Fachstelle zeigt Wirkung

Kampf gegen Wohnungslosigkeit in Kempten

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Kempten – Von einem „großen Erfolg“ sprach Sozialreferent Thomas Baier-Regnery kürzlich im Ausschuss für Soziale Fragen. Thema war die Wohnungslosenhilfe. 23 Mal konnte die im Mai 2019 eingerichtete „Fachstelle zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit“ bis dato verhindern, dass Mieter ihre Wohnungen verlieren.

An diese Stelle können sich sowohl Mieter als auch Vermieter wenden, wenn beispielsweise eine Räumungsklage, Zwangsräumung oder Kündigung im Raum steht. Die Fachstelle versucht zwischen Mieter und Vermieter zu vermitteln, um außergerichtliche Lösungen zu erzielen, hilft bei der Korrespondenz mit Behörden und zeigt Handlungsmöglichkeiten auf. 70 Fälle sind beim Zuständigen Christian Koops bisher aufgeschlagen, 50 davon hat er abgeschlossen. Die Fachstelle wurde eingerichtet, weil mit den Zuzügen nach Kempten auch die Zahlen im Bereich der Wohnungslosigkeit steigen.

 „40 bis 50 Fälle hatten wir sonst pro Jahr“, sagte Baier-Regnery, „jetzt sind es 70 bis 75. Die Kapazitätsgrenze in den Notunterkünften ist erreicht.“ Derzeit wohnen 140 Menschen in den Wohnungen am Schumacherring, in der Reinhartser Straße und in der Bleicherstraße. Im Januar 2018 waren es noch 118, im Jahr 2012 nur 54, (der Kreisbote berichtete). Deshalb wurde als weitere Maßnahme in den Wohnheimen vor Ort eine Beratungsstelle, angeschlossen an die Diakonie Kempten Allgäu eingerichtet, die den Bewohnern helfen soll, sich aus ihrer Situation zu befreien. 

Auch bei Problemlagen vor Ort kann hier Hilfe geleistet oder weitervermittelt werden. Auch die bedarfsgerechte Unterbringung der Personen wurde neu geregelt. So sollen Sanitär-Anlagen, Heizung, Aufenthaltsräume, Schließfächer, Waschmaschinen und Münz-Stromzähler in den zentralen wie auch in dezentralen Unterkünften zur Verfügung stehen.

Noch mehr Vermieter erreichen

Alle Instrumente entfalten laut Baier-Regnery bereits ihre Wirkung, trotzdem strebt er ein dauerhaft abgestimmtes Konzept an und ist optimistisch, „dass sich das Thema in absehbarer Zeit beruhigt“. Während die Fachstelle zur Vermeidung der Wohnungslosigkeit auf unbestimmte Zeit angelegt ist, läuft die Förderung des Sozialministeriums für die Anlaufstelle in den Unterkünften im Jahr 2021 aus. 

Insgesamt möchte Baier-Regnery noch mehr Vermieter erreichen und Werbung dafür schalten. Bis Ende März sei auch der Austausch der Kohleöfen durch Zentralheizungen in den Notunterkünften beendet. Ein Wachdienst patrouilliert im Moment. Stephan Prause (CSU) jedenfalls befand es für gut, dass die Stadt in dieser Thematik Verantwortung übernimmt und „nicht hin- und herschiebt“. Dem schloss sich Lothar Köster (SPD) an. Er war zudem froh, dass sich die Wohnungslosigkeit im Kemptener Stadtbild nicht so stark zeige wie andernorts. Und Johann Lederle (CSU) berichtete aus seiner Praxis als Rechtsanwalt, dass oft Menschen, die kurzfristig aus dem Gefängnis entlassen werden, sich mit der Frage konfrontiert sehen, wo sie unterkommen können. Wie Baier-Regnery erläuterte, betreffe dies auch entlassene Patienten aus dem Bezirkskrankenhaus und Frauen, die aus dem Frauenhaus ausziehen.

 Zur Vermietung zwingen?
Auf die Problematik des Leerstandes wies Peter Wagenbrenner (CSU) hin. „Im Stadtgebiet gibt es viele Wohnungen, die von den Eigentümern nicht mehr vermietet werden“, sagte er. Dies sei ein „diffiziles Thema“, so Baier-Regnery. Man könne nur schwer feststellen, welche Wohnungen wirklich leer sind und welche als Ferienwohnungen dienen. Im April werde im Bauausschuss über eine Zweckentfremdungssatzung diskutiert. Allein die Vorbereitungen für diese Sitzung seien enorm. „Man kann nur an die Vermieter appellieren, ihre Wohnungen bereitzustellen“, sagte Baier-Regnery. Davor warnte aber Bürgermeister Josef Mayr. Meist gingen einem Leerstand große Enttäuschungen voran, die den Vermietern eine erneute Vermietung unmöglich machten. „Das lässt sich nicht über eine Satzung regeln“, sagte er, „da muss sich Vertrauen bilden, sonst geht es nicht.“ 

Susanne Lüderitz

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