"Senioren gehen online"

Jugendparlamentarier helfen Senioren bei Fragen zu Smartphone, Internet & Co.

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Daniel Guggemos gibt Elisabeth Wölfle (l.) und einer anderen Interessentin Tipps rund ums Internet, die Erstere fein säuberlich mitschreibt. Auch „YouTube“ und „Sketsche für Feste“ ist auf dem Zettel zu lesen. „Das ist ja toll“, sagt die Seniorin begeistert. „Da kann ich mir ab jetzt Anregungen holen, wenn mal wieder eine Einlage bei einem Fest ansteht.“

Dietmannsried – In Dietmannsried ist jüngst das generationenübergreifende Projekt „Senioren gehen online“ gestartet. Ab sofort treffen sich an jedem zweiten Mittwoch im Monat um 16 Uhr einige Mitglieder des Jugendparlaments (JuPa) im örtlichen Seniorenheim mit älteren Damen und Herren aus dem Gemeindegebiet.

Bei Kaffee und Kuchen helfen die jungen Leute dann bei Fragen rund um die digitale Welt. Die Cafeteria des Seniorenheimes füllt sich zusehends. Rund 20 Damen und Herren reiferen Alters – teils Bewohner des Hauses, teils Besucher von außerhalb – haben sich mit ihren elektronischen Geräten eingefunden. Auch Bürgermeister Werner Endres und die Seniorenbeauftragte der Gemeinde, Evelyn Breher, sind gekommen, um der Premiere beizuwohnen. Gemeinderatsmitglied Prof. Dr. Thomas Dill hat sich mit seiner Frau unter die Teilnehmer gemischt, „weil meine Familie findet, ich sollte mich mit dem Smartphone besser auskennen“, wie er schmunzelnd sagt. 

Kurz darauf stoßen auch Christoph Breher, Johannes Mösle, Patrick Engel, Daniel Guggemos und Michael Munz aus dem Dietmannsrieder Jugendparlament hinzu. Bei ihnen hat es noch ein bisschen gedauert, mussten sie doch „noch schnell“ den mitgebrachten Router anschließen, um das W-LAN zum Laufen zu bringen. Wie man das halt so kann, als so genannter „digital native.“ Berührungsängste, das kann man sehen, bestehen von beiden Seiten nicht. Zum Teil ist man einander bereits bekannt. Als sich zu jeder Tischgruppe ein junger Mann gesellt hat, werden Klapphandys und Smartphones gezückt, Notebooks und Tablets hochgefahren und Fragen gestellt. Mal geht es darum, Telefonnummern in den Kontakten zu speichern, mal ums Löschen von „überflüssigem Zeug, das den Speicher verstopft“, wie es eine Dame ausdrückt. 

Einer der Jugendparlamentarier wischt schnell übers Display und spricht dabei von „Apps“ und „Navi“, von „Online-Banking“ und „einloggen“. Ob die freundlich nickenden Herrschaften verstehen, was er sagt? „Ich weiß nicht genau. Ich glaub‘s ihm halt“, umschifft einer der Senioren lachend eine eindeutige Antwort. Am Nebentisch möchte Elisabeth Wölfle gern wissen, wie sie ihr iPad beim Autofahren als Navi nutzen und wie sie Fotos verschicken kann. „Ich bin eine der wenigen hier im Haus, die W-LAN in der Wohnung hat, und mache recht viel im Internet“, erzählt die sehr fitte ältere Dame, die im Seniorenheim wohnt. Sie hatte die Idee zu dem generationenübergreifenden Projekt, mit dem sie beim Jugendparlament offene Türen einrannte. „Wir finden die Idee super und machen das wirklich gern“, sagt dessen stellvertretender Vorsitzender, Christoph Breher. „Selbst wenn es nicht um Technik gehen sollte, ist es doch einfach schön, wenn man ins Gespräch kommt.“


Sabine Stodal

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