Verschiedene Materialien

Mythologischer Anstrich

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Der Kemptener Zeichner und Maler Jürgen Meyer hat unter anderem Eisenchlorid als Malmittel für sich entdeckt.

Kempten – Manches erinnert an fröhliche Kinderkritzeleien, anderes umfängt den Betrachter mit eher düsterer Stimmung. Das künstlerische Werk des Kemptener Zeichners und Malers Jürgen Meyer spiegelt die Facetten des Menschseins wieder.

Zu sehen sind 47 seiner vornehmlich jüngeren Werke derzeit im Kleinen Kunstforum 9c von Ulrike und Heinrich Baur in Kempten, wo er die 20. Ausstellung seit dem zehnjährigen Bestehen der Galerie bestückt.

Eine Besonderheit seiner deutlich ins Abstrakte tendierenden Bilder beschreibt der 64-Jährige so: „Alles hier hat ja einen leicht mythologischen Anstrich“. Die Bezeichnung „leicht“ kann dabei durchaus auch mal stärker ausfallen, wie bei den mit oilbar (gepresste Ölfarbe) übermalten Lithografien „Ankunft auf Ithaka“ oder „Berg des Syssiphos“, das nicht den Berg, sondern die Spuren in den Mittelpunkt stellt, die jener Unglückselige bei seiner Arbeit hinterlässt.

„Mythos, Mythologie ist etwas Narratives“, sagt Meyer und genau darum geht es dem ehemaligen Hochschulprofessor. Seine Bilder sollen erzählen, erzählen von „seinen persönlichen, inneren Mythologien“, von der Verknüpfung von Mensch und Landschaft, die deutlich werden lässt, wie klein der Mensch im Gesamten ist. „Weltgitter“ – ein Wort das es gar nicht gibt – hat Meyer die Ausstellung benannt. Gleichnamig eines der Werke, auf dem er unten eine kleine schwarze Ecke frei gelassen hat, um auf seine Art zu sagen: „Malerei ist vielschichtiger als Zeichnen“ und dass sich unter einer vielschichtigen Oberfläche eine dunkle, unbekannte Welt auftun könnte.

Neben oilbar, Acryl oder auch mal Teerlack zeichnet er gerne mit Eisenchlorid, das einmal aufgetragen ebenso wenig korrigierbar ist, wie der unter anderem von Dürer verwendete Silberstift. Eine „Zufallssache“ nennt er die Entdeckung des Stoffes für sich als Malmittel, das ihn fasziniert, nicht nur weil es sich „zum Teil total aggressiv verändert“. Die rostbraune Farbe und das „Bluten“, wie er die aus den gemalten Formen herablaufenden Spuren nennt, fesseln ihn gleichermaßen.

Das Haptische hat es ihm bei Eisenchlorid ebenso angetan wie beim Papier. Neben handgeschöpftem Nepalpapier verwendet er deshalb gerne solches aus Tapetenbüchern, bei dem Farben und Muster der Tapete integriert werden. Verwendet er die Rückseite mit ihren Aufklebern des jeweiligen Tapetenmodells, kommen dabei oft kuriose – bisweilen irreführende – Namen wie „Barolo“ oder „Larne 7-5071-142“ zustande. Die Farben sind bei Meyer eher zweitrangig. Er versteht sich vor allem als Zeichner. Dass auch den Malereien immer eine Zeichnung zugrunde liegt, ist an den feinen, unter der Farbe liegenden Strichen erkennbar.

Schon immer sei er fasziniert gewesen vom Übergang zwischen dem kindlichen Kritzeln und der erkennbaren Darstellung von Gegenständen, die seines Erachtens „stattfindet, sobald das Kind eine geschlossene Form zeichnen kann“. Natürlich ist ihm klar, dass sich „ein 64-Jähriger nicht zurückbeamen kann auf ein Alter von drei Jahren“. Dennoch „kritzel ich selber auch gern“, räumt er Kinderzeichnungen eine nicht unbedeutende Inspirationsquelle für ihn ein, die er weniger willkürlich und doch im Prozess entstehend perfektioniert. Niederschlag findet diese vor allem in den Eisenchlorid-Bildern in denen er zum Beispiel Tupfen – eine Ausdrucksform, wie sie unter anderem auch in der australischen Aborigines-Kunst zu finden ist – wirkungsvoll formiert.

Nicht weniger fesselnd sind seine Malereien, sei es der schicksalsschwanger-düstere, in Mischtechnik gemalte „Mondberg“, oder die in frischen Farben dargestellten Jahreszeiten „Spring Time“ und „Summer“. Ein verbindendes Merkmal seiner Bilder ist die Sonne, die, wie er aufzeigt, zwar „oft versteckt“ aber „auf fast allen meinen Bildern“ zu finden ist.

Bis kommenden Sonntag, 17. November, ist die Ausstellung „Weltengitter“ mit Zeichnungen und Malereien von Jürgen Meyer in Anwesenheit des Künstlers von 16 von 18 Uhr zu sehen im Kleinen Kunstforum, Hochvogelstraße 9c. Bis zum 6. Januar können zudem Ausstellungsbesuche unter 0831/56 56 144 oder baur.ulrike@t-online.de vereinbart werden.

Christine Tröger

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