Kalauern und imitieren

Die Bühne der Festhalle Dietmannsried ist breit. Jede Menge Requisiten hätten darauf Platz. Günter Grünwald braucht davon – nichts. Das ist sein Stil. Die Pointen, die man für sich selber zurechtgelegt hat, kommen genau so, aber vollkommen anderst. Da lässt sich das Publikum in der gut gefüllten Halle regelmäßig zum Szenenapplaus hinreißen.

Der Kabarettist aus Ingolstadt, der auf dieser Tournee sein zwanzigjähriges Bühnenjubiläum feiert, nimmt es so locker, wie er sich präsentiert. (Zitat Grünwald: „Genau genommen sein 23., aber er kann ja nicht alle 14 Tage neue Plakate drucken lassen.“) Jeans, Hemd über der Hose, bequeme Schuhe, Brille. Die meisten kennen ihn vom Fernsehen, aber es ist wie beim Skispringen. Live sieht man weniger, aber die Stimmung kommt in der Glotze einfach nicht so rüber. Und selbige ist prächtig. Günter erzählt, kalauert, imitiert, verarscht und spielt Pantomine in einem Tempo, dass man kaum Zeit hat, über den letzten Gag herzhaft zu lachen. Ruhepausen für die Lachmuskeln gibt es selten, immer wenn man denkt, jetzt kommt er in ruhigeres Fahrwasser, endet das mit einem richtigen Knaller. Wenn er beispielsweise seinen Schulweg beschreibt. Der war 20 Kilometer lang, einfach, führte durch unwegsames Gelände, er musste sechs Flüsse durchqueren, drei davon der Länge nach. Man hört ihm gerne zu hier im Allgäu, er ist zwar ein Oberbayer, aber ein gemäßigter. Die Schimpfwörter versteht man eh, und wenn er den Gröfaz gibt, dann ist der Text wurscht, denn es ist nach der Einleitung egal was er sagt (ein paar Brocken sind verständlich wie Sieg, Feind, Jude ), wie er es spielt, das ist was zählt. Typisch für ihn auch, wie er nach zwei Stunden (ohne einen einzigen Versprecher) erklärt, wie die Zugabe aussehen würde, wenn es sie denn gäbe. Der Veranstalter ist Schuld, an seinem schwarzen BMW um die Ecke kann man seine Wut darüber auslassen, dass die 24 Kilometer lange Showtreppe , die er herunterkommen wollte, keinen Platz hatte. Und so geht er, wie er gekommen ist. Nur in die andere Richtung. Man hätte ihm noch länger zuhören und zuschauen können, als Kabarettist hat er natürlich ein paar Klischees bedient, aber es war nie deutlich unter der Gürtellinie und vor allem hat er seinen Zuhörern erspart, sich über die Politik entweder zu ärgern oder über sich deren Präsentation zu freuen oder auch nicht.

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