Kammermusik- und Orchesterkonzert der Sing- und Musikschule

Besonderer Konzertgenuss

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(v.l.) Tabea Hiemer, David Reeg und Maja Grzanka nach ihrem gelungenen Auftritt.

Kempten – Einmal mehr zeigten die Schüler und Lehrer der Sing- und Musikschule (sms) ihr musikalisches Niveau und ihre außergewöhnliche Auswahl an Kompositionen. Das Spektrum reichte von Joseph Haydn, Harald Genzmer bis hin zu Astor Piazolla, um nur einige zu nennen.

Nach der Begrüßung durch den Leiter der Musikschule, Robert Rossmanith, ging es gleich kraftvoll zu Sache. Die „Maxi Strings“ unter der Leitung von Susanne Kühn mit einer Komposition von Ramin Djawadi (geb.1971) „Game of thrones“ setzte erste Akzente.

Ennio Morricone, bestens bekannt als Filmkomponist mit „Gabriels Oboe“, gespielt von Eva Zobel, berührte durch ihren butterweichen Ansatz und die verträumt dahinfließende Melodie. Die Anlehnung an eine Westernfilmmusik war nicht zu überhören, nicht zuletzt durch den nicht enden wollenden Vorhalt Akkord vor Schluss. Das anschließende Stück „El Choclo“ vermittelte spanischen Schwung und konsequente, energiereiche Fülle. Das Publikum war begeistert!

Die Sonatine für Trompete und Klavier von Harald Genzmer (1909-2007) von Jonathan Klein (Trompete) und Marvin Voigt (Klavier) wurde meisterhaft dargeboten – schwungvoll, teilweise atonal, im Wechsel mit sehnsüchtigen Tönen, unterlegt mit fulminanten Akkorden.

Im 3. Satz „Saltarello“ hörte man fast Zirkusspäße auf der virtuos gespielten Trompete und dem Pianisten wurde in der Tat eine Fingerakrobatik abverlangt, die eine stabile Spieltechnik voraussetzen. Durch das sensible Zusammenspiel beider Interpreten wurde diese Komposition zum Hochgenuss, auch wenn die Musikrichtung vielleicht gewöhnungsbedürftig ist. Aber genau dadurch werden Akzente gesetzt, wird die jugendliche Musikentwicklung an die Moderne herangeführt und nicht bei der gängigen Klassik gestoppt.

as nachfolgende Streichquartett von Joseph Haydn (1732-1809) wirkte dann etwas beruhigend auf die Hörgewohnheit. Eva Koneberg (1. Violine), Delia Niekrawietz (2. Violine), Linus Möller (Viola) und Severin Haslach (Violoncello) zeigten ein gutes Zusammenspiel ohne Dirigent. Das erste Largo war besonders herausfordernd, wenn man bedenkt, wie schwer langsame Stücke zu timen sind. Aber durch die grazile Bogenführung und die klaren Einsatzsignale von Eva Koneberg gab es keine Probleme. Auch das Finale „Presto“ träufelte unbeschwert und dynamisch im klassischen Stil in die Ohren.

Das Bläserquintett unter Hans Peter Willer interpretierte danach zwei Kompositionen von Dizzy Stratford (geb.1959). Die „Tragic Story“, die in der Tat sehr tragisch klang, dennoch mit kuschelrockartigen Elementen ins Herz traf. Die anmutige Spielweise von Beatrice Weiße (Querflöte) und Anna-Lena Hartmann (Oboe), die saubere und rhythmische Intonation von Valentin Tressle (Horn), Lilli Meschke (Fagott) und Hans-Peter Willer (Klarinette) sorgten auch bei „Sunny Day“ für musikalischen Sonnenschein.

Dann vor der Pause: Melancholie pur! „Verano porteno“, Trio für Klavier, Violine und Violoncello von Astor Piazolla (1921-1992), einer der großen Tango Komponisten der Neuzeit. Allein über ihn und seine Kompositionen könnte man ein abendfüllendes Programm gestalten, meinte Christian Brunner begeistert. Er hat dieses Stück einstudiert, war selbst einige Zeit in Argentinien, und hat hautnah erlebt, dass Tango viel mehr ist als nur Tanz. Das kommt auch in der Komposition, die von Tabea Hiemer (Klavier), Maja Grezanka (Violine) und David Reeg (Violincello) überzeugend dargeboten wurde, deutlich zum Vorschein. Abstrakte Schreckmomente, hämmernde Akkorde, gefolgt von überquellenden Gefühlsergüssen. Extreme Gegensätze, leichtfüßige Pianos, die im Drama enden, um dann wieder nach einer Gedankenpause in prasselnde Accelerandos (Beschleunigungen) einzulaufen. Kurzum, ein Wechselbad der Gefühle, das in einem rauschenden Glissando endete. Eine absolut meisterhafte Darbietung, die mit frenetischem Applaus belohnt wurde.

Nach der Pause spielte das Jugendsinfonieorchester unter der Leitung von Johannes Kühn zwei interessante, aber eher unbekannte Komponisten. Zuerst die Sinfonie C-Dur von Friedrich Witt (1771-1836), der zu Lebenszeiten bekannt und beliebt war, aber nach und nach in Vergessenheit geraten ist. Sein Vorbild Joseph Haydn war herauszuhören, ebenso wie die im Pizzicato gespielten Anlehnungen an Bachs „Jesu meine Freude“. Alles in allem ein kompaktes sinfonisches Werk mit klassischer Kadenzführung, Dur und Moll Wechseln, das den jungen Musikern einiges abverlangte.

Zum Abschluss das „Palladio“, Concerto Grosso für Streichorchester, von Karl Jenkins (geb. 1944). Dieser komponierte ursprünglich eine Musik für einen Fernsehwerbespot für Diamanten. Aus dem kurzen Werbe-Motiv entwickelte er einen längeren Satz und erweiterte ihn zu einem „Concerto grosso“ für Streicher. Er nannte es „Palladio“ nach dem berühmten Architekten der Renaissance. Harmonische Strukturen spielen sowohl in der Musik wie in der Architektur eine große Rolle. Viel wurde mit diesem Stück schon herum arrangiert. Kühn hat noch eins drauf gesetzt und Schlagzeug, E-Gitarre und Digital-Piano als Überraschung dazu spielen lassen. Das Arrangement fand großen Anklang, nicht nur bei der Jugend. Das musste er gleich zweimal hintereinander aufführen und damit ging ein genussreicher Konzertabend unter begeistertem Beifall zu Ende.

Jürgen Blasinski

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