ADAC und DB Regio starten Info-Kampagne "Bahn hat Vorfahrt"

Tödlicher Leichtsinn am Bahnübergang

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Ein völlig zerstörtes Auto soll bei Vor-Ort-Terminen in ganz Deutschland auf die dramatischen Folgen von Leichtsinn und Unachtsamkeit an Bahnübergängen aufmerksam machen. Das Unfallfahrzeug gehörte einer 86 Jahre alten Fahrerin, deren PkW sich vor einigen Jahren nach einem Unfall überschlagen hatte und auf einem Bahnübergang liegengeblieben war. Kurz vor der Kollision mit einem Regionalexpress konnte die Fahrerin von zwei Passanten unverletzt aus dem Auto befreit werden. Alexander Kneipl (v.l.), Bärbel Fuchs und Bürgermeisterin Sibylle Knott sind beeindruckt und geschockt, mit welcher Wucht der Opel Agila eingedrückt wurde.

Kempten – Ein Linienbus kollidiert mit einer Regionalbahn am Übergang nach Breitenbrunn bei Pfaffenhausen im Landkreis Unterallgäu. Vier Menschen werden verletzt, die Busfahrerin schwer. Es war einer der schwersten Unfälle an Bahnübergängen, die sich in den letzten Monaten im Allgäu ereignet haben. Neun Unglücke mit insgesamt 15 Verletzten und zwei Toten waren es im Jahr 2015 im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd-West, 67 Unfälle mit sieben Toten und 67 Verletzten in ganz Bayern.

Damit sich solche Szenarien nicht wiederholen, starten die DB Region Allgäu-Schwaben und der ADAC die bayernweite Informationskampagne „Bahn hat Vorfahrt!“. „95 Prozent aller Unfälle an Bahnübergängen sind auf ein Fehlverhalten der Autofahrer oder Fußgänger zurückzuführen. Durchschnittlich jeder vierte endet tödlich“, stellte Alexander Kreipl, verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher des ADAC Südbayern, bei der Auftaktveranstaltung in Kempten fest. „Man muss sich ins Bewusstsein rufen, sich unbedingt an die Verkehrsregeln an Bahnübergängen zu halten. Jeder dritte weiß nicht, was ein Andreaskreuz bedeutet oder was die Baken aussagen“, mahnte er. Hauptursache seien in den meisten Fällen Unkenntnis der Verhaltensregeln, Unaufmerksamkeit und Leichtsinn, so der Experte. Mit der Kampagne wollen die Aktionspartner das Bewusstsein für die Gefahren an Bahnübergängen schärfen und an die Verkehrsteilnehmer zu umsichtigen Verhalten appellieren.

Bayernweit gibt es knapp 3300 Bahnübergänge, alleine 832 im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd-West. Damit gibt es in der Region überdurchschnittlich viele Kreuzungspunkte. Jeder Übergang, egal ob mit oder ohne Schranken, wird mittels Verkehrszeichen angekündigt: Weiß-rote Baken weisen in 240 Metern, 160 Metern und 80 Metern Entfernung auf den Übergang hin, unmittelbar vor dem Kreuzungspunkt signalisiert das Andreaskreuz, dass der Schienenverkehr Vorrang hat. Zudem warnen Züge mit Pfeifsignalen die Verkehrsteilnehmer an technisch ungesicherten Stellen.

Anzahl reduziert

Ein Großteil der Bahnübergänge entfällt in Bayern auf kleinere Nebenstrecken. Diese sogenannten Regionalnetze Süd umfassen mehr als 2000 Streckenkilometer mit aktuell 1647 Bahnübergängen, wovon 711 technisch, das heißt mit Schranken, gesichert sind. Seit Jahren reduziert die DB auch an den Nebenstrecken die Anzahl der Bahnübergänge. In den vergangenen zehn Jahren wurden knapp 160 von ihnen beseitigt. Auch in den nächsten Jahren bis 2019 sollen weitere rund 35 Bahnübergänge aufgelassen werden. Voraussetzung ist die Mitwirkung und Zustimmung der beteiligten Straßenbaulastträger. Dabei sind insbesondere Bahnübergänge im Blick, die sich als unfallträchtig erwiesen haben. Warum Verkehrsteilnehmer trotz rotem Blinklicht oder Warntafeln achtlos Bahnübergänge passieren, weiß ADAC Verkehrspsychologin Nina Wahn: „Ursachen sind in vielen Fällen Zeitdruck und der Irrglaube, die Situation unter Kontrolle zu haben.“ Zudem sieht sie die Gefahr einer Routinehandlung: „Beim ersten Fehlverhalten liegt die Hemmschwelle vielleicht noch hoch, wenn jedoch beim wiederholten Male nichts passiert, sinkt das Risikobewusstsein“. Oft werden die Geschwindigkeit des Zuges und der Bremsweg völlig unterschätzt. „Selbst, wenn ein Lokführer eine sofortige Vollbremsung einleitet, benötigt ein 100 km/h schneller Zug 1000 Meter bis zum Stillstand“, erklärt Bärbel Fuchs, Geschäftsleiterin der DB Regio Allgäu-Schwaben. Um Bahnübergänge sicher zu passieren, geben der ADAC und die Bahn diese Tipps:

• Bremsbereit und mit maximal 50 km/h auf den Bahnübergang zufahren

• Niemals überholen!

• Die Bahnstrecke nach beiden Seiten überblicken

• Auf akustische Pfeifsignale achten

• Sofort anhalten, wenn sich am unbeschrankten Bahnübergang ein Zug nähert

• An beschrankten Bahnübergängen schon beim roten Blinklicht stehen bleiben, nicht erst, wenn sich die Schranken senken

• Erst weiterfahren, wenn das Rotlicht erloschen ist und die Schranken vollständig geöffnet sind.

Sabine Meier

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