gegensatz dazu wirkt beispielsweise „Die kleine Rote“ schutzbedürftig, weich und zerbrechlich. „Josef lang zeigt die menschliche Figur als Ausdrucksträger von Menschlichkeit“, zitierte Müller-Henning den Künstler bei der Vernissage und setzte seine Arbeitsweise „von der Außenwelt zur Innenwelt“, von der Beobachtung über die Reflektion zur Übersetzung in die Bildsprache in die Nähe von Meyer. Und es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit: Auch das Organisch-Lebendige findet sich bei Lang in ähnlicher Weise wie bei Meyer: Die monochrom lasierten Figuren zeigen ihre Maserung, haben Risse und Struktur. Initiator Guido Weggenmann war völlig aus dem Häuschen, die beiden Künstler in einer Ausstellung zusammengebracht zu haben. „Es ist immer wichtig, dass sich die Werke bei so einer Doppelausstellung gegenseitig befruchten – in welcher Weise auch immer“, sagte er. 

Für die kommenden Ausstellungen – aktuell heisst es, die Kunstarkaden können noch bis kommenden Juni weitergehen, ehe das Haus eine Veränderung erfährt – hat er bereits weitere spannende Duos im Blick. Wer die Ausstellung von Meyer und Lang besuchen möchte, hat von Donnerstag bis Samstag immer von 16 bis 20 Uhr in der Kö- nigstrasse 18-20 dazu Gelegenheit und am Sonntag von 11 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei. Ein Künstlergespräch ist für Sonntag, 13. Oktober, 11.30 Uhr angesetzt. Ins Atelier neben den Ausstellungsräumen ist bis 30. September Marco Schuler eingezogen. Er hat bereits vor einem Jahr in den Kunstarkaden zusammen mit Georg Thumbach ausgestellt und lässt sich jetzt beim Arbeiten über die Schulter schauen.

Susanne Lüderitz

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