Jubelrufe für Christoph Soltan und Capella Istropolitana

Wahrlich Meisterhaftes im TIK

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Geschmeidig wie ein Tänzer bewegt sich der Pianist und Dirigent Christoph Soldan (li.). Sein Temperament springt auch auf das Orchester „Cappella Istropolitana“ mit ihrem künstlerischen Leiter und Konzertmeister Robert Marecek (vorne Mitte) über.

Kempten – Am Ende des über zweistündigen Meisterkonzerts tauchte die Meerjungfrau „Ondine“ in der Vertonung von Maurice Ravel auf. Der Solopianist Christoph Soldan spielte den Satz aus dem Klavierzyklus „Gaspard de la nuit“ als Zugabe. 

Mit Jubelrufen und tosen-dem Klatschen antworteten die Zuhörer auf Soldans Darbietung. Das slowakische Kammerorchester „Cappella Istropolitana“ begeisterte am Samstagabend gleichermaßen im Theater in Kempten (TIK). 

Von Anbeginn vermochten Soldan und das Orchester, das nur aus Streichern bestand, das Publikum zu fesseln. Als Erstes stand Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert in C-Dur, Köchelverzeichnis 415, auf dem Programm. Schon im ersten Satz (Allegro) beeindruckte Soldan in seiner Doppelfunktion als Soloinstrumentalist und musikalischer Leiter. Tänzerisch elegant und kraftvoll dirigierte er, eilte dann zum Flügel, von wo aus er den Streichern die weiteren Einsätze gab. Das homogen spielende Orchester folgte ihm nahezu blind.

Am Klavier erwies sich Soldan als Meister der schnellen präzisen Läufe. Seine Improvisationen der Solopassagen zeugten von großem Einfallsreichtum. Langsamere Tempi lagen dem Pianisten und dem Orchester ebenfalls, was man im zweiten Satz (Andante) hören konnte. Die Geiger, Bratscher, Cellisten und Kontrabassist setzen stets sauber ein, Soldan spielte die Solostellen weich und gefühlvoll. Der letzte Satz (Allegro) von Mozarts 13. Klavierkonzert hat durch die zahlreichen Triller einen etwas verspielten Charakter. Hier beginnt nicht das Orchester, sondern der Solist. Als Zuhörer hatte man ob der gewaltigen Klangfülle manchmal den Eindruck, es ertönten zwei Orchester gleichzeitig. 

Von Mozart ging die musikalische Reise weiter zu Edvard Grieg und dessen Suite „Aus Holbergs Zeit“, deren Sätze nach alten Tänzen angeordnet sind. Die musikalische Leitung übernahm nun Robert Marecek, Konzertmeister der „Cappella Istropolitana“. Das heißt, bei diesem Stück gab es gar keinen Dirigenten im eigentlichen Sinne. Das rasche An- und Ab-schwellen des Klangs im Prélude setzten die 14 Instrumentalisten gekonnt um. Oft glaubte man, Pferde galoppieren zu hören. Die Sarabande, den zweiten Satz, stimmten die zweiten Geigen und Bratschen an, die die Dy-namik schön gestalteten. Das kraftvolle Zupfen der beiden Cellisten und des Kontrabassisten in der Gavotte wirkte wie eine Trommel. Mit diesem gefälligen dritten Satz trumpfte das Orchester erneut auf. Im demütig interpretierten Air (An-dante religioso) wurde klar, wie gut die einzelnen Musiker aufeinander hören. Dadurch erschien der Satz wie ein inniges Gebet. Die drei Bratschisten, von denen einer im Wechsel mit den anderen beiden zupfte und strich, glänzten wieder im Finalsatz, dem Rigaudon. Sie spielten so lebhaft und heiter, dass alle Witze über Bratscher seit diesem Abend verboten werden müssten. 

Begnadeter Tonmaler 

Nach der Pause erklangen Ottorino Respighis „Antiche danze ed arie per liuto“ – alte Tänze und Arien für Laute. Der italienische Komponist, der ein begnadeter Tonmaler war, schrieb die Suite im Jahr 1931. Dabei überarbeite er Lautenstücke von zwei barocken (Besardo und Roncalli) und zwei unbekannten Meistern. Die „Cappella Istropolitana“ gestaltete jeden der vier Sätze ge-fühlvoll, dynamisch und äußerst spielfreudig. Nie waren Schwachstellen zu hören, weder bei den hohen, noch bei den tiefen Streichern. Robert Marecek und seine Musiker wurden mehrfach bejubelt und beklatscht. 

Für Mozarts Klavierkonzert in Es-Dur (KV 449) kehrte schließlich Soldan auf die Bühne zurück. Mozart komponierte das Werk 1784 für Barbara von Ployer, die eine seiner talentiertesten Klavierschülerinnen war. Eines der Themen des ersten Satzes (Allegro vivace) erinnert an den Kanon „Heute kommt der Hans zu mir, freut sich die Lies.“ Auch Anklänge an Mozarts spätere Oper „Die Hochzeit des Figaro“ sind zu erkennen. Soldan und das slowakische Orchester unterstrichen diese Themen und deren Variationen auf äußerst gelungene Weise. Im zweiten Satz (Andantino), der einen lyrischen und fast kindlichen Charakter hat, setzten die Streicher und der Solist ihr vergnügliches Zwiegespräch fort. Im letzten Satz (Allegro ma non troppo) musste Soldan stellenweise überkreuz spielen. Das heißt, die rechte Hand spielt tiefere Töne als die linke Hand. Das stellte für Soldan keinerlei Problem dar. Trotz seiner nahezu vollkommenen Technik wirkte sein Spiel niemals seelenlos, sondern stets warm und sinnlich. 

Am Ende tauchte dann noch die besagte Meerjungfrau „Ondine“ von Maurice Ravel auf, die sich in einen Erdenmen-schen verliebt hatte. Ach wäre sie doch noch länger in Kempten geblieben! fk

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