RECUP und "Tütle"

Zwei Wege zum bewussteren Umgang mit Müll und Ressourcen

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Prinzipiell kann Jennifer Hailer eine positive Resonanz auf das neue RECUP-Angebot verzeichnen, auch wenn das Kaffeetrinken aus ordentlichem Geschirr und vor Ort sicher mehr Genuss verspricht.

Kempten – Mit großem Bahnhof und Aktionen wurde am gestrigen Dienstag (nach Redaktionsschluss für diese Ausgabe) gleich für mehrere Allgäuer Gemeinden der Start für das Mehrwegpfandbecher-System RECUP, das der Leiter des Amtes für Umwelt und Naturschutz Claus Jaskolka

vergangenen September in Kempten vorgestellt hatte (der Kreisbote berichtete), in der Kemptener Fußgängerzone zelebriert (mehr dazu in unserer kommenden Samstagsausgabe).

Kurz zur Erinnerung: Der RECUP kann bei jedem Partner-Café gegen einen Euro Pfand mitgenommen und bei jedem beliebigen teilnehmenden Café deutschlandweit ungespült und gegen Pfandrückgabe wieder abgegeben werden. Dort wird der Plastikbecher gereinigt und weiterverwendet. Der Kaffee im RECUP wird zudem günstiger angeboten als der im herkömmlichen Einwegbecher.

Vereinzelt sind die RECUPs bei lokalen Kaffeeanbietern aber auch schon seit einigen Wochen im Einsatz, wie zum Beispiel im Kemptener Naturkostladen mit Bistro PurNatur. Auch wenn das „System noch nicht ausgereift ist“, findet Inhaber und Apotheker Dietmar Wolz es wichtig, dass man einmal anfängt, dem Pappbecher-Müll den Kampf anzusagen. Aber natürlich „ist es grundsätzlich das beste, man nimmt sich die Zeit“, um den Kaffee vor Ort zu genießen. 

Eine „echte Ersparnis“ sieht Wolz allerdings wegen des Spülaufwands nicht. Da wäre es aus seiner Sicht besser, wenn der Kunde einfach sein eigenes Gefäß mitbrächte und nach Benutzung von diesem auch zuhause gespült würde. Dafür sei aber eine Gesetzesänderung nötig, da es nicht erlaubt sei, mitgebrachte Gefäße zu befüllen, sei es an der Kaffee- oder an der Frischkosttheke, schüttelt er im Gespräch mit dem Keisboten den Kopf. Manch pfiffiger Kunde will sich da aber keine Vorschriften machen lassen, wie gelegentlich zu beobachten ist, und leert kurzerhand die stationäre Tasse Kaffee in seinen eigenen Mitnehmbecher, bevor er von dannen zieht.

Dass viele der Mitnehm-Kaffeekunden bislang auf RECUP mit der Begründung verzichten wollten, dass sie „was zum Wegwerfen brauchen“, weil sie keine Tasche dabei hätten, mag daran liegen, dass das RECUP-System hier derzeit erst in den Startlöchern steht. Denn je mehr Kaffeeanbieter mitmachen, umso mehr Stellen gibt es, wo man den Becher, nachdem er leergetrunken ist, auch schnell wieder abgeben kann. Nachbesserungsbedarf sieht Wolz beim Plastikdeckel als zwar einziges Wegwerfteil, aber eben doch Müll. Auch mehr Vielfalt bei den Bechergrößen wünscht er sich, denn zum Beispiel für kleine Portionen wie Espresso seien die großen Becher schon wegen zu rascher Auskühlung nicht geeignet. Werden dagegen größere Mengen heißer Flüssigkeiten eingefüllt, muss der Becher mit einer (Wegwerf-)Manschette bestückt werden, damit sich die Kunden die Finger nicht verbrennen, berichtet Jennifer Hailer an der Bistro-Theke von weiteren Erfahrungen. Prinzipiell, sagt sie, seien die Kunden aber offen für das neue Angebot

Weitere innovative Idee

Der Müllvermeidung und Ressourcenschonung durch RECUP hat Wolz aber gleich noch eins draufgesetzt und bietet seit rund einem Monat neben Stofftaschen für die Einkäufe statt herkömmlicher Papiertüten das „Tütle“ an, für das er sich einen ebenso flächendeckenden Einsatz in der Stadt (und darüber hinaus) vorstellen mag, wie für den RECUP. Hinter dem aus 100 Prozent Altpapier bestehenden Tütle stecke ein, so Wolz, „etwas weitergedachtes System“ für eine Mehrfachverwendung plus absolut CO2-neutraler Herstellung. Denn auch dadurch, dass über das Projekt „Plant-for-the-Planet“ pro 1000 verkaufter Tütle ein Baum nachgepflanzt werde, hinterließen weder Herstellung noch Transport einen „Fußabdruck im Kreislauf“. Sein Wunsch sei, nicht nur „generell weg von der Plastiktüte“, sondern auch hier weg von der Einmalnutzung, denn er ist auch hier überzeugt davon, dass „man das Grundsatzverhalten ändern muss“. 

Anders als bei vielen anderen Biotüten-Modellen, sei das Tütle made in Germany zu 100 Prozent kompostierbar und auch weitere Vorteile liegen für ihn klar auf der Hand: Beispielsweise sei das Tütle wegen des doppelten Bodens und speziellen Papiers auch bei Feuchtigkeit reißfest und somit unter anderem gut als Bioabfalltüte geeignet. Da das Tütle zudem individuell mit umweltfreundlichen Farben auf Wasserbasis und ohne Lösungsmittel oder Schwermetallen mit Firmenlogos etc. bedruckt werden könne, sieht Wolz eine gute Chance, dass auch andere Einzelhändler darauf umsteigen könnten. Deshalb hat er es beim Citymanagement (CM) bereits vorgestellt. „Es ist für uns grundsätzlich interessant und ein Thema“, betont Geschäftsstellenleiterin Katinka Zimmer auf Nachfrage des Kreisboten, aber letztendlich eine Vorstandsentscheidung, ob und wie sich das CM hier einbringen könnte. Deshalb soll es in der nächsten Vorstandssitzung thematisiert werden. 

Christine Tröger

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