Band mit Vergangenheit

Das junge Jazzquartett "Blindflug" begeistert bei Klecks.Live

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Die Formation Blindflug mit (v.l.) Simon Seidl, Tom Berkmann, Michael Binder und Magnus Dauner.

 

Kempten – „Klecks.Live“, unter diesem Namen holt Kemptens verdienter Kleinkunstverein Klecks das ganze Jahr über in loser Reihenfolge immer wieder mehr oder weniger bekannte Bands, Gruppen und Formationen auf die Bühne des Künstlerhauses, die alle eines gemeinsam haben: Sie bringen Leben in Kemptens überschaubares Livemusikangebot.

Da ist von Funkrock über Latin bis zur Weltmusik für jedes Ohr etwas dabei. Vergangenen Donnerstag war mit der Gruppe BLINDFLUG der klassische Jazz an der Reihe. Die Musiker von BLINDFLUG hatten sich bereits einmal vor über zehn Jahren im Umfeld des bayerischen Landes-Jugendjazzorchesters zusammengefunden, ein Konzert in den Römerthermen des Tempelbezirks ist von damals in Erinnerung geblieben: Vier blutjunge Jazzer spielten Standards aus dem Realbook der Jazzgeschichte auf eine so routinierte und abgeklärte Art, dass es alten Profihasen zu aller Ehre gereicht hätte.

Der Zuhörer war verblüfft und begeistert zugleich. Mittlerweile sind zehn Jahre vergangen und die vier Jungs aus dem süddeutschen Raum inklusive dem Lokalmatador Magnus Dauner haben sich in alle Winde zerstreut und sind selber zu Profihasen geworden. Sie sind zwar immer noch jung, haben aber nun bereits selbst viel Erfahrung im deutschen und auch schon internationalen Musikgeschäft gesammelt. Und sie laufen sich nach zehn Jahren wieder über den Weg und beschließen, die damalige Band wiederzubeleben und eine gemeinsame Tournee zu starten. Was sie im Künstlerhaus im Rahmen dieser Tournee spielten, waren durchwegs Eigenkompositionen der Bandmitglieder Simon Seidl am Klavier, Tom Berkmann am Kontrabass und Michael Binder am Alt- und Sopransaxophon.

Es war perfekt dargebotener, zeitgenössischer Jazz, dessen Wurzeln im modalen Jazz der Endfünfziger und Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts liegen. Der Zuhörer fühlte sich an die Musik eines Miles Davis oder Wayne Shorter aus dieser Zeit erinnert, versetzt mit den heutigen Zutaten von komplizierteren Songstrukturen und ausgefalleneren Rhythmen. Für den Rhythmus war natürlich Magnus Dauner zuständig, der als einziger ohne eigene Kompositionen für dieses Programm einen zurückhaltenden, aber immer spannenden und präzisen Background zu den Stücken seiner Mitspieler abgab.

Besonders die Kompositionen von Simon Seidl wie etwa sein „Love Song“ überzeugten durch eine lyrische Stimmung, die den Stücken eine eigene Qualität abseits vom heutigen Jazzmainstream schenkten. Tom Berkmanns Kompositionen wiederum, beispielsweise sein „Aqua Ponies“, zeichneten sich durch eine besondere rhythmische Spannung aus. Alle Musiker haben ja, wie das in der professionellen Musikwelt so üblich ist, viele andere Gruppen und Projekte am Laufen. So etwa spielt Simon Seidl bei der renommierten WDR-Bigband, während Tom Berkmann sich als Komponist von Filmmusik bereits einen Namen gemacht hat. Nicht zuletzt durch die launigen Anmoderationen, bei denen sich die Musiker gegenseitig die Bälle zuwarfen, strahlte das gelungene Konzert die Freude und den Spaß von alten Weggefährten aus, die sich in der Welt bereits erprobt haben und nun in entspannter Runde wiedertreffen.

In diesem Sinne wünscht man der Band allerdings, dass sie trotz aller Harmonie auch die Ecken und Kanten ihres Zusammenspiels pflegen, denn nur dadurch werden sie das ganz eigene Profil dieser Band noch stärker herausarbeiten.

Jürgen Kus

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