Käse und Gemütlichkeit

Jasmin Taghanli von den „WendeJacken“ und Norman B. Graue beschatten im Künstlercafè den „Flickflauderli“. Foto: Kampfrath

„Was meinen Sie? Was verbindet das Allgäu und die Schweiz?“ fragt Helga und schaut streng durch die dicken Gläser ihrer Brille. „Rassismus!“ grölt ein junger Mann von hinten. Die Zuhörer toben vor Lachen, Helgas Blick wird noch strenger. „Käse und Gemütlichkeit“, lässt Helga dann als verbindende Elemente der beiden (Vor)-Alpenländer gelten. Diese Szene spielte sich nicht etwa in einer Schule ab, sondern beim „Improtheater-Match“ im Kemptener Künstlercafé.

Die beiden „WendeJacken“ Norman B. Graue und Jasmin Taghanli traten für das Allgäu an. Für die Schweiz ging das Ensemble „anundpfirsich“ mit Frank Renold (Zürich), Melanie Baumann und Michael Rupp (beide St. Gallen) ins Rennen. Die Zuschauer konnten nach jedem Spiel mit einer roten (Schweiz) oder blauen Karte (Allgäu) für ihren Favoriten stimmen. Schiedsrichterin und Moderatorin des schauspielerischen Wettkampfs war obige Helga alias Nadine Schneider, die auch zum WendeJacken-Ensemble gehört. Beim Dialektwortspiel konnten beide Teams die ersten Punkte sammeln. Zunächst mussten die beiden Allgäuer die Bühne und den Raum verlassen, während sich „anundpfirsich“ ein schwizerdütsches Wort überlegen sollte. Die drei einigten sich auf „Flickflauderli“, den Appenzeller Ausdruck für Schmetterling. „Sie sehen, die Appenzeller sind die Allgäuer der Schweiz“, scherzte Melanie. Norman und Jasmin sollten dann mit ihrer Seele erzählen, was ein Flickflauderli ist. Norman verlegte kurzerhand das Geschehen in eine Anwaltskanzlei mit Jasmin als Sekretärin. Die musste prompt eine Akte holen, in der das Wort Flickflauderli vorkam „Der Flickflauderli ist ein gemeines Objekt“, sagte Sekretärin Jasmin. Schließlich machten sich die beiden auf, um das mysteriöse Objekt zu beschatten. Als die Schnüffelei schließlich keine Früchte trug, sagte Anwalt Norman: „Wir fahren jetzt zurück und tragen in die Akte ein: Der Flickflauderli hat mit der Sache nichts zu tun.“ Dann mussten die Schweizer an die frische Luft, während sich die WendeJacken ein Allgäuer Dialektwort überlegten. Mit Hilfe des Publikums entschied sich Norman, ein gebürtiger Kemptener, für Bollederra, was Dachboden bedeutet. Melanie und ihre männlichen Begleiter kamen wieder auf die Bühne und sollten nun ihre Seelen sprechen lassen. Nach mehrmaligem Hören meinte Melanie: „Ah, Bollederra“, und verlieh dem Wort einen italienischen Akzent. Schließlich saß sie mit ihrem Blind Date Michael beim Italiener. Als Sybille und Edgar bestellten sie „Bollederra“ als Speise und Getränk. Das Gericht entsprach aber nicht den Erwartungen, das Blind Date wurde eine Misserfolg. Also tröstete sich Sybille kurzzeitig mit dem italienischen Kellner Frank. Enges Rennen Nach der Kartenabstimmung des Publikums gingen die ersten 20 Punkte an die Allgäuer. Die nächsten beiden Spiele entschieden die Schweizer für sich, sodass sie zur Pause mit 65 zu 20 Punkten führten. Dann hatten plötzlich die WendeJacken mit 100 Punkten die Nase vorn. Musikalisches Highlight war der A-Cappella-Song zum verbindenden Element „Käse und Gemütlichkeit“. Michael ergriff die Initiative und das Mikrofon, gab einen bassigen Beat vor, in den sich Norman und Frank einfügten. Mit den beiden Frauen stöhnten sie dann genüsslich Käse und Gemütlichkeit. Michael und „Trompeter“ Frank legten ein Solo hin. Norman tat es ihnen gleich und pries die leckeren Käsetaler, Jasmin toppte das Ganze noch mit einer souligen Gesangseinlage. Die Zuschauer reagierten mit heftigem Applaus und Pfiffen. Helga war so beeindruckt, dass sie sich spontan mit dem Hintern zum Publikum vor den Sängern verneigte. Beide Teams bekamen 35 Punkte und plötzlich stand es dank Helgas großzügigem Rechenfehler 195 zu 155 für die Schweiz. Beim vorletzten Spiel ging es tierisch zu. Auf Wunsch des Publikums wurde Jasmin zum Erdmännchen, Melanie zum Pony, Norman zum Krokodil und Michael zum Biber. Die Szene spielte in einem Altersheim mit den beiden Frauen als Krankenschwestern und den Männern als pflegebedürftigen Bewohnern. Norman schlief mit offenem Mund und vorgeschobenem Unterkiefer, Michaels Frontzähne ruhten auf der Unterlippe, eben wie bei einem Nager. Norman erzählte er von seinem neuen Gebiss und bestellte Fisch bei Schwester Jasmin. Die stand aufmerksam beobachtend da, rollte die Augen und sagte immerfort: „Ess’n“. Schwester Melanie verabreichte den Heimbewohnern die Medikamente und warf ihr langes schwarzes Haar hinter sich. Als sich Norman über eine Fliege in seinem Essen beschwerte, wischte Melanie das Maleur kurzerhand mit ihrem Hinterteil weg. Biber Michael verlangte nach mehreren hölzernen Zahnstochern. Wieder tobte das Publikum. Entscheidung muss her Nach zwei äußerst unterhaltsamen Stunden hatten beide Teams jeweils 200 Punkte auf dem Konto, sodass es ein Entscheidungsspiel gab. Innerhalb einer Minute sollte eine ordentliche Kussszene zu Stande kommen. Kunstlehrer Frank traf auf die zornige Schülermutter Melanie, die sich über die Notenvergabe beschwerte. Die Wut verflog schnell, es endete in einem Zungenkuss und grölendem Publikumsjubel. Helgas Kommentar: „Die jungen Leute sind auf Geschlechter, äh, gepolt.“ Norman und Jasmin spielten Verstecken in Stonehenge, wobei sie die drei Schweizer tatkräftig als Steine unterstützten. Kurz vor dem Ablauf der Minute fing Norman Jasmin und küsste sie von hinten. So entschieden die Allgäuer das Match schließlich für sich. Den Pokal aber, einen schneebedeckten Berg, überließen sie den Schweizern. Denn schließlich lautete das Motto: „Bergvölker vereinigt Euch!“

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