Neuer Chef im "Handwerker-Rathaus"

Josef Sigel löst Hans-Peter Hartmann als Kreishandwerksmeister ab

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Die neue Vorstandschaft der Kreishandwerkerschaft Kempten präsentierte sich bei der Wahlversammlung (ab 2. v.l.): Karl Schuster, Johann Baldauf, der neue Kreishandwerksmeister Josef Sigel, sein zweiter Stellvertreter Marcel Doriat, erster Stellvertreter Klaus Dieter Scholl, Christopher Probst und Theo Sutter. Geschäftsführer Gottfried Voigt (ganz links) freute sich mit den Gewählten. Auf dem Foto fehlt: Johann Marton.

Kempten/Landkreis – „Ich glaube, die Kreishandwerkerschaft Kempten hat wieder ein gutes Team beieinander“, sagte Schwabens Handwerkskammer-Präsident Hans-Peter Rauch.

Glaser, Frisöre, Bäcker, Maler und Lackierer, Maßschneider, Fleischer, Elektro- und Informationstechniker, Spengler, Sanitär und Heizung, der Bau – jede Innung der Kreishandwerkerschaft Kempten hatte am Dienstag ihren Obermeister oder einen Stellvertreter nach Kempten geschickt, um einen neuen Kreishandwerksmeister aus ihren Reihen zu wählen. Nachfolger von Hans-Peter Hartmann ist der stellvertretende Obermeister der Elektro- und Informationstechnik-Innung Josef Sigel aus Buchenberg.

Hans-Peter Hartmann, der das Ehrenamt des Kreishandwerksmeisters zehn Jahre lang ausgeübt hatte, legte es bei der Sitzung nieder. Er hat seinen Malerbetrieb verkauft und bringt sich nun als hauptamtlicher Vorstand bei der Baugenossenschaft Kempten stärker ein. Seit 2014 war er dort nebenamtlicher Vorstand. Für ihn hatte Schwabens Handwerkskammer-Präsident Hans-Peter Rauch eine Überraschung parat. Er überreichte ihm die Silberne Ehrennadel des schwäbischen Handwerks. Diese können nur Handwerker bekommen, die sich während einer mindestens 15-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit besondere Verdienste um den Berufsstand erworben haben. 

„Und da ist die Kammer besonders streng“, sagte Rauch, der sich wunderte, wie der 50-jährige Hartmann auf so eine Zahl komme. Weil es ihn immer aufgeregt habe, „wenn die Vorderen so alt waren“, habe er sich früh eingebracht und sich als Höchstgrenze für sein Amt die zehn Jahre gesetzt, erklärte der schmunzelnd. In seiner Amtszeit habe er zusammen mit Geschäftsführer Gottfried Voigt, der ihm in all der Zeit zum Freund geworden ist, viele – und auch viele gute – Gespräche mit der Stadt Kempten geführt. Das Ziel: mehr städtische Aufträge für die heimischen Handwerker. Nur wenn man die Netzwerke „hegt und pflegt“ und nah an der Politik dran sei, könne man weiterkommen, blickte Hartmann zurück. Eine besondere Ehre waren für Hartmann die zwei Besuche bei Angela Merkel, der er direkt von den Sorgen des Handwerks berichtete. Auch an das Treffen mit dem damaligen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erinnerte sich der scheidende Kreishandwerksmeister. 

Damals hatte der Malerverband die Sorge gehegt, dass alle Ausbauberufe zu einem einzigen Berufszweig zusammengelegt würden. „Als zu Guttenberg Abstand davon genommen hat, war das schon ein tolles Gefühl“, sagte Hartmann. Nachdem die Kreishandwerkerschaft nach dem Vorbild von Osnabrück einige Jahre mit Partnern eine Zeitarbeitsfirma für Handwerker betrieben hatte, sei in den letzten Jahren das Thema Lehrlingsakquise in den Mittelpunkt gerückt. Den Erfolg der Initiative „Wanted Handwerk“, bei der Schüler an einem Aktionstag in einem Handwerksbetrieb in Berufe hineinschnuppern, könnten sich alle Innungen auf die Fahnen schreiben. „Wir sind eine Solidargemeinschaft!“, dankte Hartmann allen Wegbegleitern der letzten zehn Jahre. Und einen potentiellen Nachfolger hatte er auch schon parat. Bei einer Essenseinladung hätten sie das Thema besprochen. 

Bei Essenseinladung angefragt 
Er präsentierte den stellvertretenden Obermeister der Innung für Elektro- und Informationstechnik Josef Sigel aus Buchenberg, der mit seiner 20-jährigen Erfahrung gerne bereit ist, sich einzubringen. Der 52-jährige zweifache Familienvater hat seine Ausbildung im Elektrohaus in Kempten absolviert, studiert und war 20 Jahre selbständig, derzeit ist er wieder bei Firma Hörburger in Waltenhofen tätig und dort für alle Innungsangelegenheiten zuständig. Mit 16 von 16 möglichen Stimmen sprachen ihm die Obermeister ihr Vertrauen aus und Rauch freute sich, mit Sigel den Kontakt des Handwerks zu einer großen Firma zu stärken. Künftig ist Sigel der Verbindungsmann von 550 hiesigen Handwerksbetrieben zur kommunalen Politik und verschiedenen Gremien.

 Bekannte und neue Gesichter
 Als seinen ersten Stellvertreter wählte die Versammlung den bisherigen zweiten Stellvertreter Klaus Dieter Scholl. Der Bad Hindelanger ist der Obermeister der Innung Spengler, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Zweiter Stellvertreter wurde Maler- und Lackierer-Obermeister Marcel Doriat aus Durach. Auf ihn entfielen zwölf der 16 Stimmen, vier gingen an Johann Marton (stellvertretender Obermeister der Bauinnung, Fliesenleger aus Buchenberg). Hartmann hätte den wichtigen Posten gerne an die Bauinnung vergeben. Aber auf Marton entfielen dann 16 von 16 Stimmen als weiteres Vorstandsmitglied. Genauso wie auf seine neuen Amtskollegen: Theo Sutter (Obermeister der Metallinnung, Bad Hindelang), Karl Schuster (Stellvertretender Obermeister für Kempten und das Oberallgäu der Fleischerinnung, aus Ermengerst), Johann Baldauf (Obermeister der Bäckerinnung, Scheidegg) und Christopher Probst (Stellvertretender Obermeister der Bildhauer und Steinmetze aus Füssen). Rechnungsprüfer wurden die Obermeisterin der Maßschneiderinnung Angelika Ivanovski und Stefan Weiß (Obermeister der Ofen- & Luftheizungsbauer).

Susanne Lüderitz

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